17.03.2019, 09:01 Uhr

Kirche Missbrauchs-Verdacht im Bistum Regensburg – Pater soll Ministrantin sexuell berührt haben

Der Pfarrhof von Pfakofen. Der Pfarradministrator soll eine Ministrantin unsittlich berührt haben. Foto: EcklDer Pfarrhof von Pfakofen. Der Pfarradministrator soll eine Ministrantin unsittlich berührt haben. Foto: Eckl

Ein Geistlicher aus Indien soll eine Ministrantin berührt haben. Die Eltern wandten sich an die Missbrauchsbeauftragte, die wiederum empfahl, sich an die Kriminalpolizei zu wenden.

REGENSBURG Solche Fälle sind stets unangenehm, nicht nur für die Opfer, sondern auch für die Verantwortlichen: Immer dann, wenn der Verdacht aufkommt, ein Priester oder Ordensmann habe einen Missbrauch begangen, muss schnell gehandelt werden. Ausgerechnet jetzt, während die Frühjahrsversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Lingen tagt, wurde ein solcher Fall im Bistum Regensburg bekannt.

Es geht um einen 2017 eingesetzten Pfarradministrator im Dekanat Alteglofsheim-Schierling. Der indische Pater ist Ordensbruder der Vinzentiner. Er folgte auf einen Landsmann, der über ein Jahrzehnt lang der Pfarrei Pfakofen im Landkreis Regensburg vorstand. Pikant: Seine Berufung als Pfarradministrator wurde im gleichen Amtsblatt des Bistums veröffentlicht, in dem auch der Regensburger Bischof Rudolf Stellung zum Abschlussbericht der Missbrauchsfälle bei den Regensburger Domspatzen Stellung bezog. „Den Kindern und Jugendlichen, die uns heute anvertraut sind, schulden wir eine noch größere Sensibilität für diese Thematik“, sagte der Bischof damals im Juli 2017.

Unsittliche Berührung auch aus Versehen möglich

Doch offenbar ist der Fall, treffen die Vorwürfe zu, ein gutes Beispiel dafür, dass die Kirche zwischenzeitlich schnell reagiert. Es geht im konkreten Vorfall um eine Ministrantin. Sie habe sich an ihre Eltern gewandt und geschildert, dass sie unsittlich von dem Pater berührt worden sei. Daraufhin hätten die Eltern die Missbrauchsbeauftragte des Bistums eingeschaltet. Die Rechtsanwältin Marion Kimberger ist eine von zwei Beauftragten, die Fälle von sexuellen Missbrauch bearbeiten. Diese habe geraten, sich an die Kriminalpolizei zu wenden – was dann auch geschehen sei. Als Tatort gab ein Sprecher des Polizeipräsidiums Niederbayern Laberweinting an, das im Landkreis Straubing-Bogen liegt. Der Tatvorwurf lautet laut Polizeisprecher sexuelle Belästigung. Auch die Polizei will nichts zum Alter des Opfers sagen. Das Bistum Regensburg reagierte sofort und beurlaubte den Pfarradministrator. Da seine Amtszeit aber bereits am 31. August 2019 endet, soll der Pater ohnehin nicht mehr nach Pfakofen zurückkehren. Laut Bistumssprecher Clemens Neck handle es sich um einen Fall von „Grenzverletzungen“. Auf Anfrage sagte Neck, dass es sich im Moment um einen „Verdachtsfall handelt.“ Es gelte auch für den Pater die Unschuldsvermutung, bis das Gegenteil bewiesen sei. „Wir haben aber den vergleichsweise komfortablen Fall, dass die Kriminalpolizei jetzt den Fall restlos aufklären kann“, so der Sprecher des Bistums.

Häufig komme es zu „Kalamitäten in Missbrauchsfällen, weil es eben keine rechtsstaatliche Handhabe mehr gibt.“ Möglich sei indes vieles: So könne es tatsächlich zu einer unsittlichen Berührung gekommen sein. Oder der Pater habe versehentlich eine unsittliche Berührung begangen. „Das klärt allein die Polizei“, so Neck. Weitere Angaben zum mutmaßlichen Opfer, ob es sich um ein Kind unter 14 oder um eine Jugendliche handelt, wollte Neck im Hinblick auf den Opferschutz und die laufenden Ermittlungen nicht sagen.

Der Fall Riekofen war quasi in der Nachbarschaft

Die Region, die zwischen Regensburg und Straubing liegt, hat bereits eine bewegte Geschichte in Sachen Kirchenmissbrauch hinter sich. So kam es im Jahr 2007 zu einem der größten Skandale in der Geschichte der katholischen Kirche in Deutschland. Ein zuvor wegen sexuellem Missbrauch von zwei Buben verurteilter Priester war in der Nachbarpfarrei von Pfakofen, in Riekofen, wieder eingesetzt worden.

Das Bistum reagierte sofort auf die Strafanzeige

Der Mann hatte sich daraufhin an Kindern sexuell vergangen – in einem Prozess wurde der Priester wegen sexuellen Missbrauchs eines zunächst Elfjährigen zu drei Monaten Haft und Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung verurteilt. Der damalige Bischof von Regensburg, der heutige Kardinal Gerhard Ludwig Müller, hatte damals für Aufsehen gesorgt, weil er damals in einer Medienkonferenz wörtlich sagte: „Die Verantwortung für die Tat trägt der Täter.“ Beim später folgenden Strafprozess wurde schnell klar, dass es eine Kultur des Schweigens und Vertuschens ermöglichte, dass sich der Mann wieder an Kindern verging. Die Kirche hatte den Priester daraufhin laisiert.

Seitdem hat sich im Bistum Regensburg indes sehr viel getan. Bereits im Oktober 2017 erließ der Regensburger Bischof Rudolf neue Leitlinien gegen sexuellen Missbrauch. Neben Selbstauskünften und Führungszeugnissen sehen diese auch eine Eignungsprüfung vor. Darin wird auch definiert, was jetzt dem Pater in Pfakofen vorgeworfen wird: „Grenzverletzungen sind einmalige oder gelegentliche Handlungen, die im pastoralen, erzieherischen, betreuenden, beratenden oder pflegerischen Umgang mit Minderjährigen oder erwachsenen Schutzbefohlenen unangemessen sind“, heißt es in der Leitlinie.

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