11.11.2020, 06:45 Uhr

Blutige Hundeattacke im Lkr. Landshut „Muss denn erst einem Kind die Kehle durchgebissen werden?“


Melanie (12) wurde bei Rottweiler-Attacke im Landkreis Landshut schwer verletzt. Ihre Mutter Marion Feldmaier fordert Konsequenzen: „Es ist Gefahr im Verzug. Wir haben Angst!“

Weng. Die Schmerzen in ihrem geschienten Arm erinnern Melanie (12) jeden Tag an die schlimmsten Augenblicke ihres Lebens. Vor gut einem Monat wird die Schülerin unweit ihres Elternhauses in der Gemeinde Weng (Lkr. Landshut) von einem Hund angefallen und schwer verletzt. Nach der blutigen Attacke auf offener Straße fordert ihre Mutter Marion Feldmaier Konsequenzen. Die 45-Jährige schlägt Alarm: „Wir haben Angst!“

Rückblick: Es ist der 8. Oktober. Melanie ist auf dem Weg zur Schule, als das Unheil seinen Lauf nimmt. Um kurz nach 7 Uhr kommt dem Mädchen auf der anderen Straßenseite ein Nachbar mit seinem Rottweiler entgegen. Plötzlich geht der mächtige Hund, der nicht angeleint gewesen sein soll, auf das Mädchen los. „Ich bin wahnsinnig erschrocken“, erinnert sich Melanie. Sie versucht voller Angst, das aggressive Tier auf Distanz zu halten. Vergeblich. Der Hund verbeißt sich in ihrem Arm. Erst nach qualvollen Augenblicken schafft es der Halter, dass der Vierbeiner von der Zwölfjährigen ablässt. Melanie erleidet klaffende Fleischwunden am Arm. Ein Notarzt übernimmt die Erstversorgung. Später, im Landshuter Kinderkrankenhaus, wird Melanie unter Vollnarkose notoperiert. Muskeln und Sehnen sind verletzt. Eine Woche muss sie stationär behandelt werden.

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Nach dem schockierenden Vorfall setzen Melanies Mutter und ihr Lebensgefährte (44) alle Hebel in Bewegung. Sie erstatten Anzeige bei der Polizei, melden den Vorfall bei der Gemeinde, schalten einen Anwalt ein. Der Angriff auf ihre Tochter, davon sind sie überzeugt, war kein Einzelfall. Ein Zeitungsausträger sowie ein anderer Hund sollen in den letzten Jahren vom selben Rottweiler verletzt worden sein.

Bis heute kann bei den Feldmaiers von Normalität keine Rede sein. Melanie muss regelmäßig zum Arzt, um den Verband wechseln und den Heilungsverlauf kontrollieren zu lassen. „Ich habe noch immer Schmerzen“, erzählt die Schülerin. Sie muss Medikamente nehmen. Den geschienten Arm kann sie kaum benutzen.

Die Wunden, sie sind nicht nur äußerlich. Die Seele hat gelitten. „Meine Tochter braucht psychologische Unterstützung“, sagt ihre Mutter. Seit den traumatischen Ereignissen kann die Zwölfjährige kaum schlafen, leidet an Panikattacken. Sie muss mit dem Auto zur Schule gebracht werden. Zu groß ist Melanies Furcht, dem Rottweiler aus der Nachbarschaft erneut über den Weg zu laufen.

Marion Feldmaier, ihre vier Kinder und ihr Lebensgefährte haben Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Sie gehen nur noch mit Tierabwehrspray aus dem Haus. Sie wollen sich und ihre eigenen Hunde, drei Labradore, schützen.

Zwar habe sich der Besitzer des Rottweilers persönlich entschuldigt, auch habe er zuletzt seinen Hund beim Gassi gehen an die Leine genommen. Doch Marion Feldmaier ist das nicht genug. Sie fürchtet weitere Beißattacken. In dem Wohngebiet leben viele Familien, ein Kinderspielplatz ist nur wenige Meter von jenem Ort entfernt, wo Melanie so schwer verletzt wurde. „Der Herr ist ungeeignet, einen Hund zu halten“, sagt die 45-Jährige. Die Gemeinde, so ihre Forderung, müsse ihm den Problemhund entziehen. „Wochenlang hat in der Gemeinde niemand reagiert“, sagt sie wütend.

Nach den vergeblichen Anläufen haben sie und ihr Lebensgefährte vor wenigen Tagen das Verwaltungsgericht in Regensburg eingeschaltet. „Es ist Gefahr im Verzug“, warnt Marion Feldmaier eindringlich. „Muss denn erst einem Kind die Kehle durchgebissen werden, bevor etwas passiert?“

Stellungnahme von der Gemeinde Weng: Anlein- und Maulkorbpflicht soll jetzt angeordnet werden

Wie geht es weiter nach der blutigen Hundeattacke in der Gemeinde Weng? Das Wochenblatt hat bei Robert Kiermeier nachgefragt. „Es war ein tragischer Unfall“, bedauert Wengs Bürgermeister. Der Hundehalter habe den Vorfall gegenüber der Gemeinde auch eingeräumt. Kiermeier kündigt an, dass dem Tierbesitzer nun Auflagen, konkret Anleingebot und Maulkorbpflicht, gemacht werden sollen. „Innerhalb der nächsten Woche“, so der Bürgermeister weiter, werde der entsprechende Bescheid auf den Weg gebracht. Weitere Maßnahmen, etwa die Haltung des Rottweilers zu untersagen, seien allerdings „nicht geplant“.

Ist der Rottweiler in der Vergangenheit wegen Beißattacken bereits negativ aufgefallen? Ein Angriff auf einen anderen Hund sei aktenkundig, so Kiermeier zum Wochenblatt. Dass ein Zeitungsausträger von dem Rottweiler verletzt worden sein soll, sei ihm dagegen nicht bekannt.


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