21.04.2019, 10:26 Uhr

Glaubenssache Eine Passion, die ein Osterwunder ist, und Atheisten, die Kreuz, Davidstern und Halbmond verspotten

Plakate der Atheisten zum Karfreitagstanzverbot: Christen, Juden und Moslems verunglimpft. Foto: ce (Foto: ce)Plakate der Atheisten zum Karfreitagstanzverbot: Christen, Juden und Moslems verunglimpft. Foto: ce (Foto: ce)

Ein Musikstück kann ganz plötzlich erklären, warum Christen seit 2000 Jahren Ostern begehen. Am Palmsonntag führte die Chorphilharmonie in Herz Jesu die Matthäuspassion von Bach auf. Ein Monumentalstück ohne Gleichen. Auf dem Weg dorthin begegneten mir die Plakate der Atheisten.

REGENSBURG Grandios, was die Chorphilharmonie unter der Leitung von Horst Frohn am vergangenen Palmsonntag in der Kirche Herz Jesu aufführte. Der Chor wurde begleitet von professionellen Solisten und dem Orchester der Chorphilharmonie Regensburg. Das Stück indes hat es in sich: Die Matthäuspassion erzählt die Geschichte, an die Christen seit 2000 Jahren glauben und die für sie zur Erlösung führt: Wie Jesu zum letzten Abendmahl mit seinen zwölf Aposteln lädt, wie Judas mit ihm das Brot in dem Kelch tunkt, den man später in den Sagen als heiligen Gral verehrte. Wie er im Garten Gethsemane Blut schwitzte, von den Schergen des Pilatus abgeführt und den Hohepriestern vorgeführt wurde. Wie Pilatus seine Hände in Unschuld wusch, wie er den Kreuzgang ging und fällt, Simon von Cyrene ihm das Kreuz trägt, wie er gekreuzigt und begraben wird.

Man muss kein Christ sein, um fasziniert zu sein davon, dass die zunächst mündliche Überlieferung 2000 Jahre lang fortbesteht und bis heute noch immer Abermillionen Menschen tröstet.

Man muss auch kein Christ sein, damit Bach in dieser wunderbaren Passion das Geheimnis von Ostern erklärt. Zunächst ist die Passion ein ökumenisches Wunder: Aufgeführt wird sie längst in katholischen Kirchen wie Herz Jesu, wenngleich sie der Thomas-Kantor Johann Sebastian Bach natürlich in der protestantischen Tradition verfasste.

Die Passion dauert geschlagene zweidreiviertel Stunden und schon nach einer Stunde merkt man, was Smartphones und iPads aus einem gemacht haben: Kein Wunder, dass Netflix-Serien heutzutage nur noch eine halbe Stunde dauern. Länger die Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten fällt immer mehr Menschen schwer.

Doch schon der Beginn der Passion ist eine Offenbarung. „Kommt, ihr Töchter, helft mir klagen“, singt der Chor und hebt die Stimmen über eine Oktave in die Höhe. Von dort aus erläutert der Evangelist – wirklich grandios gesungen von Martin Platz –, was in der Bibel steht. Jawohl, die Bibeltexte werden der Gemeinde erläutert. Zu Bachs Zeiten dauerte das nicht nur zwei Stunden 45 wie heute, wenn man die Passion im Konzert erlebt. Dazwischen fand der Gottesdienst statt.

Einfach grandios: Die Chorphilharmonie, im Vordergrund der Grundschulchor der Domspatzen. (Foto: ce)

Ein Stück wie dieses ist schwer zu singen für einen Chor, der eben aus Laiensängern besteht. Davon aber konnte man vergangenen Sonntag wirklich nichts merken. Denn die Leistungen des Chors waren phänomenal. Unglaublich auch, dass die Grundschüler der Domspatzen im ersten Teil der Passion die Chorphilharmonie unterstützten. Eineinhalb Stunden lang ruhig sitzen und singen – eine Meisterleistung für Petra Kellhuber und Thomas Gleißner von den Domspatzen und natürlich für die kleinen Nachwuchssänger, die das einfach nur phantastisch gemacht haben.

Aber was ist eigentlich das Osterwunder, das die Matthäuspassion so eindrücklich vermittelt? Nun, es ist das Wunder der Musik, die im Namen einer Weltreligion wunderschönste Melodien hervorgebracht hat. Damit steht das Werk Bachs natürlich nicht alleine – aber unverwechselbar und als Meisterwerk sicher einzigartig.

Auf dem Weg zum Konzert begegneten mir die Plakate der Atheisten, die jedes Jahr zum Karfreitagstanz laden. Nun, wer recht hat, ich weiß es nicht: Ob all das vor 2.000 Jahren wirklich göttliches Wirken war? Oder ob man im Diesseits alles mitnehmen sollte, was möglich ist, weil es eh kein Jenseits gibt? Da halte ich es lieber mit Kafka, der sagte, er glaubt nicht an Gott, lebt aber so, als würde es ihn geben.

Was mir heuer aber besonders sauer aufstößt: Die Plakate der Atheisten zeigen nicht nur einen sichtlich bekifften und nackten Jesus, sondern auch eine Art von Sikh, der auch die Zeichen anderer Religionen in Form von Tätowierungen am Körper trägt. Verunglimpft wird also nicht nur das Christentum, indem man sich über den Glauben anderer Menschen lustig macht. Diesmal zeigt man auch den Halbmond des Islams und den Davidstern des Judentums.

Bei aller Toleranz fragt man sich, was passieren würde, wenn die Atheisten konsequent wären. Was würde passieren, würden sie künftig nicht nur zum Karfreitagstanz, sondern auch zum „Schweinefleischessen statt Ramadan“ laden? Man dürfte gespannt sein, wie der öffentliche Diskurs darüber verlaufen würde. Ich jedenfalls fände das genauso daneben, wie den Glauben der Christen zu verspotten.