28.10.2019, 09:22 Uhr

Der „Goldene Waller“ Auch wenn die Kunst nicht gefällt – Finger weg von fremdem Eigentum!


Es ist ja kaum zu fassen. Da wird am Freitagnachmittag, 18. Oktober, eine neue Skulptur in der Stadt Regensburg ihrer Bestimmung übergeben (ob man sie nun schön findet oder nicht, sei zunächst dahingestellt) und wenige Stunden später hatte irgendjemand nichts Besseres zu tun, als sie zu verunstalten.

REGENSBURG Ein unbekannter Zeitgenosse hat das Wort „Sperm“ in den „Goldenen Waller“ am Museum der Bayerischen Geschichte geritzt. Abgesehen davon, dass das goldene Ungetüm mit einem Spermium wenig Ähnlichkeit hat (mit einem Waller allerdings auch nicht), fragt man sich dann doch, was in den Köpfen der Menschen vorgeht, die sich zu solchen Taten hinreißen lassen. Man darf gespannt sein, wer sich in den kommenden Tagen noch so alles auf der Oberfläche des Kunstwerkes verewigen wird.

Grundsätzlich ist es ja auch nichts Neues, dass es immer wieder Menschen gibt, die es am Respekt vor dem fremden Eigentum mangeln lassen. Fassaden werden beschmiert, Autos verkratzt, Blumenkübel umgeworfen – man fragt sich eigentlich nur, warum dies geschieht. Und das Argument im Falle des Wallers, der wäre eh hässlich und würde da nicht hinpassen ans Donauufer, zählt nicht. Nur, weil mir etwas nicht gefällt, mache ich es nicht kaputt. Ich finde das Bild der Mona Lisa auch nicht schön. Und trotzdem lasse ich mich nicht dazu hinreißen, es zu zerstören. Ich finde den Waller auch, nun, sagen wir etwas gewöhnungsbedürftig. Aber fahre ich deshalb mit Schraubenzieher, Messer oder ähnlichen Gerätschaften in die Stadt, um es zu beschädigen? Nein, das tue ich nicht!

Den Ärger hat nun die Stadt Regensburg, denn es kostet sicher eine Stange Geld, das Kunstwerk wieder herzurichten. Unklar ist auch, wie oft eine Versicherung einen solchen Schaden bezahlt, ohne dass die Beiträge, die die Stadt zahlen muss, in die Höhe schnellen. Was also tun? Kameras aufstellen? Die Sicherheitswacht patrouillieren lassen? Die Polizei bitten, ab und zu mit dem Streifenwagen am Museum aufzutauchen? Sicherlich alles Ideen, die umsetzbar sind. Aber: Auch diese Ideen kosten Geld. Wer also die Ausgabe von fast 200.000 Euro für das güldene Ding am Donauufer kritisiert, der sollte seine Finger bei sich behalten und nicht noch zusätzliche Kosten verursachen. Denn eines ist klar: Finger weg von fremdem Eigentum! Auch wenn das aus der Sicht vieler im aktuellen Fall ein greisliches Trum ist, das keiner braucht! Auch dann hat niemand das Recht, Hand anzulegen!


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