03.12.2019, 16:51 Uhr

Politik Geplantes Schießkino erhitzte die Gemüter im Markt Lappersdorf


Wer war und ist dagegen? Wer fand‘s erst interessant und ist jetzt doch dagegen? Wer sagt seine Meinung gar nicht mehr – und vor allem warum? Diese Fragen stellt man sich gerade in Lappersdorf im Landkreis Regensburg. Hier hatten die Pläne zweier Investoren, im Ortsteil Lorenzen ein 300 Meter langes Gebäude für ein Schießzentrum zu bauen, für Wirbel gesorgt. Am Freitag, 22. November, zogen die Investoren ihre Pläne ohne Angabe von Gründen zurück – damit scheint die Sache in dem Markt vor den Toren Regensburgs aber noch längst nicht erledigt zu sein!

In der Sitzung am 14. Oktober ging es in den Tagesordnungspunkten 4 und 5 um ein „Sondergebiet Schießanlage“ im Flächennutzungs- und Landschaftsplan, der gerade neu aufgestellt wird, sowie um die Aufstellung des Bebauungsplans „Lorenzen – Schießanlage“. In der Novembersitzung entbrannte dann nicht-öffentlich eine Diskussion – ohne dass das Thema auf der Tagesordnung gestanden wäre.

Nachdem nun die Investoren zurückgezogen hatten, meldete sich als erstes die Lappersdorfer CSU zu Wort: Es habe eine „breite Ablehnung dieses Projekts“ gegeben, „mit der parteiübergreifenden Ablehnung hat der Marktgemeinderat das richtige Zeichen gegeben“, so CSU-Bürgermeisterkandidat Helmut Altmann. Die CSU stellt die Frage, „warum Bürgermeister Hauner und Teile der Freien Wähler dieses Projekt unterstützt und solange daran festgehalten haben“.

Christian Hauner meldet sich daraufhin telefonisch beim Wochenblatt, was die CSU schreibe, sei so nicht richtig. In der Oktober-Sitzung habe man über eineinhalb Stunden diskutiert, man habe das Projekt weder abgelehnt noch befürwortet, sondern die Sache zurückgestellt. Man war sich einig, bei einer Infofahrt des Marktrates nach Ulm eine ähnliche Anlage zu besichtigen. Nach der Sitzung habe einer der Investoren angeregt, sich im kleinen Kreis mit Vertretern der Fraktionen und dem Bürgermeister zusammenzusetzen. Gut eine Stunde hatte dieses Gespräch gedauert. Hauner wunderte sich vor allem darüber, dass der CSU-Marktrat Joachim Strauß das Projekt ablehne, zunächst hatte er es wohl als „interessant“ bezeichnet, so Hauner. Strauß setzt dem entgegen: „Ich habe das Wort ,interessant‘ im ersten Halbsatz meiner Ausführungen erwähnt, aber im zweiten die Ablehnung der CSU-Fraktion deutlich gemacht.“ Man sei dem Projekt von Anfang an ablehnend gegenüber gestanden.

Währenddessen ging die SPD einen anderen Weg. Bürgermeisterkandidatin Katja Stegbauer hatte zusammen mit Katharina Kohlmeyer eine Online-Petition gestartet: Sorgen bereitete ihnen, dass auch Personen ohne Waffenbesitzkarte schießen hätten dürfen – und dass ein Waffengeschäft geplant war: „Damit wäre Lappersdorf ein Eldorado für Waffenfans aus der ganzen Region geworden. Das hätte weder mit dem sportlichen Gedanken eines Schützenvereins noch mit dem Übungscharakter für Behörden oder Jäger etwas zu tun gehabt“, so Stegbauer.

Für Hauner ist der Sachverhalt inzwischen erledigt – da die Investoren zurückgezogen haben, sieht er keinen Anlass mehr, seinen Standpunkt für oder gegen die Halle deutlich zu machen. „Ich bilde mir meine Meinung und vertrete sie dann auch“, sagt Hauner. Aber: Diese Sache sei nun zumindest momentan erledigt, man müsse also nicht mehr weiter darüber diskutieren.


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