02.01.2019, 18:28 Uhr

Paulaner entscheidet Endgültiges Aus für Thurn und Taxis als Regensburger Bier-Marke


Gerhard Semmler hat Regensburgerisches bei Thurn und Taxis lange hochgehalten. Jetzt hat er das Unternehmen verlassen. Paulaner möchte die Geschichte der einst traditionsreichen Regensburger Bier-Marke nun gänzlich von München aus führen. Und auch im Regensburger Bischofshof, der Brauerei-Gaststätte schlechthin direkt neben dem Dom, zeichnet sich das Ende einer Ära ab.

REGENSBURG Es ist eine aufsehenerregende Personal-Rochade bei der Thurn und Taxis Vertriebsgesellschaft: Seit Ende November ist Gerhard Semmler nicht mehr Geschäftsführer. Und auch in Sachen Vertrieb und Prokura gibt es einige Umstrukturierungen. Prokuristen wurden ausgetauscht, der Vertrieb des Bieres, der bislang von Regensburg aus betrieben wurde, scheint nun auch nach München zu wechseln.

„Mit dem Geschäftsführer sind vier Mitarbeiter kurz vor Weihnachten gegangen“, sagt einer, der noch da ist am Kreuzhof, dort, wo vor Jahrhunderten Österreich gegründet wurde in der Kreuzhofkapelle. Gegenüber der Kapelle hat die Thurn und Taxis Vertriebsgesellschaft ihren Sitz.

Dabei war Gerhard Semmler der letzte Bezug der einstigen Traditionsmarke Thurn und Taxis zu ihrem Ursprung: Bis 1996 braute das Haus Thurn und Taxis am Galgenberg ihr Bier. Frotzler nannten dieses aufgrund der Nähe zum Friedhof auch gerne „Leichentrunk“. Doch Thurn und Taxis war mit einer Regensburger Tradition verbunden, die nach dem Verkauf zumindest auf dem Papier weiter Bestand hatte.

Und diese Verbindung zu Regensburg war in Gerhard Semmler personifiziert. Etwa durch ein breites Sponsoring wie für die Tanztage oder das Kleinkunstfestival in der Alten Mälzerei. In dem Kulturzentrum wird die lange Tradition der Brauerei als Regensburger Urgewächs noch spürbar. Und auch bei den Thurn und Taxis-Schlossfestspielen war unter der Ära von Gerhard Semmler ein Sponsoring gesichert.

Die Regensburger Brauerei-Landschaft ist derweil ohnehin im Wandel. Die Generation des Spitalmeisters Willibald Koller ist gerade dabei, in den Ruhestand zu gehen. Auch Bischofshof-Chef Hermann Goß verabschiedet sich dieses Jahr. Beide haben bereits Nachfolger: Susanne Horn wird bei Bischofshof, das mit der Marke Weltenburger auch weltweite Vertriebswege unter Goß eröffnet hat, Nachfolgerin. Sie kommt vom Neumarkter Lammsbräu und wird die Marke sicher moderner positionieren. Doch auch Horn kommt eine Herkules-Aufgabe zu: Heuer verabschieden sich dem Vernehmen nach auch die Wirtsleute Schmalhofer aus dem Bischofshof. Das Traditions-Haus am Dom steht wie kaum ein anderes für die fruchtbare Symbiose aus Kirche und Wirtshaus. Auch Herbert Schmalhofer hat enge Verbindungen zum Fürstenhaus: Er war einst Leibkoch von Erbprinz Johannes. Als er vom Fürstenhaus in den Bischofshof wechselte, war das ein großes Thema in den Regensburger Zeitungen.

Wie es mit dem Bischofshof am Dom weitergeht, ist noch offen, heißt es aus Kirchenkreisen. Fraglich ist auch, ob auch künftig Thurn und Taxis-Bier auf der Dult verkauft wird. Hier hatte der scheidende Bischofshof-Chef Goß darauf verwiesen, dass auf der Dult eigentlich nur Regensburger Bier verkauft werden darf.