18.02.2019, 10:56 Uhr

Streit in Landkreis-Dorf Protest für Tante-Emma-Laden – „Ihr kauft doch selber dauernd bei Amazon ein!“

Im Internet einkaufen statt vor Ort, das ist das Problem. (Foto: 123rf.com)Im Internet einkaufen statt vor Ort, das ist das Problem. (Foto: 123rf.com)

„Wir sterben erst, wenn unser Dorf wieder lebt!“ Mit diesen markigen Worten ließen sich über 20 Senioren aus dem Dorf Steinsberg, Gemeinde Regenstauf, im Landkreis Regensburg fotografieren. Viele kamen mit ihren Rollatoren, die Einkaufskörbe vorne waren leer. Das Foto erschien nun in Millionen-Auflage – und zwar in der Springer-Zeitung „Bild am Sonntag“. Die Überschrift des Boulevard-Blatts: „Unser Dorf darf nicht sterben!“

Der Artikel thematisiert das Problem, das viele Dörfer haben: Zuerst machte der Metzger dicht, auch die Post ist nicht mehr vor Ort. Und auch die Sparkasse hat sich zurückgezogen. „Steinsberg, ein Dorf in der bayerischen Oberpfalz, ist in diesen Tagen kein gemütlicher Ort“, heißt es weiter. Der Grund: Am Silvestermittag sperrte der Lebensmittelladen zu, den alle nur „Unsere Marielle“ nannten. „Die Steinsberger sagen, ihnen blute das Herz“, so die Zeitung weiter. Dabei gibt es in Steinsberg noch einen anderen Tante-Emma-Laden, doch der schließe bereits um zwölf. Die Rentner, aber auch viele andere Steinsberger sind in Sorge.

Die Nahkauf-Inhaberin Maria Bucher, 74, die von allen liebevoll Mariele genannt wird, habe es nach eigenen Angaben „aus Liebe“ gemacht.

Doch sie kritisiert die Steinsberger massiv: „Das große Weinen um das Schließen des Nahkaufs verstehe ich nicht. Die, die jetzt am lautesten klagen, haben die Butter eingekauft, die sie bei Aldi vergessen hatten. Wir waren die Resterampe“, so Maria Bucher alias Mariele.

Bürgermeister Siegfrid Böhringer kann diese Aussage sehr gut verstehen. Zur Bild am Sonntag hatte der Bürgermeister das gesagt: „Die Steinsberger haben sich die Probleme doch selbst ins Dorf geholt.“ Statt die Cafés des Ortes zu nutzen, lade man aus Kostengründen lieber zum Kaffeekränzchen nach Hause ein, „weil‘s billiger ist.“ Auch gegenüber dem Wochenblatt sagt Börhinger, dass er die Klagen nicht nachvollziehen könne. „Steinsberg hat drei Wirtschaften, wer hat das noch?“ Doch viele Steinsberger würden die Kommunion oder die Goldene Hochzeit lieber in anderen Gaststätten außerhalb Steinsbergs feiern. Und auch den Paketdienst-Zusteller sehe er viel zu oft in Steinsberg, weil man eben bequem im Internet bestelle.

Böhringer sagt auch, er habe mit Steinsberger Handwerkern geredet, die sich lieber in Regenstauf angesiedelt hatten. „Die sagten mir: Von den Steinsbergern können wir nicht leben!“ Dabei habe der Markt Regenstauf jetzt für einen Bürgerbus gesorgt, der einmal in der Woche fahre. „Ob es ein Ärztezentrum und eine Apotheke vor Ort gibt, ist keine Entscheidung de Bürgermeisters“, so Böhringer. Seit letzter Woche gebe es aber einen mobilen Metzger. „Das funktioniert super“, freut sich Böhringer.