27.12.2018, 09:15 Uhr

Jahresrückblick in der Justiz Tragisch, schockierend, aber auch mal lustig – diese Kriminalfälle wurden 2018 verhandelt


2018 vor Gericht: Sexueller Missbrauch, Untreue, Diebstahl, Mord und Totschlag, aber auch ein Star, nämlich Xavier Naidoo, der vor Gericht erschien.

REGENSBURG In den letzten zwölf Monaten hatten die Beteiligten am Gericht in Regensburg alle Hände voll zu tun. Es wurden zahlreiche Prozesse geführt, Zeugen vernommen, Gutachten erstellt und Urteile gefällt. Die folgenden Fälle aus 2018 sind besonders im Gedächtnis geblieben:

Ehepaar brutal überfallen

Fünf maskierte und bewaffnete Männer überfielen im September 2016 ein Ehepaar in ihrem Haus in Sinzing. Das Ehepaar wurde gefesselt und mit vorgehaltener Waffe gezwungen, ihren Tresor zu öffnen. Die Täter flohen mit über 32.000 Euro Beute. Während einer der Männer freigesprochen wurde, wurden die übrigen vier Männer im Januar 2018 durch das Landgericht Regensburg zu Freiheitsstrafen von sechs Jahren und neun Monaten bis zu acht Jahren verurteilt. Während das Urteil im Falle eines der Angeklagten bereits rechtskräftig ist, gingen die anderen drei Männer in Revision.

Schwestern missbraucht

Ein 58-jähriger Mann brauchte im April 2017 zwei Schwestern, denen er zuvor in einem Linienbus begegnet war – damals acht und zehn Jahre alt – gegen ihren Willen in seine Wohnung. Dort verging er sich sexuell an den beiden Mädchen. Im Januar 2018 wurde der Mann durch das Landgericht Regensburg des sexuellen Missbrauchs von Kindern schuldig gesprochen und zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und fünf Monaten verurteilt. Das Urteil ist rechtskräftig.

Brutale Messerattacke

Ein 23-jähriger Jordanier stach im März 2017 mit einem Küchenmesser auf einen Passanten am St. Kassiansplatz in Regensburg ein. Da der 23-Jährige an Schizophrenie leidet, ordnete das Landgericht Regensburg im Februar 2018 eine Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik an. Das Urteil des Landgerichts Regensburg ist rechtskräftig.

Toter Säugling

Wie das Baby genau gestorben war, konnte nicht zweifelsfrei geklärt werden. Fest steht: Esmeralda wurde nur sechs Stunden alt und starb an Unterkühlung und Sauerstoffmangel. Die Staatsanwaltschaft ging davon aus, dass die 36-jährige Mutter das Kind im Dezember 2016 allein in ihrer Wohnung zur Welt brachte. Sie wickelte das Neugeborene in ein Handtuch und schlief mit ihr auf dem Bett ein. Als sie wieder wach wurde, war das Kind bereits tot. Sie wurde der fahrlässigen Tötung durch Unterlassen schuldig gesprochen und zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. Das Urteil des Gerichts ist rechtskräftig.

Schwangere Ex getötet

Totschlag in Tateinheit mit Schwangerschaftsabbruch – ein 40-Jähriger wurde im Februar 2018 zu zehn Jahren Haft verurteilt. Er stach im Streit brutal auf seine Exfreundin ein – und das obwohl sie im siebten Monat mit der gemeinsamen Tochter schwanger war. Sowohl die 44-Jährige als auch das ungeborene Kind kamen ums Leben. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Prostituierten-Mord

Ein 23-jähriger, ausreisepflichtiger Asylbewerber besuchte eine Prostituierte. Nach dem Sex drückte er ihr so lange ein Kissen auf das Gesicht, bis die 33-Jährige verstarb. Der Mann klaute 150 Euro und flüchtete. Angeblich brauchte er das Geld für seine kranke Tochter. Der 23-Jährige wurde im Juni durch das Regensburger Landgericht des Mordes aus Habgier schuldig gesprochen und zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Xavier Naidoo klagt

Der berühmte deutsche Soul- und R‘n‘B-Sänger Xavier Naidoo klagte vor dem Regensburger Zivilgericht gegen eine Bildungsreferentin auf Unterlassung, weil diese ihn öffentlich im Rahmen eines Vortrags als „Antisemit“ bezeichnet hatte. Für die Verhandlung kam Xavier Naidoo persönlich nach Regensburg. Das Gericht entschied im Juli 2018, dass die Referentin die Äußerung künftig zu unterlassen habe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Fluchtauto verbummelt

Wesentlich lustiger ging es im Oktober am Regensburger Amtsgericht zu: Ein 31-Jähriger stand vor Gericht, weil er gemeinsam mit einem Komplizen in eine Bank in Thalmassing eingebrochen war. Nach ihrer Straftat fanden die beiden allerdings ihr Fluchtauto nicht wieder. Stundenlang irrten sie mit ihrer Beute umher – bis sie in einen Bus stiegen. Der 31-Jährige wurde der Beihilfe zum Diebstahl und der Beihilfe zur Sachbeschädigung schuldig gesprochen und zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. Das Urteil ist rechtskräftig.

Exfreundin erstochen

Ein 32-jähriger Mann schlug seiner Exfreundin im Januar 2018 in ihrer eigenen Wohnung mehrfach mit der Faust ins Gesicht. Als die Frau versuchte, zu flüchten, stach er mit einem Küchenmesser auf sie ein und traf dabei ihr Herz. Die 33-Jährige verstarb in ihrer Wohnung. Der 32-Jährige wurde im Oktober durch das Regensburger Landgericht des Totschlags schuldig gesprochen und zu einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der Prozess des Jahres läuft noch

Dieser Prozess hat alles überschattet, was in Regensburg die letzten Jahre juristisch, aber auch politisch „geboten“ war. Schon die Verhaftung von Joachim Wolbergs, Bauträger Volker Tretzel und dessen Ex-Geschäftsführer Franz W. war Anfang 2017 ein Paukenschlag. Und wer hätte gedacht, als durch eine Hausdurchsuchung unter anderem im Rathaus im Juni 2016 Jahre ins Land gehen werden, ja bis heute noch keine Klärung auf dem Tisch ist? Der Prozess gegen Wolbergs und drei Mitangeklagte würde zum Marathon werden, das war vom ersten Prozesstag an, dem 24. September, des abgelaufenen Jahres, klar. Ob sich aber die Ermittler vorgestellt haben, dass der Prozess so laufen wird? Ermittlungspannen, Vorverurteilungen, Behördenabsprachen und schließlich politische Einflussnahme sind die vorläufigen Ergebnisse von bislang knapp 30 Verhandlungstagen. Im kommenden Jahr wird es persönlich: Es geht um die beiden Eigentumswohnungen von Wolbergs Mutter und seiner Schwiegermutter. Man darf gespannt sein, was die beiden älteren Damen um Zeugenstand schildern. Wolbergs politische Ziehmutter Christa Meier hatte das Verfahren bereits als „Farce“ bezeichnet.