25.10.2017, 18:21 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Soziales Engagement Charity-Tag im Kletterwald Regensburg: Einmal „Höhenflug gratis“ für soziale Einrichtungen

Einmal „Höhenflug gratis“ für soziale Einrichtungen! (Foto:Kletterwald Regensburg )Einmal „Höhenflug gratis“ für soziale Einrichtungen! (Foto:Kletterwald Regensburg )

Am Freitag, 20. Oktober, fand der Charity-Tag des Kletterwaldes Regensburg in Kooperation mit der Kelterei Nagler und dem Gasthaus Haubner aus Sinzing statt.

SINZING Hier konnten (soziale) Einrichtungen mit knappem Budget wieder einmal den oft schwierigen Alltagsherausforderungen entkommen. Bereits zum sechsten Mal in seiner Geschichte richtete der Kletterwald Regensburg den „Charity-Tag“ aus, an dem soziale Initiativen eingeladen waren, für einen Tag Schwierigkeiten und Sorgen „auf dem Boden“ zu lassen: Es ging hinauf in die Wipfel des Buchenwaldes, in welchen auf verschiedenen Parcours unterschiedliche Übungen installiert sind.

Nach einem Bewerbungsverfahren wurden aus vielen kreativen und aufwändigen Bewerbungen drei Institutionen mit insgesamt 62 Teilnehmern ausgewählt: Diese waren der Verein Drugstop Regensburg mit einer Gruppe aus Bewohnern einer Nachsorgewohngemeinschaft und anderen Bereichen des Vereins und 2 Klassen des beruflichen Schulzentrums Regensburger Land,: eine integrative Klasse und eine Klasse, in der ausschließlich Geflüchtete unterrichtet werden. Drugstop ist ein anerkannter Verein der Drogenberatung anbietet und auch ehemalige Drogenabhängige beschäftigt. In der Nachsorge- WG des Vereins werden Menschen betreut, die früher verschiedene Drogen konsumiert haben, mittlerweile ohne sie auskommen und nun den Weg ins normale Leben ohne Drogen zurückfinden.

Die am Charity-Tag teilnehmenden Schüler des BSZ Regensburger Land kamen aus zwei Klassen. Die erste war eine reine Flüchtlingsklasse, bei der die Teilnehmer hauptsächlich aus Afghanistan und Syrien kamen. Eine 2te Klasse war eine Integrativ Klasse, bei dem Flüchtlinge und Deutsche Schüler zusammen einen Beruf erlernten. Die Lehrerin Alexandra Geiger beschrieb die schwierige Situation „ihrer“ Flüchtlinge: „Sie bekommen aktuell keine Ausbildungserlaubnis vom Staat, obwohl viele Betriebe sie gerne ausbilden würden. Die Jugendlichen in den Flüchtlingsklassen waren bisher hoch motiviert“ und „so voller Hoffnung“, hängen aber seitdem die Politik so unklar geworden ist, nun in der Schwebe und müssen befürchten, dass ihr Einsatz beim Erlernen der deutschen Sprache und bei Praktika in den Betrieben nicht zum Ziel „Ausbildungsplatz“ führen wird. Dementsprechend hat sich für alle beteiligten Lehrer die Stimmung unter den jungen Geflüchteten in den letzten Monaten drastisch verändert, die Lehrer versuchen ihr Möglichstes um den jungen Menschen Zuversicht und Hoffnung für ihre Zukunft zu geben und diese zu motivieren. Doch oft beherrschen nun Resignation und Furcht vor dem Abschiebebescheid den Alltag der jungen Menschen. Frau „Geiger und die Kollegen würden sich von der Politik allgemein mehr Unterstützung und Weitsichtigkeit für die Integration der Jugendlichen wünschen. Denn die Jugendlichen könnten viel zur Zukunft Deutschlands beitragen und waren mit Zukunftsperspektiven vor der politischen Wende hochmotiviert. Frau Geiger betont: Die Flüchtlinge seien gerne in der Schule und für deutsche Verhältnisse unheimlich höflich gegenüber den Lehrern und lernfreudig. Sie wollen sich eigentlich eine Zukunft aufbauen. So geht es auch Amir und Imdad. Amir möchte KFZ-Mechaniker werden und macht ein Praktikum in einer Werkstatt. Bei Nebenjobs knüpft er weitere Kontakte zum Arbeitsmarkt. Sein Freund Imdad strebt eine Ausbildung zum Koch an - „theoretisch“, wie er sagt. Ob er in Deutschland bleiben und die Ausbildung beginnen darf, ist unklar. Es galt beim Charity-Tag also, Mut zu machen, die Motivation und den (Klassen)Zusammenhalt zu stärken und einfach einmal miteinander ohne Vorurteile Spaß zu haben. Das Event startete mit einem actionreichen Warm-Up mit Spielen, welche die verschiedenen Gruppen zu Teams zusammenwachsen lassen sollten. Im Anschluss ging es nach einer sorgfältigen Einweisung hinauf in die Wipfel des Sinzinger Buchenwaldes mit 7 Parcours. Wie jedes Jahr zeigte sich auch heuer, dass Sprachbarrieren kein Hindernis darstellen, wenn man den Mut hat, sich auf den anderen einzulassen. Innerhalb der Parcours gab es spannende Seilübungen, wackelige Holzbrücken oder rasante Seilbahnabfahrten für die Teilnehmer. Besonders der „Partnerparcours“ des Kletterwald Regensburg eignete sich sehr gut, um die Stärken im Team auszutesten, etwaige Vorurteile abzubauen und die Kommunikation zu fördern.

Für die Bewohner der Drugstop-Wohngemeinschaft war der Charity-Tag eine willkommene Abwechslung im Alltag. Eine Teilnehmerin erklärte: Früher habe sie Drogen genommen, um einen Kick zu erleben. Hier lerne sie die eigene Angst zu überwinden, wobei die Gruppe Rückhalt gibt. „Ich lerne immer mehr, Vertrauen in meine eigene Kraft zu haben.“ Egal ob mit oder ohne Drogenvergangenheit, die Drugstop-Gruppe hatte sichtlich Freude am Klettern. „Und am Ende stand allen ein breites Siegergrinsen im Gesicht!“ nachdem alle die Parcours gemeistert hatten und ihre Grenzen erlebt hatten. Im Anschluss an die Kletterpartie gab es zur Abrundung des Tages ein Buffet mit Kartoffelsuppe und Kürbisnudelgericht. Beim Essen blieb noch genug Zeit, sich auszutauschen und weitere Kontakte zu knüpfen. Gesponsert wurde das Buffet vom Gasthof Haubner aus Kleinprüfening. Die Privatkelterei Nagler stellte kostenlose Getränke für alle zur Verfügung.

Der Charity-Tag verfolgt seit seiner Entstehung das Ziel, auch weniger privilegierten Menschen einfach mal einen schönen Tag zu bereiten. Florian Schmöller, Theresa Owusu und ihrem Team ist es sehr wichtig, diesen Tag jedes Jahr möglich zu machen. „Insbesondere ist die Zusammenarbeit mit Partnern wie Nagler und Gasthaus Haubner immer toll.“ Sie hoffen gemeinsam ein Zeichen zu setzen um die Wichtigkeit in der heutigen Zeit zu betonen: zusammenzuhalten und sich gegenseitig auf Augenhöhe zu begegnen, Vorurteile abzubauen, und sich auf das verbindende zu konzentrieren, nicht nur auf das Trennende.


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