04.05.2019, 09:44 Uhr

KOMMENTAR Auto und Umwelt – von einem Umdenken sind wir mit diesen Dreckschleudern weit entfernt


Alle reden vom Umweltschutz - aber was ist eigentlich mit einem Schutz vor Lärm? Der macht doch genauso krank wie die Verpestung der Luft! Das scheint aber niemanden zu interessieren, wenn man sich ansieht, welche Autos hierzulande eine Zulassung bekommen.

REGENSBURG Kürzlich überquerte ich die Keplerstraße, Ecke Weißgerbergraben im Herzen Regensburgs, dort, wo der Eiserne Steg täglich viele hundert Menschen über die Donau führt. Da wurde ich Zeuge eines kleinen Autorennens, das mich ganz schön aufgeregt hat. Mir war nicht bewusst, dass es Straßenzulassungen für eine Art von Formel-1-Rennwagen gibt und dass man mit so einem Ding auf der Straße fahren darf. Dieses BMW-Vehikel sah aus wie ein Rennwagen – schlimmer noch, er hörte sich auch so an. Weil ihm der voranfahrende straßenübliche BMW zu langsam war, gab der Formel-1-Verschnitt – übrigens mit Regensburger Kennzeichen – Gas und überholte seinen Kontrahenten. Das Geräusch, das man dabei hörte, erinnerte an den Nürburgring.

Was ich nicht verstehe: Alle reden über den Umweltschutz, aber keiner denkt darüber nach, wie man solche Boliden auf der Straße wirklich verhindern könnte. Eines ist klar: Ich bin nicht dafür, dass man den Menschen jetzt ihren SUV und meinetwegen auch ihren Sportwagen verbietet. Aber man sollte sich schon die Frage stellen, wie man die negativen Folgen für die Menschen bewertet. Beispiel Lärm: Warum besteuert man nicht, wenn ein Fahrzeug Lärm und damit Stress verursacht?

Der Porsche, der jeden morgen vor meinem Schlafzimmerfenster parkt, sei dem Anwalt vergönnt – ich finde aber, man sollte Steuern dafür verlangen, dass er den Menschen die Ruhe raubt. Ebenso finde ich, sollten laute Motorräder besteuert werden. Alle reden davon, dass die Luftverschmutzung die Menschen krank macht. Aber was ist mit dem Lärm? Macht der auch krank?

Hinzu kommt, dass viele Menschen für den Umweltschutz plädieren, aber bei sich selbst nicht anfangen wollen. Ein Beispiel: Die Zahl der zehn am häufigsten gekauften Kleinstautos wie Smart, VW Polo, Renault Twingo und so fort lag 2018 in Deutschland bei etwa zwei Millionen Fahrzeugen. Das war ein Plus von etwas mehr als drei Prozent verglichen mit dem Vorjahr. Bei den TOP-SUVs sind es ebenfalls zwei Millionen, doch deren Zahl nahm um 14 Prozent im gleichen Zeitraum zu. Mercedes hat jetzt einen Elektro-SUV angekündigt. Das Ding wiegt zweieinhalb Tonnen – stromsparend fährt der also sicherlich nicht. Völlig unabhängig davon bewertet die EU den neuen E-SUV als CO2-neutral, damit kann Mercedes seine Flottenbilanz aufbessern. Ob das sinnvoll ist? Ich glaube nicht!