13.07.2018, 12:55 Uhr

Ärger um die Wachkomapatientin Erst vor Gericht und dann Neustart in ein neues Leben für Meera

Meera hat ihr Lächeln nicht verloren. Ihre Mama und Gernot Puttfarken hoffen, dass sie auch ihre Sprache zurückgewinnt. (Foto: Holger Becker)Meera hat ihr Lächeln nicht verloren. Ihre Mama und Gernot Puttfarken hoffen, dass sie auch ihre Sprache zurückgewinnt. (Foto: Holger Becker)

Zwist mit Vermieter der Wachkomapatientin – im Herbst soll ein neues Haus bezogen werden

UNTERDIETFURT Seit einem Autounfall am 13. Dezember 2011 ist Meera (28) eine sogenannte Wachkomapatientin und bedarf ständiger Pflege. Derzeit bewohnt Meera gemeinsam mit ihrer Mutter Junumaya Pariyar und Gernot Puttfarken, ein Freund der beiden, ein Haus bei Unterdietfurt. Doch seit einiger Zeit herrscht „dicke Luft“ zwischen ihnen und dem neuen Vermieter. Am 18. Juli trifft man sich deswegen vor Gericht.

Im Dezember 2011 änderte sich das Leben von Meera Schinzel komplett. Die heute 28-Jährige war damals auf der Heimfahrt von ihrer Arbeit im Café Luibl in Eggenfelden mit ihrem Fahrzeug in der Nacht auf einer Brücke wegen Glatteis ins Schleudern geraten und gegen einen Lkw geprallt. Sie erlitt ein Schädel-Hirntrauma. Zwei Monate lag sie im Koma.

Seit Juli 2012 lebt sie wieder bei ihrer Mutter Junumaya Pariyar. Täglich erhält Meera Krankengymnastik und Ergotherapie. Weitere Therapieversuche mit Logopädie, Sprachcomputer oder zwei Delfintherapien hatten keinen Erfolg gezeigt. „Laut neuestem EEG ist ihr Zustand unverändert“, bedauert Gernot Puttfarken.

Die lebenslustige Meera hat den Mut aber nicht verloren. „Sie bekommt alles mit“, weiß ihre Mama. Die Kommunikation mit ihrer Umwelt funktioniert vor allem über ihre Augen und die Mimik. Verstehen kann Meera aber jedes Wort. „Sie lacht sogar über Witze, besonders aber, wenn ihre Mama mit ihr nepalesisch spricht. Wir anderen verstehen dann meist nur Bahnhof“, lacht Gernot Puttfarken.

Allerdings kann sich Meera nach wie vor nicht sprachlich äußern. „Wir geben die Hoffnung nicht auf, dass Meera irgendwann wieder etwas sagen kann“, denken Mama und Gernot Puttfarken positiv.

Viel Lebensqualität für Meera bringen die Ausflüge. Vor einiger Zeit haben Meeras Mutter und Gernot Puttfarken extra einen Transporter gekauft, damit Meera nicht in den eigenen vier Wänden gefangen ist, sondern auch mal unter Leute kommt.

Das Haus gehörte mal Gernot Puttfarken. Doch er konnte es finanziell nicht mehr halten, im Dezember 2015 wurde es versteigert. Der Mietvertrag mit Meera musste mit übernommen werden.

Als es im unteren Stockwerk im letzten Sommer einen Wasserschaden gab, räumte der Vermieter im Oktober die untere Wohnung leer. Den Bauschutt postierte er in eine Remise. Problem: Durch diese Remise wurde Meera bis dato mit ihrem Rollstuhl zum Transportfahrzeug gefahren.

Weg ins Haus war teilweise versperrt

Der Weg außen ums Haus war also plötzlich versperrt. Nur unter erheblichem Aufwand und mit Hilfe des BRK war es möglich, Meera durchs Treppenhaus in die Zufahrt zum Haus zu bringen.

Dann kam der 20. Mai 2018: „Meera hatte einen Krampfanfall und musste ins Krankenhaus gebracht werden. In einem solchen Notfall wäre dies durchs Treppenhaus gar nicht möglich gewesen. Gott sei Dank hatte ein Nachbar zwei Tage vorher den versperrten Zugang frei gemacht“, schildert Gernot Puttfarken die brenzlige Situation vor einigen Wochen. „Das ist Behinderung einer Behinderten“, wettern Meeras Mutter und Puttfarken. Der Vermieter argumentiert gegenüber dem Wochenblatt, dass er den Bauschutt als Beweismaterial am Haus lagern müsse, weil der Wasserschaden im Erdgeschoss ein Fall für die Versicherung sei. Und: Die Remise gehöre nicht zum angemieteten Teil von Meeras Wohnung.

Das Verhältnis zu seinen Mietern sei vergiftet, gibt der Vermieter zu und führt dies vor allem auf das Verhalten von Meeras Mutter und Gernot Puttfarkens zurück, reichte sogar Räumungsklage ein, die aktuell jedoch ruht. „Ich habe oft genug meinen guten Willen gezeigt, irgendwann ist einfach mal Schluss“, so der Vermieter. Er bedauert aber, „dass das Ganze auf dem Rücken von Meera ausgetragen wird“.

Am 18. Juli soll das Gericht darüber entscheiden, ob der Zugang über die Remise freigehalten werden muss. Eine Dauerlösung soll das Ganze aber nicht bleiben. Im letzten Jahr wurde in Schönau mit dem Bau eines Hauses für Meera begonnen. Geplant ist, dass es im Oktober 2018 bezogen werden kann.

„Es ist ebenerdig und natürlich barrierefrei. Zudem verfügt es über einen Deckenlift, sodass Meera für den Transport aus dem Bett zum Beispiel ins Bad nicht umständlich aus dem Bett in den Rollstuhl gesetzt werden muss. Die Kosten für den Lift übernimmt die Berufsgenossenschaft, da der Autounfall als Arbeitsunfall gilt“, fasst Gernot Puttfarken zusammen.

Bald beginnt also ein neues Leben für Meera, die Dissonanzen mit dem aktuellen Vermieter wären dann vorüber. „Für Meera wäre ein Umzug die beste Lösung, die bisherige Wohnung ist keine optimale Lösung“, findet auch der Vermieter.


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