23.01.2019, 12:57 Uhr

Fürstin Gloria nach Museums-Skandal – „Schwule abzulehnen, das ist doch absurd!“

Fürstin Gloria mit dem Ex-Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, der sagte: „Ich bin schwul und das ist auch gut so.“ (Foto: Dr. Isa Foltin)Fürstin Gloria mit dem Ex-Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, der sagte: „Ich bin schwul und das ist auch gut so.“ (Foto: Dr. Isa Foltin)

Anlässlich des 50. Jubiläums des „Museo del Barrio“ in New York sollte Fürstin Gloria gewürdigt werden. Doch eine Kunsthistorikerin hatte in den Sozialen Medien Zweifel daran verbreitet, ob die Fürstin nicht zu konservativ sei. Als die New York Times berichtete, beschloss das Museum, die Würdigung zurückzunehmen. Vor allem Homophobie wird der Adeligen vorgeworfen. Die greift jetzt aber zu ungewöhnlichen Worten.

NEW YORK Dass es Folgen für sie haben wird, wenn die angesehene „New York Times“ ein Porträt über sie schreibt, das wird Fürstin Gloria von Thurn und Taxis durchaus klar gewesen sein. Die Regensburgerin ist gleichzeitig Weltbürgerin, hat ein Appartement in New York, ihre Tochter lebt dort als Journalistin. Und Gloria weiß, dass Porträts über sie oft auch nach hinten losgehen – vor allem, wenn auch Rechtspopulisten wie Steve Bannon erwähnt werden.

Anlässlich des 50. Jubiläums des „Museo del Barrio“ in New York sollte Fürstin Gloria gewürdigt werden. Doch eine Kunsthistorikerin hatte in den Sozialen Medien Zweifel daran verbreitet, ob die Fürstin nicht zu konservativ sei. Als die New York Times berichtete, beschloss das Museum, die Würdigung zurückzunehmen. Vor allem Homophobie wird der Adeligen vorgeworfen.

Wer Gloria in ihrem Schloss besucht, dem kommt sie auf einer feudalen Steintreppe entgegen. Oben hängt ein etwa vier auf drei Meter großes Ölgemälde, das einen wunderschönen schwarzen Mann zeigt, der im Gras liegt. Die Fürstin erzählt gerne die Geschichte, wie der homosexuelle Künstler – ebenfalls ein Schwarzer, es dürfte sich um ein Selbstporträt handeln – mit seinem Partner im Schloss übernachtete und Regensburg unsicher machte.

„Ich habe viele tröstende SMS und Mails von schwulen Freunden bekommen, als das bekannt wurde“, sagt Gloria schmunzelnd über den jüngsten Museums-Skandal.

Denn der Fürstin wird regelmäßig Homophobie vorgeworfen. Aber stimmt das? „Schwule ablehnen? Wieso das denn? Das ist nun wirklich absurd!“, ruft sie aus. Und auch aus Glaubensgründen kann sie nicht erkennen, warum man Homosexuelle ablehnen sollte. „Die katholische Kirche lehrt im Katechismus verbindlich, dass alle Menschen vor Gott gleich sind und das jedwede Diskriminierung eine Sünde ist“, sagt die Adelige. Sie schränkt ein: „Als gläubige Katholiken haben wir natürlich, wie bei jeder anderen Religion, Interessengemeinschaft, ob Club, oder Arbeitsplatz, Gebote zu beachten, so wie Liebende Eltern ihren Kindern Gebote geben“. Die Gebote zu befolgen geschehe aber „freiwillig, genau wie man auch freiwillig zur Beichte geht, wenn man Gebote übertreten hat und dies bereut.“

Übertreten hat Gloria indes eine sichtbare Grenze, was man öffentlich sagen darf und was nicht. „Gesinnungsdiktatur“ nennt die Adelige das im Gespräch. Auch gegenüber der New York Times hat sie das bekräftigt: „Ich bin enttäuscht, wie sehr unsere Gesellschaft gespalten ist und dass es überhaupt keinen Raum für Toleranz zu geben scheint. Meine konservativen religiösen Ansichten haben überhaupt keinen Einfluss auf meine Offenheit gegenüber kultureller Vielfalt und Inklusion“, sagte die Regensburgerin.

Tatsächlich lädt Gloria häufig bunte Gesellschaften an ihre Tafel ein. Beispielsweise, wenn Kardinal Gerhard Ludwig Müller ein Buch vorstellt. Dann kommt es nicht selten vor, dass gleichgeschlechtliche Paare an der Tafel sitzen mit Geistlichen. Wie geht das zusammen? Auch da hat Fürstin Gloria eine klare Meinung: „Kein normaler Mensch interessiert sich dafür, was Leute in ihren Schlafzimmern tun.“

„Neue Verfolgungswelle“ wegen Schwulenverbänden

Gleichzeitig hat sie sich immer wieder mit den Homosexuellen-Verbänden angelegt. Wie kann das sein? „Die Institutionalisierung der sexuellen Präferenzen als Ideologie, finde ich spießig , falsch und halte dies auch für schädlich“, sagt Gloria von Thurn und Taxis. „Daraus erwächst dann womöglich die nächste Diskriminierungswelle, die gefährlich werden könnte.“ Ihre Freunde und Gäste „setzen sich schon immer aus unterschiedlichsten Milieus und Berufen zusammen, das macht jede Gesellschaft erst interessant.“ Einen Ausschluss kann sie sich nicht vorstellen. Wenn Fürstin Gloria einlädt, dann unterscheidet sie nicht, ob Rechtspopulist, Priester oder Homosexueller. Oder alles gleichzeitig in einer Person.