30.12.2019, 10:16 Uhr

Bräuche zum Fest in Griechenland An Silvester kommt bei uns der „Weihnachtsmann“


Auf Silvesterknaller müssen die Griechen verzichten, dafür gibt es aber Geschenke zum Jahreswechsel. Die Redakteurin Julia Bellinghausen vom Regensburger Wochenblatt gibt Einblicke in die Traditionen ihrer Schwiegerfamilie.

REGENSBURG In diesen Tagen freuen sich die Kinder in Deutschland bereits über ihre Geschenke, die unter dem Christbaum liegen. Hierzulande werden sie vom Christkind oder auch dem Weihnachtsmann gebracht – daran scheiden sich ja doch oft die Geister. In Griechenland, wo mein Mann herstammt, warten die meisten Kinder dagegen mit Spannung noch auf ihre Geschenke. Denn die gibt es traditionell eigentlich erst in der Nacht vom 31. Dezember auf den 1. Januar. Zwar macht sich auch im traditionsbewussten Griechenland der amerikanische „Santa Clause“ langsam breit, jedoch glauben die meisten Kinder noch an den „Agio Vasili“ als Gabenbringer.

Ausgepackt werden die Geschenke dann um Mitternacht. Da kommt die ganze Familie am Esstisch zusammen, um gemeinsam ein Weihnachtslied zu singen. Meine Schwiegermutter trägt dann die „Vasilopita“ auf, die eine gute Hausfrau natürlich noch selbst backt, die es aber auch hübsch mit der neuen Jahreszahl und Weihnachtsmotiven dekoriert bei Konditoren und Bäckereien zu kaufen gibt. Das Besondere an diesem Trockenkuchen: Im Inneren versteckt sich eine Münze, die dem Auffinder Glück im neuen Jahr verheißen soll. Der Hausherr dreht den Kuchen dreimal mit Schwung auf dem Tisch, sodass der Puderzucker oft den ganzen Tisch einstäubt. Nun werden die Stücke geschnitten und verteilt. Jedes Familienmitglied erhält das Stück, das in dessen Richtung zeigt. Darüber hinaus gibt es ein Stück für den Heiligen Vasili, eines für das Christuskind und eines für das Haus der Familie. Und sofort macht sich alles daran, das große Stück Kuchen zu zerpflücken, um herauszufinden, ob man selbst vielleicht der Glückliche ist, der die „flouri“ entdeckt hat. Zugegeben, als unsere Nichte noch sehr klein war, wurde meist ein bisschen getrickst, damit das Mädchen die begehrte Münze in ihrem Stück auffinden konnte. Aber mittlerweile geht es wieder höchst seriös bei uns zu. 2017 war die Münze übrigens zwischen das Stück meines Mannes und mir gefallen – in jenem Jahr ist im Herbst dann auch unser Sohn geboren – bloßer Zufall?

Kein Adventskalender, dafür gibt‘s die „Vasilopita“

Jetzt ist mein Kleiner zwei Jahre alt und kann erstmals Weihnachten und Silvester auch wirklich miterleben. Natürlich gab es bei uns in Regensburg deshalb auch einen Adventskalender und einen Adventskranz – sogar mit echten Kerzen – und ein paar Feuerfontänen wird es an Silvester auch geben. Auf diese Dinge muss meine Nichte Athanasia in Griechenland jedoch verzichten. Zwar bietet eine deutsche Supermarktkette in Griechenland auch Schokoladenadventskalender an, jedoch bleiben sie meist als Ladenhüter stehen, denn diesen Brauch kennt man in dem orthodoxen Land nicht.

Auch von Weihnachtsmärkten und echtem Tannenduft im Haus kann die Neunjährige nur träumen, wenn wir ihr davon erzählen. In Griechenland werden zwar auch mittlerweile einige Holzhütten in Stadtzentren aufgebaut, aber bei oft 20 Grad unter Palmen kommt eben trotz bunter Beleuchtung und trotz der heftigen Beschallung mit Weihnachtsliedern – selbst Heidschi-Bum-Beidschi habe ich schon bei Spaziergängen über diese „Weihnachtsmärkte“ gehört – nicht wirklich auf. Im Haus funkeln dann überschwänglich dekorierte Plastik-Christbäume, denn frische Tannen und ähnliche Bäume werden selbst im bewaldeten Zentralgriechenland nirgendwo angeboten. Ganz schmerzlich vermisst Athanasia das Feuerwerk, das in Deutschland und vielen anderen Ländern den Himmel mit bunten Farben erhellt, denn der Verkauf von Feuerwerkskörpern ist in Griechenland verboten.

Dafür gibt es den Brauch der „Kalanda“ – Lieder, die die Kinder an Heiligabend, Silvester und Heilig-Drei-König mit Triangeln ausgerüstet daheim und bei den Nachbarn gegen einen kleinen Obolus zum Besten geben.


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