26.11.2020, 13:45 Uhr

„Keiner sitzt im leeren Wohnzimmer“ Solange der FC Bayern Meister ist, bleibt der Christbaum-Preis stabil

Ein guter Jahrgang: Thomas Emslander (re.) und sein Sohn Thomas jun. haben keine leichte Saison hinter sich, hoffen aber auf einen umsatzstarken Endspurt.  Foto: GrießerEin guter Jahrgang: Thomas Emslander (re.) und sein Sohn Thomas jun. haben keine leichte Saison hinter sich, hoffen aber auf einen umsatzstarken Endspurt. Foto: Grießer

Das Wochenblatt war zu Besuch in der „Machtzentrale des Weihnachtsbaums“ in Unterglaim (Landkreis Landshut).

Ergolding. Mitten im kleinen Unterglaim (Gemeinde Ergolding) ist die Machtzentrale des Weihnachtsbaumes! Schließlich lebt und arbeitet hier Thomas Emslander sen., seines Zeichens Vorsitzender des Vereins Bayerischer Christbaumanbauer. „Es ist ein gutes Jahr für Christbäume“, sagt Emslander wohlwollend nickend. Das Wetter sei besser gewesen als 2019, doch „die Nordmanntanne kommt ohnehin gut mit unserem Klima zurecht.“

Ganz ohne Corona-Auswirkungen ist die „Christbaum-Branche“ aber auch nicht davongekommen. Thomas Emslander jun.: „Als im Frühjahr der Lockdown kam, hat sich kein Saisonarbeiter ins Land getraut.“ Immerhin seien vier junge Frauen aushilfsweise eingesprungen. „Die vier Männer, die zur Probe gearbeitet haben, haben wir nie wieder gesehen“, schmunzelt Emslander jun.

Freilich sei so einiges an Arbeiten wie Pflege oder Durchforstungen hinten dran geblieben („Das müssen wir nächstes Jahr nachholen“), den Formschnitt habe man jedoch geschafft. Seit Anfang Oktober sei „die volle Mannschaft“ hier in Unterglaim: 16 Saisonkräfte, die ordentlich anpacken.

Um die Arbeiter corona-entsprechend unterzubringen, mussten die Emslanders tief ins Portemonnaie greifen: Neben den sechs eigenen Wohnungen am Hof hat man zehn nagelneue Bauleiter-Container angemietet. Thomas Emslander sen.: „So hat jeder Arbeiter seine eigene Wohnung und wir können die Hygieneregeln bestmöglich einhalten.“ Aber: „Das Ganze kostet uns natürlich einen schweren fünfstelligen Betrag. Es hilft aber nix: Wir brauchen jede helfende Hand.“

Schließlich geht‘s auf dem Hof in Unterglaim seit Wochen richtig rund. Zuerst wurde jede Menge Schnittgrün vorbereitet, „denn der Bedarf an Zweigen ist sehr groß“, sagt Emslander jun. Seit ein paar Tagen werden nun die Christbäume für die Händler geschnitten, „wobei wir gerade bei den Mittelständlern, die Gärtnereien und Private beliefern, gemerkt haben, dass etwas gebremst und vorsichtig bestellt wird.“ Daher erwarten die Emslanders eine Vielzahl an Nachbestellungen. Und zusätzlichen Stress in der Hoch-Saison.

Thomas Emslander sen.: „Aufgrund der Corona-Situation werden heuer viele daheim Weihnachten feiern – und ins leere Wohnzimmer setzen sich dann nur die Wenigsten. Wir gehen davon aus, dass in diesem Jahr ein bisschen mehr Naturbäume gekauft werden als sonst.“

Beim Preis für einen Christbaum können sich die Kunden übrigens seit längerem auf den FC Bayern verlassen. Wie bitte? Thomas Emslander sen. schmunzelt: „Solange der FC Bayern München Meister wird, bleibt der Preis stabil. Das heißt: Kurioserweise liegt der Meterpreis im Freistaat seit acht Jahren zwischen 18 und 24 Euro. Auch heuer werden die Preise nicht erhöht.“

Darüber hinaus bleibt die Situation aufgrund der Corona-Beschränkungen schwierig: „Wir haben über den Bundesverband ein Hygienekonzept erarbeitet, das alle Eventualitäten beinhaltet“, so der Vorsitzende der Christbaumanbauer. Einen Drive-in-Verkauf werde man nicht anbieten, einen Lieferservice nach Hause gibt‘s bei den Emslanders schon seit Jahren. „Ob wir beim Christbaumverkauf Glühwein und Würstl anbieten dürfen, ist schwierig zu sagen. Wir hoffen, alles so normal wie möglich über die Bühne bringen zu können.“


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