21.03.2019, 16:25 Uhr

Knast Vater beißt zwei Monate altes Baby – zwei Jahre Haft für Gewalttat gegen eigenes Kind

Der Angeklagte Vater (li.) mit einem Zeugen: Die Gewalttat rechtfertigte der 21-Jährige mit angeblichem Drogenkonsum. (Foto: ce)Der Angeklagte Vater (li.) mit einem Zeugen: Die Gewalttat rechtfertigte der 21-Jährige mit angeblichem Drogenkonsum. (Foto: ce)

Ein 21-jähriger Mann musste sich am Donnerstag vor dem Regensburger Amtsgericht verantworten. Ihm wurde vorgeworfen, seinen gerade einmal zwei Monate alten Sohn gebissen und geschüttelt zu haben. Die Gewalttat hätte laut Staatsanwaltschaft für den Säugling lebensgefährlich sein können.

REGENSBURG Es gibt wohl nichts Verletzlicheres als ein Neugeborenes. Babys erwecken bei vielen Menschen den Instinkt, sie zu beschützen. So hat die Natur das eingerichtet. Vor allem der Eltern-Instinkt ist ausgeprägt: Sobald man das eigene Neugeborene in Armen hält, ist man überglücklich. So sollte das zumindest sein. Doch immer öfter machen Fälle Schlagzeilen, die Zweifel aufkommen lassen über die Eignung von Eltern, sich um ihr Kind zu kümmern.

Am Donnerstag vergangener Woche musste sich das Amtsgericht Regensburg mit einem Fall von Gewalt gegen ein zwei Monate altes Baby befassen. Der kleine Junge wurde in eine zweifelhafte Familie hineingeboren. Der damals 19-jährige Vater war offenbar völlig überfordert. „Ich habe Drogen genommen, die mir meine damalige Freundin gegeben hat“, sagte der Mann vor Amtsrichter Christian Ehrl.

Die Staatsanwaltschaft warf dem heute 21-Jährigen vor, seinen zwei Monate alten Sohn im Oktober 2017 in den rechten und linken Oberarm gebissen zu haben. Zudem hat der Mann dem Baby einen Schlag auf beide Gesäßhälften versetzt oder das Kind heftig an eine Kante gestoßen. Zudem hat er das Baby so heftig geschüttelt, dass das erst zwei Monate alte Baby ein Schütteltrauma erlitt. Die Augen des Babys waren laut Anklage blutunterlaufen. Die Staatsanwaltschaft warf dem Mann vor, das Baby hätte auch lebensgefährlich verletzt werden können. 

Vor Amtsrichter Ehrl schilderte der junge Vater, er habe damals Drogen von seiner Freundin – der Mutter des Kindes – bekommen. Als sie frühmorgens zur Führerscheinstelle will, lässt sie den Vater mit dem gemeinsamen Kind allein. Ein Fehler. „Ich habe am Vorabend psychedelische Pilze genommen“, sagte der junge Mann vor Gericht. Als die Mutter weg war, „habe ich mir erst mal einen Kaffee gemacht und einen Joint geraucht.“ Nach seinen Angaben schrie der zwei Monate alte Säugling an jenem Tag im Oktober 2017 durchgehend. „Da habe ich ihm ein Fläschchen gemacht. Das hat er wieder ausgekotzt.“ Doch das Baby habe nicht aufgehört zu schreien.

Dann schilderte der junge Mann einen Filmriss – nur an den letzten Schüttler konnte er sich bei der Kripo noch erinnern.

Der junge Mann indes belastete die Kindsmutter schwer. „Ich habe mich nicht reif für ein Kind gefühlt.“ Aber „der Kinderwunsch meiner damaligen Freundin war so stark.“ Sie habe ihm dauernd Drogen gegeben, dann aber mit ihm gestritten, wenn er Drogen konsumiert hatte. Zudem suchte die Polizei den Mann, denn er hätte eine Haftstrafe antreten müssen. „Ich hatte dauernd Angst, dass mich die Polizei findet“, sagte der Angeklagte.

Doch die Kindsmutter fuhr mit dem Baby noch am selben Tag zu einem Kinderarzt, der informierte sofort das Jugendamt. Das Baby kam umgehend in die Kinderklinik St. Hedwig in Regensburg. Ein Kripo-Beamter bestätigte vor Gericht, „dass es eine WhatsApp-Nachricht des Kindsvaters gab, in der er bestätigte, für die Verletzungen verantwortlich gewesen zu sein.“ Von Drogen hatte der junge Mann damals nichts bei der Kripo gesagt. Vielmehr hätte er damals eine Überforderung als Grund für die Gewalttat angegeben.

Zwischenzeitlich ist das Baby in einer Pflegefamilie. Denn auch der leiblichen Mutter wurde das Kind vom Jugendamt entzogen. „Die Mutter hat immer zu uns gesagt, sie will die Beziehung aufrechterhalten, auch wenn er das Baby verletzt hat“, sagte eine Mitarbeiterin des Jugendamts Regensburg aus. Sie darf das Kind nur besuchen. „Man hat ihr gesagt, sie müsse sich auf ihr Kind konzentrieren, aber ihr war es wichtiger, den Kindsvater in der Justizvollzugsanstalt zu besuchen“, sagte eine Mitarbeiterin des Jugendamtes.

Richter Ehrl glaubte dem Angeklagten nicht, dass Drogenkonsum der Grund für die Gewalttat gegen das eigene Baby war. Er verurteilte den 21-Jährigen wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren ohne Bewährung.