18.02.2020, 23:51 Uhr

„Sea-Eye“ Regensburger Seenotretter stellen sich zukünftigen Herausforderungen

Die „Alan Kurdi“ wird aktuelle in Burriana gewartet. Das Foto zeigt die „Alan Kurdi“ während eines Werftaufenthalts im Mai 2019, ebenfalls in Burriana.  Foto: sea-eye.orgDie „Alan Kurdi“ wird aktuelle in Burriana gewartet. Das Foto zeigt die „Alan Kurdi“ während eines Werftaufenthalts im Mai 2019, ebenfalls in Burriana. Foto: sea-eye.org

Am Samstag, 15. Februar, trafen sich mehr als 60 der insgesamt 500 Vereinsmitglieder von „Sea-Eye“ zur jährlichen Mitgliederversammlung in Regensburg. In einer achtstündigen Sitzung stellte sich das höchste Vereinsgremium den anliegenden Fragestellungen.

Regensburg. So wählte die Mitgliederversammlung den Hamburger Gorden Isler erneut zum Vereinsvorsitzenden. Als stellvertretender Vorsitzender wurden der Kemptener Jan Ribbeck im Amt bestätigt. Ebenfalls in der Verantwortung blieben der Regensburger Günther Schmidt und der Weidener Dominik Reisinger. Neu im Vorstand ist die Bonner Studentin Lena Meurer. Der Vorstand von „Sea-Eye“ arbeitet nach wie vor ehrenamtlich.

In einer offenen Aussprache ging es insbesondere um die Zukunft der Regensburger Seenotretter. So war man sich darin einig, dass die internationale Staatengemeinschaft derzeit erfolgreicher darin ist neue Fluchtursachen zu schaffen, als sie zu beseitigen. Nie waren so viele Menschen auf der Flucht, wie heute. Staatliche Akteure haben die Seenotrettung im zentralen Mittelmeer gänzlich eingestellt und überlassen die dortigen Seenotfälle der sogenannten, libyschen Küstenwache. An zivile Seenotrettungsorganisationen werden zunehmend höhere Anforderungen gestellt. Viele mussten aufgeben. „Sea-Eye“ ist mit der „Ala Kurdi“ weiter einsatzfähig. Die Mitglieder wollen mit ihrem Schiff weiter Menschenleben retten, weil es einfach notwendig bleibt. Der Verein wird seine Professionalisierungsstrategie daher weiter fortsetzen und durch Gründung einer „Sea-Eye“-Akademie noch mehr Menschen dazu befähigen, ehrenamtliche Seenotretterinnen und Seenotretter zu werden.

Besonders hervorgehoben wurde die Bedeutung des Regensburgers Michael Buschheuer. Der Verein wurde vor vier Jahren auf seine Initiative hin gegründet. Michael Buschheuer selbst war zur „Young Security Conference“ im Kontext der parallel stattfindenden Münchener Sicherheitskonferenz als Referent eingeladen worden und konnte deshalb nicht an der Versammlung teilnehmen. Die Mitglieder beschrieben ihn als „das Herz“ und auch als „das Gesicht“ des Vereins. Die Gründungsgeschichte soll nun aufgearbeitet und veröffentlicht werden. „Als Gründer ist Michael Buchheuer in besonderer und wiederholender Weise zu würdigen. Wir sehen in Michael einen sehr wichtigen und unglaublich engagierten Repräsentanten“, sagte Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye.

Das „Sea-Eye“-Schiff „Alan Kurdi“ absolviert derweil einen Werftaufenthalt in der spanischen Stadt Burriana. Mehr als 60 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer bereiten das Schiff auf das Einsatzjahr 2020 vor. Nach Absolvierung der Werft soll die „Alan Kurdi“ für den Rest des Jahres wieder einsatzfähig sein.

Der Verein „Sea-Eye“ wurde 2015 in Regensburg gegründet. Mit den umgerüsteten Fischkuttern „Sea-Eye“ und „Seefuchs“ beteiligten sich mehr als 800 ehrenamtliche Rettungskräfte, in über 60 Missionen, unter niederländischer Flagge an der Rettung von 14.906 Menschen. Im Sommer 2018 entschied die Vereinsführung ein neues Schiff unter deutscher Flagge in den Einsatz zu senden. Die „Alan Kurdi“ war das erste Schiff einer Hilfsorganisation unter der Bundesflagge. Ihr Einsatz rettete bis heute 538 Menschen das Leben.


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