05.06.2018, 12:44 Uhr

Wahrzeichen kehrt zurück Das Bruckmandl sitzt wieder in voller Pracht auf der Brücke


Ein Arm war in die Donau gefallen, doch nach einer Sanierung hat es jetzt wieder seinen Platz eingenommen. Selbst die Bauarbeiter waren aufgeregt, als sie das Wahrzeichen wieder aufstellten.

REGENSBURG Es war eine Regensburger Stadtführerin, die das Unfassbare entdeckte: Das war am 27. Dezember 2013, als die – zwischenzeitlich leider verstorbene – Hildegard Zweck entdeckte, dass dem berühmten Bruckmandl ein Arm fehlt. Daraufhin rückten sogar Taucher der DLRG aus, suchten in der Donau nach dem verlorenen Arm. Es ist jener Arm, den das Bruckmandl an die Stirn hebt, um damit den Dom anzuschauen. Gefunden haben ihn die Taucher nicht. Jetzt sollte das sanierte Bruckmandl wieder an Ort und Stelle stehen, wenn Regensburg die Wiedereröffnung der Steinernen Brücke und den Welterbetag feiert.

Die Aufregung war groß, als das Wahrzeichen am Dienstag, 5. Juni, mit dem Lastwagen angerollt kam. Mit dabei hatten die Arbeiter auch den Bildstock. Der wurde zunächst auf einen Sockel gehoben, dann flog das Bruckmandl auf seinen angestammten Platz. Viele Schaulustige blieben auf dem noch stehenden Behelfssteg stehen, filmten und fotografierten begeistert. Zunächst flog das Bruckmandl mit Blick nach Stadtamhof an. Ein kleiner Scherz der Bauarbeiter, die das Burckmandl letztlich doch drehten. Jetzt blickt es wieder Richtung Dom.

Doch was hat es mit dem geheimnisvollen Männchen, das auf einem Bildstock sitzt, eigentlich auf sich?

Denkmalpfleger Lutz Dallmeier weiß mehr über die berühmte Figur. Zum Beispiel, dass das Bruckmandl schon mehrere Vorgänger hatte. „Die Figur, wie sie zuletzt auf der Brücke zu sehen war, stammt samt dem Bildstock etwa aus der Zeit um 1850“, sagt de Denkmalschützer. Doch hat das Bruckmandl etwas mit der berühmten Sage zu tun, die man sich in Regensburg erzählt und die kaum ein Stadtführer vor Touristen auslässt?

Angeblich gab es einen Wettstreit zwischen dem – unbekannten – Bauherren der Steinernen Brücke und dem Dombauherren, wer zuerst fertig ist mit seinem Monument. Der Bauherr der Steinernen ging eine Wette mit dem Teufel ein. Dafür sollte der Teufel die ersten drei Seelen erhalten, die über die neue Brücke gehen würden. Damals waren das Kaiser, König und Herzog.

Frühere Bruckmandl blickten gen Westen

Doch der findige Bauherr hatte eine Idee: Er schickte einen Hahn, eine Henne und einen Hund über die Brücke. Angeblich guckte das Bruckmandl eben zum Dom. Doch das war nicht immer so: „Frühere Bruckmandl schauten nach Westen“, erzählt Dallmeier. Der Vorgänger des heutigen Bruckmandls – oder einer davon, es muss mehrere gegeben haben – ist zu sehen auf dem berühmten Merian-Stadtplan aus dem Jahre 1640. Da guckt es nach Westen.

Die Sage um die Wette des Baumeisters mit dem Teufel kann so ohnehin nicht stimmen, denn der Dom wurde 100 Jahre später gebaut als die Steinerne Brücle. Insofern ist es wohl eine Idee des 19. Jahrhunderts gewesen, dass das aktuelle Bruckmandl in Richtung Dom schaut. Außerdem saßen frühere Bruckmandl auch nicht etwa in der Mitte der Brücke, so wie das heutige – vielmehr sieht man es auf dem Merian-Plan wie es einen der Abgänge der Brücke zu den Beschlächten ziert.

Am 10. Juni jedenfalls sitzt das Bruckmandl wieder an seinem angestammten Platz. Gerade für die Regensburger ist es auch ein Symbol für eine der schönsten Städte Bayerns – ja ganz Deutschlands.