29.03.2018, 09:20 Uhr

Adelige Fürstin Gloria ist „es gewohnt, auch ehrlich antworten zu dürfen!“


Die Adelige gab dem Magazin Cato ein Interview und verriet, wie unfrei unsere Gesellschaft wurde.

REGENSBURG Sie hat Fans, aber auch viele Kritiker, eben gerade, weil sie sich nicht verbiegt: Fürstin Gloria von Thurn und Taxis ist eine durchaus umstrittene, schillernde Person. Jetzt hat sie dem neuen rechtskonservativen Magazin „Cato“ ein Interview gegeben – und überraschenderweise den Spieß umgedreht: Unsere Gesellschaft sei, so der Tenor, im Zuge der 68er-Revolution ein Stück weit sogar unfreier geworden, freie Meinung heutzutage eher eingeschränkt.

So will der Chefredakteur des Magazins von der Adeligen wissen, warum sie sich kritisch zur europäischen Schuldenpolitik, über die Energiewende, die „Masseneinwanderung des Jahres 2015“ (O-Ton) sowie über die Kanzlerin geäußert habe. „Warum?“, will Andreas Lombart von der Fürstin wissen. Die antwortet: „Mein Gott, weil ich gefragt wurde! Ich komme noch aus einer Generation, die gewohnt war, auf Fragen ehrlich antworten zu dürfen.“

Ob dies aber heutzutage noch wirklich möglich ist, das bezweifelt Fürstin Gloria durchaus. „Früher durfte man alles denken“, so die Adelige, „schließlich war das ja die große Errungenschaft der Hippie-Explosionen in den Sechziger-Jahren.“

Doch heute „sind wir auf dem Weg in eine stramme, puritanische, selbstreferentielle, totalitäre Gesellschaft mit Denk- und Sprechverboten. Das ist für Leute wie mich, die völlig offen und frei erzogen wurden, ein Problem“, so die Fürstin in dem Interview.

Auch zum heiklen Thema Missbrauchsskandal äußert sich die Adelige. Sie hatte in der Vergangenheit auch kritisiert, dass in den Schulklassen häufig schon sehr früh sexuell aufgeklärt werde. Doch dass sie sich an diesem Widerspruch reibt, das fällt ihr eher auf die Füße. Warum eigentlich? „Auf der einen Seite wird durch Frühsexualisierung ,Frischfleisch‘ gezüchtet. Aber wenn sich jemand daran vergreift, schreit die Gesellschaft auf und die Täter werden auf ewig verdammt. Verwirrend!“, so die gewagte These der Fürstin zu dem Thema.

„Manchmal feiert der Teufel fröhlich Urstände“

Durchaus für Widerspruch dürfte auch eine andere These sorgen, die von der Fürstin vertreten wird. So fragt sie der Interviewer, ob auch sie glaubt, dass eine „Zukunft des Christentums“ eher aus der Orthodoxen denn aus der Katholischen Kirche entspringe. „Richtig ist, dass die öffentlichen Verurteilungen gesellschaftlicher Missstände heute eher aus Russland kommen als aus dem Westen“, sagt die Fürstin darauf.

Reformen in der Katholischen Kirche lehnt die Fürstin dann auch eher ab. Abtreibung, Zulassung gleichgeschlechtlicher Paare zur kirchlichen Heirat, Sterbehilfe, Frauenpriestertum – Gloria macht keinen Hehl daraus, all dies falsch zu finden. „Es gibt Perioden, da scheint der Teufel fröhliche Urstände zu feiern, dann gibt es Zeiten, da er zurückgedrängt wird und vorsichtiger agieren muss“, so die Fürstin, „Aber er ist immer da.“