10.12.2017, 09:25 Uhr

Musiker-Legende Haindling sieht die Flüchtlingswelle und den Islam kritisch

Der Musiker Hans-Jürgen Buchner alias Haindling ist ein kritischer Geist. (Foto: wwwhelloconcerts.de)Der Musiker Hans-Jürgen Buchner alias Haindling ist ein kritischer Geist. (Foto: wwwhelloconcerts.de)

Der Musiker beklagt den Ausverkauf der bayerischen Heimat und findet es unerfreulich, wie verbissen manche Zuwanderer ihre Religion lebten. Der Bayer sei da tolerant und weltoffen, aber „ich gehe ja auch nicht mit Gamsbart am Hut im Ausland spazieren.“

REGENSBURG Wochenblatt: Herr Buchner, oder besser Haindling, vor 20 Jahren waren Sie mein erster Interview-Partner. Damals habe ich Sie gefragt, in welchem Zustand denn unser schönes Bayernland ist. Sie sagten damals, alles werde zubetoniert und unsere Heimat ist in keinem guten Zustand. Ist das heute anders?

Haindling: Nein, das war damals leider erst der Anfang. Die Flächenversiegelung ist längst fortgeschritten und geht immer weiter. Ich kenne ja noch, wie meine Heimat Bayern früher mal war. Die Jungen, die nachkommen, haben diesen Vergleich nicht. Alle schreien nach Breitbandversorgung, deshalb werden überall Büsche ausgerissen, damit man eine Leitung legen kann und die Leute den ganzen Tag im Internet surfen können, statt sich zu unterhalten.

Wochenblatt: Aber beobachten Sie nicht, dass die Heimat wieder eine Art Renaissance erlebt? Tracht ist „in“, man spricht auch wieder Dialekt.

Haindling: Für jemanden, der in der Stadt aufgewachsen ist, mag das ja so scheinen. Aber ich bin auf dem Land groß geworden. Meine Großmutter hatte eine Brauerei und eine Gastwirtschaft. Wir hatten ein Haus am Rande des Waldes, mein Vater war Tierarzt und Jäger. Als Kinder haben wir im Wald gespielt, haben unsere Heimat auch mit der wunderbaren Natur in Verbindung gebracht. Damals waren auch andere Zeiten, es wurde nicht jeder Baum umgeschnitten, nur weil er auf ein Auto fallen und den nagelneuen BMW kaputt machen könnte. Unser Leben war sorgloser. Und das mit dem Dialekt, das kann ich in München nicht erkennen.

Wochenblatt: Bei uns in Regensburg spricht man schon noch Dialekt.

Haindling: Regensburg ist auch für mich eher ländlich. In München ist der Dialekt fast ausgestorben und man merkt doch schon, wenn man nach München fährt, dass das wenig mit Bayern zu tun hat. Da fährt man an einem großen Flughafen vorbei. Die Umgebung sieht schon ganz anders aus. Das ist in Regensburg noch ganz anders und ich hoffe, das bleibt so.

Wochenblatt: Sie sind durchaus als politischer Musiker bekannt, der sich für seine Heimat einsetzt. Verzeichnen Sie auch Erfolge?

Haindling: Durchaus. Ich bin seit 45 Jahren beim Bund Naturschutz und ich glaube, ich habe mit einem Lied erreicht, dass Ministerpräsident Horst Seehofer zumindest umdenkt, was den Ausbau der Donau zwischen Straubing und Vilshofen anbelangt. Wir müssen dafür kämpfen, dass nicht alles verbaut wird, die Donau ist immer noch in weiten Teilen ein wertvolles Stückchen Natur. Ich sage, unsere Enkelkinder haben auch das Recht, das alles noch zu sehen, was unsere Heimat ist.

Wochenblatt: Sie wohnen ja in Haindling bei Geiselhöring. Gerade in ländlichen Gegenden wird der Ruf laut, dass man Supermärkte baut. Wie finden Sie das?

Haindling: Überall werden Outlet-Center und riesengroße Hallen zum ,Shopping‘ gebaut. Das Problem ist halt, die Leute wollen das, was sie kennen. In Haindling kann ich mir nicht einmal eine Zitrone kaufen, weil der letzte Laden vor vielen Jahren geschlossen hat. Ich fahre wenigstens in den Bioladen zum Einkaufen, da habe ich immer noch das Gefühl, es ist ein wenig persönlicher. Und auch die Massentierhaltung und der Einsatz von Herbiziden ist da nicht das Problem. Man muss eben seine eigenen Bedürfnisse auch mal überprüfen. Weil ich in Haindling wohne, kann ich eben nicht jeden Morgen frische Semmeln frühstücken, außer ich fahre. Da esse ich lieber mein Brot, das mir eine Woche reicht.

Wochenblatt: Viele setzen ja jetzt sogar bei Lebensmitteln auf Internet-Bestellungen. Sie auch?

Haindling: Ich kaufe grundsätzlich nichts im Internet, das lehne ich ab. Wer sich beklagt, dass bei uns alles zugepflastert wird mit Straßen, der darf nicht mit Internet-Bestellungen für noch mehr Verkehr sorgen. Ich kaufe nur dort ein, wo ich auch einen lebendigen Menschen etwas fragen kann.

Wochenblatt: Unsere Heimat verändert sich ja auch, weil fremde Kulturen zu uns kommen. Sehen Sie das als Bereicherung?

Haindling: Ich habe gerade im Radio gehört, dass man fünf Syrer festgenommen hat, die einen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Essen verüben wollten. Früher kannte ich so etwas nicht, das ist neu für mich, dass sich Menschen wegen ihrer Religion so radikalisieren, und uns damit terrorisieren. Wir Katholiken haben gelernt, dass wir tolerant mit anderen Religionen umgehen.

Mir ist das fremd, wenn manche Moslems ihren Islam so verbissen ausleben, das finde ich krank. Wenn ich im Ausland wohnen würde, dann würde ich auch nicht mit dem Trachtenhut mit Gamsbart herum spazieren. Mir fehlt da das Zugehen auf unsere Kultur. Aber ich prophezeie, dass noch mehr Menschen zu uns kommen werden und die Probleme eher größer werden. Ich kenne Flüchtlinge, mit denen ich mich sehr gut verstehe. Andere schauen mir zu verbissen und ich mag es nicht, wenn ich jemandem seine Religion ansehe. Früher haben die Frauen in Bayern auch Kopftuch getragen, aber das war wegen der Arbeit auf dem Feld oder ihren Haaren, wenn die nicht gerichtet waren. Und nicht wegen der Religion. Aber fragen Sie mich doch auch mal was Positives!

Wochenblatt: Was gefällt Ihnen denn in Bayern?

Haindling: Hier bin ich daheim, das ist meine Heimat und ich bin froh, hier zu sein. Ich liebe es, Musik zu machen und den Menschen in meinen Konzerten etwas mitzugeben. Ich freue mich schon unheimlich auf den Auftritt am 20. Januar im Audimax in Regensburg. Das ist zwar nicht so einfach, weil die Bühne unten ist und man spielt von unten nach oben. Aber ich bin oft im Audimax, weil ich mir zum Jahreswechsel beispielsweise gerne die Traumfabrik dort ansehe. Regensburg liebe ich sehr und auch das Publikum dort mag ich.

Wochenblatt: Vielen Dank.


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