02.02.2019, 14:36 Uhr

Defizite des Rechtsstaats Acht Afghanen reisen illegal ein, werden festgenommen – und hauen aus dem Ankerzentrum ab

Das neue Ankerzentrum in der Bajuwarenstraße - hier leben Menschen mit und ohne Perspektive, im Land zu bleiben. Foto: ce (Foto: ce)Das neue Ankerzentrum in der Bajuwarenstraße - hier leben Menschen mit und ohne Perspektive, im Land zu bleiben. Foto: ce (Foto: ce)

Sie haben eine Odyssee hinter sich gebracht, kamen in einem Lastwagen eingepfercht nach Deutschland. Doch als sieben erwachsene afghanische Männer und ein Jugendlicher aufgegriffen und ins Ankerzentrum nach Regensburg gebracht werden, gehen sie einfach – und tauchen unter.

REGENSBURG Voller Stolz hatte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann im Sommer 2018 das Ankerzentrum in Regensburg eröffnet. Nach Manching und Bamberg ist das Regensburger Zentrum ein weiteres, das aus dem sogenannten Migrationsplan von Bundesinnenminister Horst Seehofer unter der Überschrift „Ankunft, Entscheidung, Rückführung“ steht. Der Plan: Migranten ohne Bleibeperspektive sollten dort untergebracht werden, damit alle Behörden schnell am Abschluss des Asylverfahrens arbeiten konnten.

Doch dieser Fall zeigt, wie nutzlos diese Ankerzentren sind, wenn es um illegale Migration geht. Wie die Bundespolizei Waldmünchen mitteilt, kam es am Dienstag, 29. Januar, zunächst zur Festnahme von vier Afghanen, die keinen Ausweis bei sich führten. Dabei stießen die Beamten auf einen besonders dreisten Fall von Schleuser-Kriminalität. Die acht Männer kamen nach ihren Angaben von Afghanistan über die Türkei und Serbien nach Bulgarien. Sie benutzten bis nach Serbien hauptsächlich Lastwagen, Busse und Taxis. In Belgrad vertrauten sie sich dann einem Schleuser an, der sie auf einem Lastwagen-Großparkplatz in einen Lkw pferchte. Dann begann die vorerst letzte Etappe. Ein Schleuser teilte ihnen ihr Fahrzeug zu und verschloss dieses wieder. Ob dies mit Wissen des Lkw-Fahrers geschah, konnte bisher noch nicht abschließend geklärt werden“, heißt es von Seiten der Bundespolizei.

Zwei Tage und drei Nächte waren die acht Männer in dem Lastwagen eingepfercht, mussten ihre Notdurft in Flaschen verrichten. Weil es immer kälter wurde, wussten sich die acht Männer nicht anders zu helfen, als auf dem Parkplatz Wernberg-Köblitz in der Oberpfalz laut gegen die Wand des Lkws zu klopfen. „Als der Fahrer die Klopfgeräusche wahrnahm und die Tür öffnete, flohen sie zunächst aus dem Lkw, ohne wirklich zu wissen wo sie waren, und versteckten sich zunächst. Später kauften sie in einem Geschäft SIM-Karten für ihr Mobiltelefon und wurden dabei auffällig“, so die Bundespolizei weiter.

Hinweise aus der Bevölkerung führten am Ende auch zur Festnahme der restlichen, illegal nach Deutschland eingereisten Migranten. Die Beamten brachten die acht Männer in das Ankerzentrum nach Regensburg.

Doch von dort verließen sie einfach die Einrichtung – und tauchten unter! „Möglicherweise sind sie nun weiter unterwegs nach Frankreich. In den Vernehmungen gaben sie dies zumindest als ursprüngliches Reiseziel an“, so die Bundespolizei dazu. Lediglich der 15-jährige Jugendliche blieb – ihn betreut nun das Jugendamt in Cham. Drei der Männer waren bereits im Europäischen Identifizierungssystem für Asylbewerber (Eurodac) gespeichert. Aus der Auswertung der Mobiltelefone erhoffen sich die Ermittler noch weitere Mosaikbausteine zu bereits anliegenden Ermittlungsverfahren.

Nach der Verhaftung von drei Irakern im Norden Deutschlands in dieser Woche, die offenbar einen Anschlag im Zusammenhang mit dem IS geplant haben, ist dieser Fall aus dem Regensburger Ankerzentrum allerdings ein weiteres Indiz dafür, dass die Sicherheit in Bayern nach wie vor durch unkontrollierte Zuwanderung massiv gefährdet ist.