19.12.2019, 15:11 Uhr

Vierlinge haben eine Kniefehlstellung Rückschlag für den Artenschutz – Tiger-Nachwuchses im Tierpark Berlin ist nicht gesund

(Foto: Karl Broeseke/Tierpark Berlin)(Foto: Karl Broeseke/Tierpark Berlin)

Sumatra-Tiger gehören zu den seltensten Katzen der Erde. Daher war die Euphorie groß, als Tigerin Mayang im Sommer 2018 vier Jungtiere zur Welt brachte. Die Freude wurde jedoch getrübt, als sich bei den Jungtieren Auffälligkeiten im Laufverhalten zeigten. Nach Monaten intensiver Beobachtung und umfassenden Untersuchungen wurde nun der Grund für die Probleme beim Bewegungsablauf gefunden.

BERLIN Ein Team aus Tierärzten und Zoologen hatte seit dem ersten Auftreten der Problematik verschiedene Ursachen in Betracht gezogen. Nun sorgte eine kürzlich stattgefundene Computer-Tomographie (CT) im Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung für Gewissheit: Die Vierlinge haben eine Kniefehlstellung und damit einhergehende Knorpelschäden, welche dazu führt, dass die jungen Tiger beim Laufen mit ihren Hinterbeinen einknicken. „Wir haben leider bei allen vier Tieren in der 3D-Ansicht der CT Scans eine Fehlstellung der Kniegelenke festgestellt“, erklärt Tierpark-Tierarzt Dr. Andreas Pauly. „Die Tiere zeigen ein normales Fressverhalten und spielen auch miteinander. Seit der Diagnose behandeln wir die Knorpelschäden mit einem Knochenaufbaumittel“, ergänzt Pauly. In den vergangenen Monaten hatte zudem ein Verhaltensbiologe im Auftrag des Tierpark Berlins bei den Jungtieren Verhaltensbeobachtungen durchgeführt und jede einzelne Minute ausgewertet. Während des Untersuchungszeitraums blieb der Zustand der Tiere unverändert.

„Bei Tierarten, die so unmittelbar vor dem Aussterben stehen wie der Sumatra-Tiger, ist gesunder Nachwuchs ein besonderes Geschenk. Die festgestellte Fehlstellung bei den Jungtieren ist für uns daher natürlich ein Rückschlag“, erklärt der Zoologische Leiter des Tierparks, Christian Kern. Anfang des kommenden Jahres wird in einer Expertenkommission aus Wissenschaftlern über mögliche Behandlungsstrategien und das weitere Vorgehen beraten. „Da wir uns nicht nur auf unser eigenes Urteilsvermögen verlassen möchten, werden wir uns mit anderen erfahrenen Experten zusammensetzen. Das Wohl der Tiere steht für uns alle an oberster Stelle“, erklärte Kern.

Der Sumatra-Tiger gilt als vom Aussterben bedrohte Tierart und zählt darüber hinaus zu den am stärksten bedrohten Großkatzen der Erde. Eine der letzten Hoffnungsschimmer für diese majestätische Großkatze sind die Zoologischen Gärten mit ihren international koordinierten Erhaltungszuchtprogrammen. Für den Sumatra-Tiger gibt es einen „Global Species Management Plan“ (GSMP), der alle regionale Erhaltungszuchtprogramme, wie zum Beispiel das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) zusammenführt und entsprechend global plant, um den Erhalt einer so bedrohten Tierart noch erfolgreicher sichern zu können. Die Eltern der Vierlinge Harfan und Mayang leben seit Ende 2013 im Tierpark Berlin.


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