25.07.2018, 11:38 Uhr

„Das ist ein Kunstwerk“ Ups, was wächst denn da aus der Straße? Es ist ein Kunst-Nippel!


Bauarbeiter musste lachen, als wir ihn fragten, was genau er da denn macht ...

REGENSBURG Manche finden sie einfach nur „greislich“, Touristen stehen staunend davor, wenn der Stadtführer erklärt: „Dieser Herr hat das Abendland vor der Türken-Invasion bewahrt.“ Don Juan de Austria war der uneheliche Sohn von Kaiser Karl V., der sich in Regensburg anschickte, die Gürtlerstochter Barbara Blomberg zu schwängern. Der Sohn aus dieser weltberühmten Liaison wurde keineswegs versteckt oder gar verstoßen, sondern der Kaiser erkannte ihn an. So machte der Halb-Blaublüter schließlich Karriere. Er wurde für die Habsburger Statthalter der Niederlande, führte die spanische Flotte in die Seeschlacht von Lepanto. Wo er eben die Osmanen schlug, die Vorfahren der Türken. Irgendwer kam 1978 auf die Idee, dass man dem Kriegsherren ein Denkmal setzen musste und so wurde ein Abguss der Statue in Messina geschaffen, die man dann am Zieroldsplatz aufstellte. Hin und wieder führt das auch zu gehörigem Unmut bei türkischen Zuwanderern, ein junger Mann klebte mal eine Türkei-Fahne auf die Statue, deren rechter Fuß übrigens – ziemlich geschmacklos – auf einem Enthaupteten ruht. Mancher wunderte sich dieser Tage allerdings, dass vor dem Standbild plötzlich eine Erhebung aus dem Kopfsteinpflaster wuchs. Bauarbeiter der Stadt Regensburg schufen diese beulenartige Struktur. Als wir den Bauarbeiter fragen, was genau er da macht, muss er lachen: „Das bemalt nächste Woche ein Künstler!“ Und das ist mittlerweile geschehen!

Künstler erwartet, dass man übers Werk stolpert

Wir haben nachgefragt. Und in der Tat antwortet die Stadtsprecherin: „Das ist ein Kunstwerk, das im Rahmen des Danube Art Labs entstanden ist.“ Elf Künstler haben sich mit Geschichte und Gegenwart Regensburgs beschäftigt. Kostenpunkt insgesamt: 84.000 Euro, der Kulturfonds Bayern spendierte nochmals 36.000 Euro. Allerdings wird mit dem Geld nicht nur der Erdhügel bezahlt. Der trägt einen kecken Namen. Wörtlich heißt es über den Künstler und sein Werk: Dumitru Oboroc, wählte den Zieroldsplatz und damit die Nähe zum Denkmal Don Juan d’Austrias „als Ort für seine Intervention“.

Seine Arbeit für Regensburg nennt er „Nipple of the City“. Und weiter: „Als Erhebung im Pflaster ausgestaltet, steht der Nipple in Konkurrenz zum Denkmal selbst: Seht – so die Botschaft –, da steht der glorreiche Don Juan und gleich daneben bricht sich das Bahn, was unter der Oberfläche schwelt.“

Der rumänische Künstler Dumitru Oboroc erwartet, dass Passanten, die seinem „Nipple“ begegnen, „hineinstolpern, sich mit ihm körperlich und physisch auseinandersetzen und sich selbst oder andere fragen: Was ist hier passiert? Was ist da unter der Oberfläche, was das Pflaster so aufwirft? Was ist da versteckt?“ Nun, bei uns hat das geklappt. Wir fragen uns seit Tagen, was das soll ...

Im Netz kursieren mittlerweile zahlreiche kuriose Posts zum „Nipple of the City“.


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