27.06.2018, 22:15 Uhr

Wie im Krimi Bleiacetat auf dem Pausenbrot – hat ein 55-Jähriger seine Kollegen vergiftet?

(Foto: Iuliia Nedrygailova/123rf.com)(Foto: Iuliia Nedrygailova/123rf.com)

Anfang Mai 2018 stellte der Mitarbeiter einer Firma in Schloß Holte-Stukenbrock inNordrhein-Westfalen unbekannte Substanzen auf dem Belag seines Pausenbrotes fest. Nachdem er die Firmenleitung informiert hatte und eine Anzeige bei der Polizei erstattet wurde, konnte am 16. Mai durch Bildaufzeichnungen ein Mitarbeiter dabei beobachtet werden, wie er die Brotdose des Kollegen öffnete und eine Substanz auf ein Pausenbrot aufbrachte.

SCHLOß HOLTE-STUKENBROCK/NORDRHEIN-WESTFALEN Die Bildaufnahmen führten zur Identifizierung eines 56-jährigen Mitarbeiters. Der Tatverdächtige wurde festgenommen. In seiner Tasche befand sich eine kleine Flasche mit pulvriger Substanz. Bei der Durchsuchung der Wohnung des Tatverdächtigen in Bielefeld, ergaben sich weitere Hinweise auf chemische Substanzen. Die Sicherstellung erfolgte durch Spezialisten der Berufsfeuerwehr Bielefeld.

Erste Untersuchungsergebnisse des Anfang Mai sichergestellten Pausenbrotes, durch Spezialisten des Landeskriminalamtes NRW, haben ergeben, dass der dringende Verdacht besteht, dass es sich bei der Substanz auf dem Brot um eine toxische Chemikalie handelt. Das LKA ist mit weiteren Untersuchungen beauftragt worden.

Da von einem versuchten Tötungsdelikt durch Vergiftung ausgegangen wird, ermittelt eine Mordkommission (MK „Mergel“) aus Beamten der Polizei Bielefeld und Gütersloh, unter der Leitung des Ersten Kriminalhauptkommissars Bernd Kauschke. Der Tatverdächtige wurde am Donnerstag 17. Mai, einem Haftrichter vorgeführt, der einen Haftbefehl wegen versuchten Mordes erlassen hat.

Weitere Todesfälle werden überprüft

Die MK „Mergel“ prüft aufgrund des bisherigen Ermittlungsergebnisses weitere Todesfälle in der Firma. Dafür haben die Ermittler personelle Unterstützung aus den umliegenden Behörden Gütersloh, Paderborn und Lippe erhalten.

Das vorläufige Gutachten des LKA NRW liegt vor. Hieraus ergibt sich, dass auf den sichergestellten Pausenbroten toxisches Bleiacetat in Mengen aufgebracht war, welche geeignet waren schwere Organschäden herbeizuführen. Die vorläufige Auswertung der weiteren im Wohnhaus des Beschuldigten sichergestellten Substanzen hat den Verdacht ergeben, dass dieser seit Längerem versucht hat, toxische Substanzen, unter anderem Schwermetallverbindungen, herzustellen. Es wurde bei den Durchsuchungen unter anderem Quecksilber, Blei und Cadmium aufgefunden und sichergestellt.

Weiterhin hat sich in Bezug auf zwei weitere Krankheitsfälle der letzten Jahre in der Firma der Verdacht einer Schwermetallvergiftung ergeben.

Die Ermittlungen der 15-köpfigen Mordkommission konzentrieren sich nunmehr insbesondere auf die Aufklärung aller Todesfälle in der Firma seit dem Jahr 2000. Dabei werden 21 Fälle, in denen Mitarbeiter vor Eintritt in den Ruhestand verstorben sind, betrachtet. Bei den Todesfällen gab es aus Sicht der Ermittlungsbehörden eine auffallend hohe Anzahl von Herzinfarkten und Krebserkrankungen. Ursächlich für solche Erkrankungen kann nach Angaben der Sachverständigen eine Schwermetallvergiftung sein.

Neben der Befragung von Angehörigen und ehemaligen behandelnden Ärzten, werden zunächst die Krankenakten zur Aufklärung herangezogen. Abhängig von den Ergebnissen wird, in Absprache mit Rechtsmedizinern und der Staatsanwalt-schaft, auch geprüft, ob Exhumierungen erforderlich sind.

Der Beschuldigte schweigt weiterhin zu den Vorwürfen, sodass das Motiv unklar bleibt.

Die Staatsanwaltschaft und die Polizei Bielefeld stehen weiterhin im ständigen Kontakt zu Experten des LKA und der Gerichtsmedizin.


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