16.02.2018, 14:35 Uhr

Neuanfang Die wundersame Wandlung eines Spaßmachers


Ein Show-Man der Extra-Klasse: Albert „Ali“ Hopfenauer

WALDKIRCHEN „Welcome to paradise“, steht auf einem Schild an dem Haus, in das ich gleich eintreten werde. Unweit vom Erlauzwieseler See bei Waldkirchen hat sich Albert „Ali“ Hopfenauer nach 30 Jahren Großstadtleben niedergelassen. Im Paradies für Erholungssuchende und Naturfreunde. Entengeschnatter und Vogelgesang begleitet unser Gespräch auf der Terrasse. Zum Himmel blickend, sagt er: „Kein Fluglärm! Das habe ich in München-Trudering nicht einen Tag erlebt.“

Klingt nach einem geruhsamen Lebensabend für einen fast Siebzigjährigen. Weit gefehlt! Der gebürtige Chiemgauer, der einmal der „Cognac-Ali“ genannt wurde, sprüht nur so vor Ideen und Unternehmungslust. Ungesunde Ernährung und Alkoholmissbrauch hat er hinter sich gelassen. Man sieht ihm nicht an, dass erst 2016 sein bisheriges, bewegtes Leben in Trümmern lag: Die Frau, mit der ihn eine lange, glückliche Beziehung verband, starb, das gemeinsame Haus musste verkauft werden, Krankheit und Depression folgten.

Ein Musiker-Kollege schlug ihm in dieser schweren Zeit vor, im Bayerischen Wald einen Neuanfang zu wagen. Ein unbezahlbarer Tipp, er muss vom Himmel gewesen sein. Das Schicksal wendete sich. Zu seinen Gunsten. Hopfenauer fand ein schmuckes Häuschen, neue Freunde und Genesung an Leib und Seele.

Die Musik und das Spaßmachen, der bayerische Ulk, liegen dem Schnurrbart-Träger im Blut. „Seit meinem zehnten Lebensjahr bin ich auf der Bühne“, erzählt er. Ein Show-Man der Extra-Klasse, keine Frage. Sechzig Jahre Bühnen-Erfahrung haben ihn reifen lassen. Wer sich einen kleinen Eindruck von ihm verschaffen möchte, findet auf Youtube u.a. ein „Live Drum Solo“ sowie ein ebenso hörenswertes „Wohnzimmer Solo 0.30h“.

Als Musiker war Hopfenauer Autodidakt. Nach 1965 spielte er alle Elvis-Songs auf dem Akkordeon. Ohne Englisch zu können, ahmte er die Texte einfach phonetisch nach. Bis 1971 arbeitete er noch als Werkzeugmacher, die Wochenenden waren mit Auftritten belegt. 1972, mit den Olympischen Spielen in München, kam der große Durchbruch mit der Ric Gerty‘s Band. Die Musik wurde zum Hauptberuf. „Wir waren die Olympia-Band, in den folgenden Jahren die Band in Deutschland“, erinnert er sich. 27 Jahre war er mit dieser Formation bei Sechstagerennen, in Nachtclubs, auf Tanzbällen unterwegs. Er traf Show-Größen wie Bud Spencer, Lee Marvin, Mick Jagger, Udo Lindenberg und Falco.

Von 1995 bis 2001 tourte er mit den Jetzendorfer Hinterhof-Musikanten durch Deutschland. „Das war eine Bauern-Kapelle“, sagt Hopfenauer, der selber in der Landwirtschaft groß wurde. „Ich hab da nur Quatsch gemacht.“ In dieser Zeit hatte er auch Auftritte in Waldkirchen, seinem heutigen Wohnort. Manchmal treffe er hier noch Leute, die sich daran erinnern.

Ali, der Spaßvogel, das unnachahmliche Show-Talent, war gefragt und beliebt, er fuhr große Autos, wurde beneidet. Und doch schwelgt er nicht in der Vergangenheit. Sein Selbstbewusstsein zieht er nicht aus den Erfolgen im Show-Geschäft. Man sieht einen Mann, der vergnügt in den Tag schaut und jede freundliche Begegnung genießt.

Zur Ruhe setzen mag er sich noch nicht. „Ich bin immer noch mit mehreren Bands im In- und Ausland unterwegs.“ Nebenbei gibt er seine Erfahrung an junge Nachwuchs-Schlagzeuger weiter. Gerade hat er sein neunundsechzigstes Lebensjahr vollendet. Man glaubt es kaum.


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