09.07.2018, 08:21 Uhr

Wild abgestelltes Auto Kreative Kallmünzer machen Kunst aus illegalem Boliden


Seit August 2017 steht ein Mazda auf einem Parkplatz, der Halter müsste ihn eigentlich entfernen. Doch offenbar ist er nicht auffindbar. Die Anwohner haben jetzt etwas witziges mit dem Fahrzeug angestellt.

KALLMÜNZ Dieses Auto ist ein Kunstwerk! Oder zumindest haben sich die Anwohner einen Spaß erlaubt, wenn schon sonst keiner etwas tut!

Aber was ist geschehen? Nun, seit August 2017 steht ein Fahrzeug auf dem Parkplatz Eicher Straße in Kallmünz. Keiner weiß, wem es gehört! Das Fahrzeug ist ein Mazda, sieht eigentlich noch fahrtüchtig aus. Doch vom Besitzer – keine Spur!

Wer aber derzeit im idyllischen Kallmünz an dem Parkplatz vorbei kommt, der fühlt sich zurückversetzt in die Zeit, als Künstler wie der weltberühmte Vasily Kandinsky die traumhafte Lage des Örtchens im Landkreis Regensburg für ihre künstlerische Inspiration nutzten. Ein bisschen eigenwillig sind die Kallmünzer aber doch, kein Wunder, geht doch der Name Kallmünz auf das keltische „Kalmantia“ zurück, die Kelten besiedelten Kallmünz bereits 2000 vor Christus. Im Schatten der Burg, umgeben vom Ungarnwall, gibt es sogar das seit 100 Jahren und einzige noch bis heute bewohnte Höhlenhaus Deutschlands, das „Haus ohne Dach“. Kein Wunder, denn unter den ohnehin wunderschönen Orten des Landkreises Regensburg sticht Kallmünz hervor. Im Schatten der Burg gibt es bis heute Galerien und wunderbare Cafés, in denen Kunst an den Wänden zum Betrachten einlädt. Die Kallmünzer haben aus dem wild geparkten Daihatsu kurzerhand ein Kunstwerk gemacht, ja haben ihm ein Häuschen gebaut! „Die Anwohner haben den Wildparker offenbar akzeptiert“, so Josef Bockes aus Kallmünz.

Die Behörden haben sich auf dem Boliden allerdings auch schon verewigt. Ein Aufkleber, der ursprünglich wohl rot war und von Wind und Wetter nun gebleicht ist, weist darauf hin, dass der Mazda hier wohl eher nichts zu suchen hat. „Der Verfügungsberechtigte dieses verbotswidrig abgestellten Fahrzeugs (Halter oder Eigentümer) wird hiermit aufgefordert, das Fahrzeug unverzüglich zu entfernen“, heißt es darauf im schönsten Amtsdeutsch. „Wird dieser Aufforderung nicht nachgekommen, kann das Fahrzeug auf Kosten des Verfügungsberechtigten sichergestellt und verwertet werden.“ Dem Halter oder Inhaber des Fahrzeugs droht ein Bußgeld von bis zu 5.000 Euro. Sollte er auch noch die Absicht gehabt haben, den Mazda als Abfall zu beseitigen und das außerhalb einer „zum Zwecke der Beseitigung (...) dafür zugelassenen Anlage oder Einrichtung“, also einer „Abfallbeseitigungsanlage“, dann kann das sogar bis zu 100.000 Euro kosten.

Findige Kallmünzer indes haben das Auto gleich mal verwertet. Sie haben es eingezäunt, sie haben einen Blumentopf aufs Dach gestellt – und sogar einen Zeitungsständer mit Tageszeitung darin angebaut.


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