14.07.2018, 09:12 Uhr

Premiere der Schlossfestspiele Wenn zwischen Kunst und High Society das Menschliche schimmert


Die Eröffnung der Thurn und Taxis Schlossfestspiele ist traditionell ein kulturelles wie gesellschaftliches Ereignis. Doch diesmal war es vor allem das Menschliche, das den Abend so besonders machte: Es ist beeindruckend, wie sich Festspiel-Impresario Reinhard Söll wieder ins Leben - und sein Lebenswerk - zurückgekämpft hat. Doch nicht nur das berührte viele Gäste.

REGENSBURG Ungewöhnlich! Und das im positivsten Sinne! So lässt sich die Aufführung der Oper Tosca bei der Premiere der Schlossfestspiele auf St. Emmeram wohl in einem Wort beschreiben. Eine moderne Inszenierung, wie sie das Festspiel-Publikum in den vergangenen Jahren noch nicht erlebte, überzeugte rundherum. An dem Abend stimmte am Ende dann tatsächlich alles: Das Musikalische. Das Gesellschaftliche. Und auch das Menschliche.

Das Nationaltheater Brünn überzeugte das Publikum mit einer ungewöhnlichen Aufführung der Oper von Giacomo Puccini. Gleich zu Beginn schwebt die wohl berühmteste Interpretin der Sängerin Floria Tosca über der Bühne: Maria Callas. Die Callas ist die berühmteste Sopranistin in dieser Rolle, stand zudem mit einer Aufnahme dieser Rolle von 1953 auch kommerziell auf dem Zenit ihrer Weltkarriere. Die Callas, auch das außergewöhnlich, begleitet Floria Tosca nun in den drei Akten dieser Oper, die am Scheideweg einer Epoche spielt: Das Barock mit seiner Opulenz geht gerade zu Ende, die napoleonischen Kriege verändern Europa. Das Düstere des Untergangs einer ganzen Epoche liegt über der Inszenierung.

Die Handlung der Oper in drei Akten beschreibt die Liebe der Sängerin Tosca zum Maler Cavardossi, der in der römischen Kirche Sant’Andrea della Valle ein Altarbild nach einer wunderschönen Unbekannten malt. Weil er seinen Freund, den entflohenen Gefangenen Angelotti versteckt, sperrt der Maler die Kirchentüre zu. Das weckt die wohl gefährlichste und mächtigste Emotion, die eine Frau überwältigen kann: Die Eifersucht.

Doch nicht nur Frauen können vor Eifersucht erblinden. Wenn Männer die Frauen anderer begehren, ist das Unglück oft nicht weit. Und so stürzt Polizeichef Baron Scarpia die Tosca und ihren Geliebten Carvadossi ins Verderben – er nutzt die Jagd auf Angelotti, um seinen Nebenbuhler kalt zu stellen.

Maida Hundeling ist die Sporanistin, die Sängerin Floria Tosca verkörpert. Sie bricht unter der Last, stets mit der Callas verglichen zu werden, nicht zusammen. Das hat auch damit zu tun, dass sie in keiner Sekunde versucht, die einzigartige Aufführung der großen Sängerin nachzuahmen. Es ist ein genialer Schachzug der Inszenierung, die Callas wie ein Geist durch das Bühnenbild wandeln zu lassen. Denn was steckt hinter jeder Eifersucht als die Sehnsucht danach, am Ende in in die Ewigkeit einzugehen? So, wie die Callas auf ewig die göttliche Tosca sein wird, so strebt jede Liebe, die von Eifersucht verzehrt wird, nach der Ewigkeit – ohne dabei die Abgründe zu erkennen, die „für immer“ und „ewig“ bedeuten. Auch dafür hat die Inszenierung ein Symbol gefunden: Es ist der schwarze Engel, der die Szenerie stets überschattet.

Die Verlegerfamilie der Mediengruppe Passau („Passauer Neue Presse“, „Donaukurier“, „Wochenblatt“), Simone Tucci-Diekmann und ihr Ehemann Marco Tucci kamen in Begleitung von Altverlegerin Angelika Diekmann. (Foto: Uwe Moosburger)

Die progressive, moderne Aufführung dürfte eine der besten gewesen sein, die das Publikum bis dato bei der traditionellen Opern-Premiere der Schlossfestspiele bisher gesehen hat.

