22.12.2017, 11:06 Uhr

Weihnachten in New York Von Vilshofen nach New York: Ein Niederbayer „beduftet“ die Stars


Karl Bradl betreibt seit 25 Jahren das „Aedes de Venustas“

PASSAU/NEW YORK Ein viertel Jahrhundert ist es her, dass Karl Bradl aus Vilshofen und sein Freund Robert Gerstner den Schritt über den großen Teich nach Übersee gewagt haben (PaWo berichtete). 25 Jahre, in denen sich ihr Schönheitstempel „Aedes de Venustas“ in New York etabliert. Sogar Stars wie Ex-Supermodel Naomi Campbell duften sich hier ein. Bradl und Gerstner sind dennoch die gleichen geblieben. „Auch wenn wir mittlerweile länger in den USA leben, als wir es in Deutschland getan haben, sind unsere bayerischen Wurzeln nach wie vor sehr stark in uns verankert und natürlich vermissen wir die Heimat und kommen auch dementsprechend oft nach Hause“, verrät Karl Bradl.

Bradl selbst lebt in Manhattan mitten im West Village und ganz in der Nähe des „Haus der Schönheit“, so die deutsche Übersetzung des lateinischen Aedes de Venustas. Kompagnon Robert Gerstner wiederum ist im Financial District Nahe der Wall Street daheim. Allerdings hat die Gentrifizierung der Städte auch vor New York nicht haltgemacht. „Der Big Apple hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Mittlerweile haben sich leider alle Stadtbezirke innerhalb Manhattans aber auch in Brooklyn zu Luxusvierteln entwickelt. Damit hat die Stadt ihren ursprünglichen Charakter – den wir damals Gott sei Dank noch miterlebten – verloren“, bedauert Karl Bradl.

Statt charmanter Tante Emma Läden und kleiner Shops mit exotischem Flair findet man heute eben an jeder Ecke Handelsketten wie etwa H&M, Zara, CVS, Citibank , 7/11 – und darüber Luxusappartements. „Damit ist die Stadt weniger abenteuerlich geworden und hat etwas von ihrem Reiz verloren. Die Künstlerszene hat es nach Bushwick verschlagen. Das ist ein industrieller Stadtteil in Brooklyn und noch ein bisschen verwegen so wie es damals noch in downtown Manhattan war. Aber auch da fühlt man leider schon die ersten nicht mehr ganz kleinen Anzeichen, dass es bald gentrifiziert wird.“

In Karl Bradl und Robert Gerstners Lager und Wirkungsstätte in Bushwick wird „Nomenclature“ abgefüllt, das die anspruchsvolle Nase mit verschiedenen Duftnuancen verwöhnt. Etwa Nomenclature „Adrett“, das „eine sanft einhüllende, lang anhaltende Aura; ein jenseitiges Gefühl von Stille und Schwerelosigkeit verströmt. Ein rosa Pfefferkomet bringt seine Fruchtigkeit hervor. Die kühle, metallische Iris unterstreicht ihre Affinität zu Ambrette (die eine Irisfacette hat). Ein Nebel aus Vanille, Tonkabohne und Ambra unterstreicht seine Sinnlichkeit. Adrett bedeutet im Deutschen „ordentlich“ oder „adrett“: In diesem sparsam geschnittenen Duft ist jedes Element essenziell – wie im Weltall“ – soweit die Beschreibung des amerikanisch-bayerischen Dufts.

Bradls Oma hat dieses Wort „adrett“ – ein deutsches Wort – oft benutzt. Wohl ein gutes Omen, denn „adrett“ ist der begehrteste Duft im wohlriechenden „Aedes de Venustas“-Duftkosmos; riecht „clean“, wie ein frisch gebügeltes Hemd oder frisch gewaschene Wäsche.“ Wohl irgendwie nostalgisch.

Bradls Schulfreundin Jutta Breu besuchte Karl Bradl auch schon in New York und war so begeistert von dieser Linie, dass sie diese in Deutschland und dem Rest Europas vertreiben wollte. „Somit habe ich mit ihrer Hilfe meine Geschäfte von New York nach Passau gebracht. Ganz besonders toll finde ich, dass „Nomenclature“ auch in meiner niederbayerischen Heimat vertreten ist.“

