07.08.2018, 13:46 Uhr

Skandal um das Krematorium „Ich stehe vor dem Grab meines Mannes und weine nur noch ...“

Rita Horch hat 2012 ihren Ehemann begraben. Jetzt ist sie psychisch in einer schwierigen Situation, weil sie glaubt, fremde Körperteile seien mit ihrem Mann eingeäschert worden. (Foto: Christian Eckl)Rita Horch hat 2012 ihren Ehemann begraben. Jetzt ist sie psychisch in einer schwierigen Situation, weil sie glaubt, fremde Körperteile seien mit ihrem Mann eingeäschert worden. (Foto: Christian Eckl)

Rita Horch sitzt in der Wochenblatt-Redaktion, ist den Tränen nahe. „Ich kann das alles gar nicht fassen“, sagt die Rentnerin. „Wenn ich am Grab meines Mannes am Unteren Katholischen Friedhof stehe, dann muss ich immerzu weinen.“

REGENSBURG Frau Horch hat die Berichterstattung des Wochenblatts über den Skandal um das Regensburger Krematorium verfolgt. Kürzlich verkündete die Staatsanwaltschaft Regensburg nach umfassenden Ermittlungen, dass man weder eine Störung der Totenruhe, noch eine Bestechung nachweisen könne. Der Hauptverdächtige sei tot, ansonsten kein Tatnachweis zu führen. Dabei bestätigten die Ermittler aber dies: Seit den 90er-Jahren, wohl bis 2015, wurden menschliche Überreste und Gewebeabfälle, aber auch ganze Amputate im Krematorium am Dreifaltigkeitsberg mit regulär eingeäscherten Leichnamen verbrannt. Es gibt also keinen Zweifel mehr: In hunderten, vielleicht tausenden von Urnengräbern sind nicht nur die sterblichen Überreste von Opa und Oma – sondern auch von Fremden. „Als ich das gelesen habe, konnte ich das gar nicht glauben“, sagt Rita Horch. „Aber jetzt weine ich viel.“

Helmut Horch starb mit nur 68 Jahren, er litt an ALS. Das ist eine Form des Muskelschwunds, die man durch den berühmten Physiker Stephen Hawking (1942 bis 2018) kennt. Am 20. Januar 2012 starb Horch, am 26. Januar wurde er eingeäschert – ein Donnerstag. Das Wochenblatt hatte von einem Insider erfahren, dass jahrelang immer wieder eine Frau namens Maria im Krematorium vorstellig wurde, die einen Sack voller Gewebe und Amputate brachte. Rita Horchs Sohn – er heißt wie der Vater Helmuth – hat den Glauben an die Justiz und die Stadt verloren. „Das kann doch nicht sein, wenn das über Jahre so war, muss es doch jemand mitbekommen haben.“ Das Argument, die Staatsanwälte könnten keinen individuellen Tatnachweis führen und der Hauptverdächtige sei tot, lässt er nicht gelten: „Da muss doch was passieren, da werden doch noch viele arbeiten, die davon wussten!“

Juristisch wird der Krematoriums-Skandal jedenfalls zumindest in Bezug auf diesen Aspekt nicht mehr aufgearbeitet. Rita Horch aber wird bis zum Ende ihres Lebens daran knabbern.