19.01.2019, 07:14 Uhr

Urteil 50 Kilo Drogen im Flüchtlingsheim gebunkert - harte Haftstrafe für Syrer

Der 23-jährige Syrer arbeitete in seiner Heimatals Polizist für das Regime, in Deutschland begann er angeblich zu trinken und Drogen zu konsumieren. (Foto: ce)Der 23-jährige Syrer arbeitete in seiner Heimatals Polizist für das Regime, in Deutschland begann er angeblich zu trinken und Drogen zu konsumieren. (Foto: ce)

Harte Haftstrafe für einen jungen Syrer: Der Mann hat insgesamt 50 Kilo Haschisch und Marihuana in seinem Zimmer in einer Asylbewerberunterkunft im Landkreis Regensburg gebunkert.

REGENSBURG/HAINSACKER Ein 23-jähriger Syrer ist am Donnerstag vom Landgericht Regensburg zu einer Haftstrafe von vier Jahren und neun Monaten wegen Beihilfe zum Drogenhandel verurteilt worden. Die fünfte Strafkammer unter Vorsitz von Richter Georg Kimmerl sah es als erwiesen an, dass der Mann in seinem Zimmer in einer Asylbewerberunterkunft in Hainsacker (Landkreis Regensburg) im Auftrag eines Landsmanns insgesamt 50 Kilogramm Haschisch und Marihuana deponiert hatte. Zunächst hatte die Staatsanwaltschaft insgesamt das Bunkern von 117 Kilo Drogen angeklagt.

Zudem verurteilte Richter Kimmerl den jungen Mann, der 2016 über die Türkei nach Deutschland eingereist war, zu einer Entziehungstherapie in einer geschlossenen Anstalt. Die Staatsanwaltschaft hatte das in ihrer Strafforderung abgelehnt. Kimmerl sagte, der Mann habe ausreichend Deutschkenntnisse, um eine Therapie anzutreten. Beim ersten Verhandlungstag hatte der junge Mann in gebrochenem Deutsch Fotografen bedroht.

Zum Verhängnis wurde dem Mann eine Aussage eines bereits vergangenen Herbst verurteilten Landsmanns. Der schilderte vor Gericht, dass insgesamt vier junge Asylbewerber im Auftrag eines 46-jährigen Landsmanns Drogen beschafft, gebunkert oder in ganz Bayern weiterverkauft hatten. Der Zeuge sagte in gutem Deutsch aus, der 46-jährige Kopf der Dealer-Bande habe „sein Leben zerstört“. Auch in diesem Fall attestierte das Gericht eine hohe Abhängigkeit der jungen Asylbewerber gegenüber dem deutlich älteren Syrer, der die Drogen geordert und das System organisiert hatte.

Die Drogen holten die jungen Asylbewerber aus größeren Städten wie Berlin, Hannover und Stuttgart. Bei einer dieser Fahrten im Oktober 2017 wurden die Drogenkuriere aber von einer Polizeistreife in Regenburg aufgehalten. Von der ursprünglichen Lieferung von mehr als 20 Kilo Marihuana hatten sie noch fünf geladen. Zumeist wurden die Drogen aber in einfachen Reisetaschen im Zug transportiert.

Der jetzt verurteilte Friseur gab vor Gericht an, zuletzt in Syrien für das Regime von Diktator Bashar Al-Assad als Polizist gearbeitet zu haben. Einer seiner Brüder sei von Oppositionellen erschossen worden. Auch er sei verhaftet und verletzt worden. Seine Anwältin sprach vor Gericht von einer „Posttraumatischen Belastungsstörung“. Zudem schilderte der 23-Jährige, er habe seit seinem Aufenthalt in Deutschland durchgehend harten Alkohol getrunken und täglich bis zu drei Gramm Haschisch geraucht.

In dieser Flüchtlingsunterkunft in Hainsacker lagerte der Mann insgesamt 50 Kilo. Die Staatsanwaltschaft hatte 117 Kilo Drogen angeklagt. (Foto: ce)

Eine Abschiebung muss der junge Mann bislang nicht fürchten. Das Ausländeramt hatte klar gemacht, dass derzeit nach Syrien aufgrund des Bürgerkriegs grundsätzlich nicht abgeschoben werde, egal welche Straftat vorliege.