Auch am New Yorker Duft-Laden der beiden Bayern ist die Gentrifizierung nicht spurlos vorüber gegangen. Und somit musste „Aedes de Venustas“ 2015 umziehen. „Kommerzielle Mieten können in den USA so einfach mal verdoppelt oder auch verdreifacht werden, wenn der Mietvertrag ausgelaufen ist. Das war bei uns der Fall. Die Miete des alten Ladens wurde so teuer, dass wir zum gleichen Preis einen sehr großen Laden zwei Hausnummern weiter angenommen haben. Der neue Vermieter ist ein Bekannter bzw. Kunde und war schon immer von unserem Laden angetan. Somit haben wir uns – ungewollt – dementsprechend vergrößert. Und weil es keinen Nachteil ohne Vorteil gibt, haben wir jetzt einen Eckladen mit drei großen Schaufenstern. Zwar bedeutet das mehr Arbeit, war aber dennoch ein guter Schritt, dass der Laden jetzt eine viel prominentere Lage hat.“

Acht Düfte werden weltweit vertrieben

Und weil Karl Bradls Kreativität scheinbar grenzenlos ist, betreibt er einige Male im Jahr auch noch Eventdesign. Durch die Blumenarrangements, die er seit 22 Jahren selbst macht, hat Karl Bradl eine echte Passion für Blumen angeeignet. Und weil in der „Stadt, die niemals schläft“ wohl auch nichts unmöglich ist, wurde Karl Bradls blumiges Talent sogar für das Weihnachtsdinner der Britischen Royals, Prinz William und Kate, in Anspruch genommen. Auch regelmäßige Dinner-Events für das französische Label Christian Dior gehen auf Bradls Blumenschmuck-Konto. Der englische Schauspieler Richard E. Grant (u. a. Game of Thrones, Wolverine, Bram Stokers Dracula), der ein eigenes Parfumlabel hat, nimmt Karl Bradls Künste gerne in Anspruch. Ebenso wie der amerikanische Komiker Steve Martin (u. a. Vater der Braut, Ein Ticket für zwei) und Stings Ehefrau Trudie Styler.

Promi-Kunden: Steve Martin & Stings Ehefrau

25 Jahre ist es nun her, dass Karl Bradl in Deutschland Weihnachten gefeiert hat. Und statt wie in der alten Heimat selbst zu feiern, spielen Bradl und Gerstner in Übersee selbst Santa Claus, der in den USA ja nicht am 24. kommt, sondern am 25. Dezember durch den Kamin rutscht. „Die letzten zwei Wochen vor Weihnachten geht es im Laden aber auch im Versandbereich non-stop mit Verpackung und Logistik ab, denn wir versenden Hunderte von Geschenkverpackungen mit frischen, kunstvoll drapierten Blumen.“

So fängt in der Vorweihnachtszeit Karl Bradls Arbeitstag schon um vier Uhr früh am Blumenmarkt an und endet meist erst spät in der Nacht – und das bis zum 23. Dezember. Aber auch am (amerikanischen Vor-) Weihnachtstag, dem 24. Dezember, ist „Aedes de Venustas“ bis Spätnachmittag geöffnet. Erst wenn alle Arbeit getan ist, wird’s besinnlicher und Karl Bradl und Robert Gerstner zaubern zusammen mit Freunden „Boarisches“ auf den amerikanischen Esstisch. „Unsere Tradition ist, dass wir am Heiligabend immer bayerisch kochen: Kartoffelknödel, Rosenkohl, Schweinebraten und dazu gibt’s Weißbier. Am ersten – und in den USA einzigen – Weihnachtsfeiertag, dem 25. Dezember, wird dann erst einmal ausgeschlafen, denn am 26. Dezember geht’s gleich wieder weiter. Zwischen Weihnachten und Neujahr ist nämlich immer sehr viel los mit Geschenkumtausch aber auch viel Shopping.“

Für Karl Bradl steht deshalb fest: Die Weihnachtssaison in Deutschland ist gemütlicher und die deutsche Vorweihnachtszeit ist mit der Tradition von Adventskalendern, Adventskränzen, Weihnachtsmärkten, Glühwein, Nikolaus und Krampus viel festlicher. „Ich finde es sehr schade, dass es das in den Staaten leider nicht gibt.“

Heimatliche Nostalgie hin oder her: Karl Bradl ist angekommen in New York. „When you can make it here, you can make it everywhere“ – wenn du es hier schaffst, schaffst du es überall – sang schon Frank Sinatra. Karl Bradl hat‘s geschafft – er hat ihn gerockt, den Big Apple. Aber innendrin ist er irgendwie nach wie vor ein Niederbayer, der immer noch einen „adretten“ Fuß in der Tür zur bayerischen Heimat hat.


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