12.11.2020, 14:50 Uhr

Lumpi hat fünf Leben verbraucht Der Kater aus der Motorhaube


Dass Lumpi heute so fit und fidel umherspringt und -läuft, ist ein Wunder. Vor eineinhalb Jahren musste der Kater Höllenqualen durchleben, als er auf die wahnwitzige Idee gekommen war, sich im Motorraum eines Autos zu verstecken. Mit fatalen Folgen!

Landshut. Weite Teile des Rückens, Oberschenkels und Schwanzes waren teils bis zum Knochen geschädigt. Der Vierbeiner musste einen regelrechten Marathon an Operationen, Behandlungen und Therapien über sich ergehen lassen, um die schweren Verbrennungen und Verletzungen abheilen zu können.

„Wir hatten am Anfang wenig Hoffnung“, gibt Dr. Birgit Stadler zu. Die Landshuter Tierärztin hatte Lumpi nach seiner kilometerlangen „Höllenfahrt“ unter der Motorhaube zur Behandlung bekommen. „Der Kater hatte schwerste Verletzungen am gesamten Körper“, so die Tierärztin zum Wochenblatt. In den kommenden Tagen und Wochen kämpfte das Praxisteam um das Leben von „Lumpi“. Dr. Stadler: „Das Ausmaß der Verbrennungen zeigte sich erst im Verlauf der Wochen. Unsere Praxis hat tagelang verraucht und verkohlt gestunken.“

Neben der zeitaufwendigen Intensivbetreuung setzten die Finderin und das Praxisteam alle Hebel in Bewegung, um den Besitzer zu finden. „Da der Kater kastriert war, leider ohne Chip oder Tätowierung, aber wohlgenährt und gepflegt aussah, gingen wir davon aus, dass er entlaufen sein musste.“ Allerdings blieb die Suche nach dem Besitzer ohne Erfolg. Dr. Stadler: „Irgendwann gaben wir die Suche auf, aber nicht den Kampf um Lumpi, wie wir ihn mittlerweile genannt hatten.“ Obwohl er schwerste Verletzungen hatte, „hat der kleine Kerl ungemein gekämpft und wollte leben!“

Derweil musste Dr. Birgit Stadler das ganze Register ihres tiermedizinischen Wissens ziehen, um die Verbrennungen dritten Grades heilen zu können. Zudem sei die Tierärztin in fachlichem Austausch mit spezialisierten Kollegen gewesen. „Wir verwendeten Spezialsalben und Spezialwundauflagen, die dementsprechend teuer waren. Mehrfach mussten die Wunden unter Narkose versorgt werden.“ Zudem sei eine Vakuumtherapie in einer Tierklinik erfolgt, um die geschädigte Haut zur Heilung zu bringen.

Nach und nach – ganz langsam – heilten die Wunden ab, die weit in die Tiefe fast den gesamten Rumpf, Teile des Schwanzes und den linken Oberschenkel umfassten. „Geblieben sind Narben, die Lumpis freundliche und menschenbezogene Persönlichkeit aber keineswegs beeinträchtigen.“

Ein ganzes Jahr blieb Lumpi bei Birgit Stadler zur stationären Behandlung: „Es erforderte mehrere Operationen, unter anderem eine spezielle Vakuumtherapie in einer Tierklinik, viele Spezialverbände und -medikamente, um die schweren Schädigungen der Haut und Muskulatur zur Abheilung zu bringen. Aber es hat sich gelohnt!“ Lumpi, dessen eigentlicher Besitzer nie gefunden wurde, wurde im Juni als geheilt aus der Praxis entlassen. Dr. Stadler: „Jetzt hat er ein wunderschönes neues Zuhause bekommen. Dort ist die rothaarige Schönheit der König der Familie und genießt sein Leben in vollen Zügen.“ Von den Narben ist fast nichts mehr sichtbar. „Allerdings hat er von den sieben Leben, die man einer Katze nachsagt, mindestens fünf ,verbraten‘.“

Die Tierhilfe e.V. Landshut hat einen Großteil der Kosten übernommen. Aufgrund von Corona ist die Spendenbereitschaft gering. Deshalb würde sich die Tierhilfe e.V. Landshut, die auch vielen anderen armen Tieren hilft, über Spenden freuen – unter: Sparkasse Landshut, IBAN DE29 7435 0000 0001 708740, BIC BYLADEM1LAH.


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