Traditionell ist es aber nicht nur die Kunst, die den Abend prägt, sondern auch das Gesellschaftliche. Fürstin Gloria von Thurn und Taxis nutzt die Gelegenheit der Festspiele oft, um ihre Familie zu sich einzuladen. Auch diesmal kamen Vertreter der Familie von Schönburg in den wunderbaren Davidhof, der derzeit durch ein paar Baugerüste verstellt ist. Das Schloss wird aufgehübscht, ein Millionen-Unterfangen, das aus der Privatschatulle gezahlt werden muss. Adel und Besitz verpflichten. Auch der bekannte Sport-Moderator Fritz von Thurn und Taxis kam mit seiner Frau Beata Bery. Der Moderator ist seit kurzem in Ruhestand.

Gekommen ist auch die Verlegerfamilie der Mediengruppe Passau („Passauer Neue Presse“, „Donaukurier“, „Wochenblatt“). Simone Tucci-Diekmann und ihr Ehemann Marco Tucci kamen in Begleitung von Altverlegerin Angelika Diekmann.

Auch die frühere Sozialministerin Emilia Müller fand sich im Davidhof ein, ebenso wie der Schriftsteller und Philosoph Martin Mosebach und der neue Schlossbewohner Prälat Wilhelm Imkamp, der leider nach einem Sturz am Stock gehen muss. Der Bundestagsabgeordnete Peter Aumer kam mit seinem Bruder, der nicht in der Politik ist, als IT-Leiter der Eckert-Schulen allerdings auch ganz schön zu tun hat. Die Ministerialdirektorin im Bundesverkehrsministerium, Astrid Freudenstein, wurde in den Davidhof von ihrem Ehemann, dem BR-Studioleiter Gerhard Schiechl begleitet. Regine Sixt („Autovermietung Sixt“) amüsierte sich prächtig während der Vorstellung neben dem engen Freund Glorias, den ausgesprochen charmanten Generalkonsul Ungarns in München, Gábor Tordai-Lejkó,. Tordai-Lejkó ist nicht nur ein ausgesprochen eleganter junger Mann, seine Karriere ist auch faszinierend: Seine Familie ist ein enger Wegbegleiter von Ungarns Premier Victor Orban. Tordai-Lejkó studierte in Regensburg und hat enge Kontakte in die Domstadt.

Vorbei kam auch der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer, der sich über den stark vertretenen Klerus auf der Bühne gewundert haben mag. Nicht nur, dass die vielen Ministranten fast allesamt Mädchen waren. Zudem trugen sie ein Zucchetto, das Käppchen, das eigentlich Bischöfen vorbehalten ist. Nach originalem Vorbild trat allerdings der Bischof im Stück in die Szenerie, er trug eine gigantisch lange „Cappa Magna“, einen meterlangen festlichen Umhang in Bischofs-Violett. Bei so viel Pomp durfte so mancher Kirchenmann in der ersten Reihe Tränen in den Augen verdrückt haben. Heutzutage unter Papst Franziskus ist solcher Pomp jedoch völlig verpönt.

Besonders interessant war natürlich für die vielen Journalisten vor Ort eine Liebesgeschichte jenseits der Bühne. Stargast an dem Abend war die Tochter von Fürstin Gloria, Elisabeth von Thurn und Taxis. Die Journalistin und Buchautorin kam in atemberaubend hohen Schuhen mit Plexiglas-Absätzen und man muss als Prinzessin geboren sein, um auf dem Rasen des Davidhofs und dem Schotter des Schlossplatzes mit diesen Schuhen laufen zu können. Mit dabei hatte sie ihren Verlobten! Es könnte also schon bald wieder eine Hochzeit im Fürstenhaus anstehen, dann wäre Elisabeths Bruder Fürst Albert, der Hausherr, am Ende der letzte verbliebene Junggeselle der drei Geschwister.

Neben Künstlerischem und Gesellschaftlichem war es aber am Ende auch das Menschliche, das berührte. Und so war es für viele Gäste der Premiere eine Freude, den Impresario der Schlossfestspiele, Reinhard Söll, wieder zu sehen. Die letzten Schlossfestspiele 2017 waren von der schrecklichen Nachricht einer schweren Erkrankung überschattet. Söll ist ein Kämpfer, seine Lebensgefährtin Svetlana Panfilow stand ihm in den schweren Monaten bei. Das merkte man auch am Freitagabend, sie kümmerte sich liebevoll um Söll, dem anzumerken war, wie wichtig ihm der Abend war. Am Ende ist es also nicht das „Who is who“ und auch nicht die hehre Kunst. Am Ende zählt der Mensch. Schön, dabei gewesen zu sein, wie sich der Macher der Schlossfestspiele wieder in sein Lebenswerk gekämpft hat!