12.11.2019, 14:37 Uhr

Aufzug geht bis in den vierten Stock Chadicha (12) sitzt im Rollstuhl – ein Kraftakt für die Eltern bis in den fünften Stock


Es geht hoch hinauf in den fünften Stock – dort wohnt Familie Soltanov: Gülare und Elschan sind beide 43 Jahre alt, die älteste Tochter Chadicha ist zwölf, ihre beide kleinen Schwestern zwei und vier. Die Wohnung ist bescheiden eingerichtet. Die Familie, die ursprünglich aus Aserbaidschan stammt und seit sieben Jahren in Deutschland lebt, hat sich ein kleines Heim im Regensburger Osten geschaffen – und trotzdem suchen sie eine neue Wohnung. Chadicha ist auf den Rollstuhl angewiesen – und der Aufzug geht nur bis in den vierten Stock ...

REGENSBURG Chadicha leidet an „armbetonter Tetraparese“, sie ist auf den Rollstuhl angewiesen, kann nicht alleine stehen. Die heute Zwölfjährige kam als Frühchen im siebten Schwangerschaftsmonat auf die Welt, wog nur 1.040 Gramm. Von Anfang an war das Mädchen krank. Heute besucht Chadicha das Pater-Rupert-Meier-Zentrum in Regensburg – sie wird jeden Tag abgeholt und in die Schule gefahren. Die Treppen, die zu bewältigen sind, muss das Mädchen samt Rollstuhl getragen werden. Als ihr Vater das nach einer Operation einige Zeit nicht schaffte, blieb das Mädchen zu Hause. Auch, als der Aufzug kürzlich mehrer Tage defekt war, hatte Chadicha „Hausarrest“. Als Alternative hat man der Familie angeboten, Chadicha könne ins Internat – doch das bringt ihre Mutter nicht übers Herz. „Da müsste ich schon selbst schwer krank sein – oder tot“, sagt die 43-Jährige.

Aktuell lebt die Familie auf bescheidenen 78 Quadratmetern, die sie liebevoll hergerichtet hat. Trotzdem stöbern sie in den Wohnungsanzeigen und setzen alle Hebel in Bewegung, eine andere Wohnung in Regensburg zu finden. Doch bisher leider vergeblich. An den nötigen Papieren kann es nicht liegen, der Familie liegen alle nötigen Formulare vor, sogar eine Mietschuldenfreiheitsbescheinigung können die Fünf vorlegen. Doch es nützt alles nichts – das Einkommen, das aus den Zahlungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, dem Pflegegeld für die zwölfjährige Chadicha und dem Lohn des Vaters aus einem Mini-Job besteht, ist potentiellen Vermietern offenbar nicht hoch genug. Die finanzielle Situation der Familie sei zu riskant, das habe man nun schon öfter zu hören bekommen. Der angespannte Wohnungsmarkt trägt seinen Teil zur Situation bei.

Für Chadicha ist es jedes Mal purer Stress, wenn sie die Wohnung verlassen soll – der Vater muss sie die Treppen bis in den vierten Stock tragen, da gibt es den Aufzug bis ins Erdgeschoss. Doch dann kann das Mädchen das Haus immer noch nicht selbständig verlassen – weitere Stufen müssen bewältigt werden. Und wenn die Zwölfjährige nach Hause kommt, muss sie wieder getragen werden. „Das ist purer Stress, Chadicha bekommt regelrecht Angst“, sagen ihre Eltern. Dass sich das dann nicht unbedingt positiv auf den Gesundheitszustand des Mädchens auswirkt, versteht sich von selbst.

Wer Chadicha und ihrer Familie ein neues Zuhause geben möchte, kann sich per Mail an ursula.hildebrand@wochenblatt.de wenden. Wir leiten die Nachrichten an Familie Soltanov weiter!


0 Kommentare