11.04.2018, 14:40 Uhr

Die Liebe zum Reiseabenteuer Eine Lebensreise zu zweit und quer durch die Welt in die Einsamkeit


Horst und Renate Pritz sind seit über 40 Jahren im Wohnmobil unterwegs

ORTENBURG Wie oft Horst Pritz (78) bereits um die Welt gefahren ist, wenn es um die reine Kilometer-Leistung geht, weiß er gar nicht. Fünf mal, sechs mal hat er die etwa 40000 Kilometer rund um den Äquator wohl schon abgefahren mit seiner Frau Renate (78) und seinem Wohnmobil. Aber eben nur streckenmäßig, denn Horst und Renate Pritz sind auf der ganzen Welt zu Hause, nicht nur in Ortenburg.

1979 gründete Horst Pritz in Passau sein Geschäft Pritz Globetrotter. Die Idee dazu war dem gelernten Speditionskaufmann mit einer Bundeswehr-Ausbildung zum Krankenpfleger auf einer Algerien-Reise gekommen. Seine allererste Fernreise mit einem Peugeot-Cabrio und einem Zelt auf dem Heckgepäckträger war zu diesem Zeitpunkt bereits fünf Jahre her. Rund 300 Reisen hat das Paar seither unternommen, vielleicht auch mehr – wer zählt da schon so genau mit. Sechs mal um die Welt sind sie schon gereist, Horst und Renate – mindestens. Immer dabei: ihr Mercedes-Mobil. „Man ist einfach freier. Außerdem fühlen Renate und ich uns in menschenleeren Gebieten am wohlsten“, erklärt Horst Pritz. Etwa in der Mongolei, oder auch in südamerikanischen Gebieten wie Argentinien und Chile. Alle Kontinente haben die beiden im eigenen Fahrzeug bereist.

Bereits im Alter von 17 Jahren lernten sich Horst und seine Renate kennen. Renate lebte in der Passauer Bahnhofstraße, Horst in der Innstädter Löwengrube gegenüber der Bäckerei Ratzinger. Auch die Liebe zum Reisen, zum Abenteuer, die Neugier auf fremde Länder, Menschen und Gebräuche verbindet die beiden.

„Uns ist noch nie etwas Schlimmes passiert“, verrät der Dauer-Reisende – und man kann es kaum glauben! „Man entwickelt ein Gespür für Situationen. Und wir stellen unser Gefährt immer auf öffentlichen Plätzen ab, weil es da jeder sehen kann.“ Trotzdem wurden sie bisher vier Mal Opfer eines Aufbruchs – einmal des nächtens am Hamburger Hafen und zweimal in Passau, wo ihnen einmal am Domplatz und einmal in der Spitalhofstraße das Cabrio-Verdeck aufgeschnitten und einmal im Innstadtbahnhofweg die Scheibe eingeschlagen wurde.

7.000 Euro – so viel kostete 2001 die Überführung des treuen Mercedes nach Afrika bzw. danach nach Australien, wo Horst und Renate Pritz insgesamt eineinhalb Jahre am Stück verbrachten. „Das ist viel Geld. Aber wenn man es runterrechnet auf die eineinhalb Jahre, die wir unterwegs waren und dabei nicht mehr viel Geld brauchten, relativiert sich das wieder.“ 2003/2004 ging‘s für die beiden für ein Jahr nach Südamerika; 2011 dann für ebenfalls ein Jahr nach Asien. Die letzte größere Reise führte Horst und Renate für ein halbes Jahr in die USA und nach Kanada.

„In Asien gibt es eine Fahrzeug-Hierarchie“

In puncto Asien hat Horst Pritz für alle Selbstfahrer einen Tipp parat: „In Asien gibt es so etwas wie eine Fahrzeug-Hierarchie – das größere hat grundsätzlich Vorfahrt. Und eigentlich hatte ich in unserer ganzen Zeit in Asien nur einen Unfall: Ein hiesiger Pkw nahm die Kurve zu eng und streifte unser Gefährt an der Stoßstange. Es war nur etwas Farbe weg, aber der Unfallverursacher fuhr davon.“

