02.01.2019, 12:49 Uhr

Grausame Tat Zwei Hunde durch scharfe Klingen in Ködern getötet – „das war doch ganz klar Mord!“


Zwei Hunde sterben an scharfen Klingen, die in Ködern versteckt waren – jetzt hat der Hundehalter, Betreiber einer Hundeschule, eine ungewöhnlich hohe Belohnung für die Ergreifung der Täter ausgesetzt.

CHAM Das, was zwischen 18. und 19. Dezember in Willmering im Landkreis Cham geschah, treibt derzeit viele Hundebesitzer in ganz Bayern um. Denn zwei liebevolle Border Collies fielen einem brutalen Hundehasser zum Opfer. Mit Klingen präparierte Würste wurden über den Zaun zum Privatgrundstück von Fred Kerscher geworfen. Chuona, vier Jahre alt, und Wendy, elf Jahre alt, fraßen die Lyoner-Wurststücke. „Zunächst haben wir nichts bemerkt, denn es hatte geschneit und man hat nicht gesehen, dass jemand Wurstköder über den Zaun geworfen hat“, sagt Hundebesitzer Kerscher, der immer wieder von Tränen unterbrochen wird. „Erst als sich die Hunde übergeben mussten, merkten wir, dass etwas nicht stimmt.“ Hundebesitzer wissen aber, dass es nicht selten vorkommt, dass Hunde sich übergeben. „Zunächst dachten wir an eine Erkrankung, selbst, als wir beim Tierarzt waren und Wendy Blut spuckte.“ Der Tierarzt in Cham hatte über Weihnachten kein Röntgengerät zur Verfügung, sagte Kerscher aber sofort, er müsse die Tiere röntgen lassen, wenn sie weiter erbrechen würden. „Dann sagte mir meine Frau, dass Wendy eine Rasierklinge erbrochen hat“, schildert Kerscher. Und beginnt wieder, zu weinen.

Sofort fährt der Betreiber einer Hundeschule seine Schützlinge in die Tierklinik nach Regensburg. Dort steht schnell fest: Die Tiere haben Köder geschluckt, in denen bis zu 15 scharfe Stücke eines Cutter-Messers versteckt waren.

Der Regensburger Tierarzt versucht, die Tiere noch zu retten. Doch Chuona verblutet innerlich, die Magenwand war von einem der messerscharfen Stücke zerfetzt worden. Wendy starb dem Tierarzt unter den Fingern weg, sie erlitt einen Herzinfarkt auf dem Operiertisch. „Zunächst wollten wir nicht zur Polizei“, sagt Kerscher, denn er hatte Angst. „Das ist ein Mordanschlag gewesen! Das ist Terror“, ruft er verzweifelt. Doch war es eine Racheaktion an ihm? Weil seine Hundeschule so erfolgreich ist? „Ich weiß es nicht“, sagt Kerscher verzweifelt.

Doch was dann geschah, lässt ihm bis heute den Atem stocken. Eine Hilfswelle von Hundehaltern und Tierliebhabern aus ganz Bayern setzte ein. Kerscher lobte 10.000 Euro für Hinweise aus, die zur Ergreifung der Täter führen. Spender erhöhten die Summe auf jetzt 23.000 Euro. „Ein Mädchen bot mir ihr Taschengeld“, sagt Kerscher schluchzend.

Was Kerscher erschüttert: „Ich habe so viele Fälle gehört von Menschen, denen es genauso gegangen ist wie uns – aus Bayern, ja aus ganz Deutschland und aus Österreich und der Schweiz haben sich Menschen gemeldet, die schilderten, wie ihre Hunde und Katzen an Gift- oder Rasierklingen-Ködern elendiglich zugrunde gegangen sind“, sagt der Hundeschulen-Besitzer. Für ihn ist das unvorstellbar, „wie viele Tiere qualvoll jedes Jahr sterben müssen, nur weil jemand nicht verkraften kann, dass Tiere herumlaufen. Die tun doch niemanden was!“, sagt er in seiner Verzweiflung.

Was Kerscher aber ganz positiv wertet, war die Unterstützung durch die Polizei. „Ich dachte erst, man wird da nicht ernst genommen, aber die Polizisten haben das sehr ernst genommen.“ Im Garten fand man weitere 15 Messer-Stücke, hat die Ermittlungen aufgenommen. Hinweise kann man an die Polizeiinspektion Cham unter 09971 /85450 melden.