Am wohlsten fühlt sich Horst Pritz aber ohnehin in Afrika. Es ist sein „Dahoam“ – mehr als das Haus im niederbayerischen Ortenburg. „Ich sehe das Licht, ich rieche die Luft und habe einfach ein tiefes Gefühl des nach Hause Kommens“, erklärt der Reisende. Was für ihn Afrika ist, ist für seine Frau die Mongolei, „einfach wunderschön“! Dennoch war es der Perito Moreno, eine argentinische Gletscherwelt, die beide bisher am meisten beeindruckt hat: „Surreal, einfach irre!“

Vorurteile kennen Horst und Renate Pritz nicht. „Jede Gesellschaft hat ihre Halunken, aber die Guten sind eindeutig in der Überzahl!“ Und dann berichten sie von einem Erlebnis 1987 in der Türkei: „Wir parkten unser Wohnmobil in der Sonne, direkt vor uns stand ein Lkw im Schatten. Der Fahrer bot uns seinen Schattenplatz an – einfach so, ohne Grund – und parkte seinen Laster in der Sonne“, erinnert sich Renate Pritz und ihre Augen füllen sich dabei mit Tränen der Erinnerung. Überhaupt seien die Menschen in der Türkei – fernab von den Touristengebieten, wo man laut Horst Pritz nur ein Objekt zum Geld verdienen ist – „unwahrscheinlich nett“. Ebenso in Birma, wo Land und Menschen sehr nett und vom Tourismus noch unverfälscht sind.

Überhaupt hätten sie etwa auch in Afrika immer mit offenen Türen geschlafen – in der Nähe eines Dorfes. Und dass, obwohl Horst Pritz dreimal – in Zentralafrika, in Mali, und im Sudan an Malaria erkrankte und seine Frau Renate einmal. Horst Pritz denkt zurück: „In Passau konnte die Malaria Tertiana, bei der man alle zwei Tage einen Malaria-Schub hat, nicht im Blut nachgewiesen werden; mangels Diagnose und Erfahrung bekam ich vom deutschen Arzt auch kein Rezept. Ein afrikanischer Arzt hätte die Krankheit allein durch Blickkontakt erkannt und mir entsprechende Medikamente gegeben.“

Horst und Renate Pritz sind auf der ganzen Welt zu Hause, Heimweh und Vorurteile kennen sie nicht. Nur ein Land gibt es, in das sie eigentlich nicht mehr reisen möchten: die USA. Horst Pritz erklärt den Grund: „Dort leben tolle Menschen, aber das Leben läuft eigentlich wie bei uns – nur mit deutlichen kulturellen Abstrichen.“ Horst Pritz hat eine Theorie, wie es ein Mensch wie Donald Trump bis nach ganz oben schaffen konnte: „Die Menschen im mittleren Westen haben nichts zu verlieren. Und die Demokratie muss sich in manchen Ländern, in anderen Kulturen erst noch entwickeln. Etwa in Staaten wie der Mongolei, wo Wahlwerbung etwa mit einem schwarzen Hummer (US-amerikanischer Geländewagen – Anm. d. Red.) die Macht und Stärke anzeigt.“ Und dann fügt Horst Pritz noch an: „Ich halte Trump für am gefährlichsten, weil er ohne nachzudenken, Fehden in die Welt setzt, was wirklich furchtbar schiefgehen kann – siehe Nordkorea.“

„In die USA will ich eigentlich nicht mehr“

Auch wenn er die Welt sein Zuhause nennt, weiß Horst Pritz letztlich doch, wo es am kuschligsten ist und denkt wider Erwarten nicht daran, einmal auszuwandern: „Ich schätze die Rechtssicherheit in Deutschland und wir haben meiner Meinung nach das beste Gesundheitssystem der Welt.“

Die Welt zu bereisen, alles einmal mit eigenen Augen gesehen zu haben, das ist Horst Pritz‘ Leben. Aber wie finanzieren er und seine Frau das? „Wir leben sehr einfach und auf den Reisen brauchen wir manchmal weniger als zu Hause, da die Lebensmittel in den Ländern oftmals billiger als in Deutschland sind.“ Er hat sein Ziel erreicht, auf das er hingearbeitet hat, seit er 30 ist: das Leben einfach zu leben und die Schönheit der Welt genießen.


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