01.10.2020, 09:49 Uhr

Christine gegen Goliath Ein Streit mit Volkswagen ist aussichtslos

Kunst oder müssen die Dinger weg? Mit diesen T-Shirts hat sich Christine von Radetzky den Ärger von Volkswagen zugezogen.  Foto: privatKunst oder müssen die Dinger weg? Mit diesen T-Shirts hat sich Christine von Radetzky den Ärger von Volkswagen zugezogen. Foto: privat

Da hat sie sich aber mit den ganz Großen angelegt. Christine von Radetzky kreiert Shirts, die wahre Kunstwerke sind. Jetzt hat die Ergoldingerin aber massiven Ärger mit einem Weltkonzern bekommen.

Ergolding. „Volkswagen hat verlangt, dass ich meine komplette VW-Kollektion einstelle, weil ich scheinbar den Motiven eines Lizenznehmers von VW zu nahe gekommen bin.“ Warum ihr der Autokonzern das Zeichnen verbieten will, dafür hat für die Künstlerin eine Vermutung: „Da möchte wahrscheinlich ein Unternehmen nicht, dass jemand schönere, kreativere und künstlerisch wertvollere Motive in seinem Shop verkauft.“

Christine von Radetzky hat das Logo des Unternehmens und Bilder von VW-Modellen verfremdet und künstlerisch auf T-Shirts verewigt – und diese in ihrem Online-Shop „Petrolheads-Store“ verkauft. „Die Shirts sind richtig gut angekommen. Meine Bestseller wurden täglich aufgerufen.“

Die Shirts aus Ergolding waren jedoch den Markenschützern des Autokonzerns ein Dorne im Auge: Mitte Juli flatterte der Künstlerin ein Anwaltsschreiben der Volkswagen AG ins Haus – inklusive einer Unterlassungserklärung mit einem Streitwert von satten 250.000 Euro.

„Ich bin selbst riesiger VW-Fan und lange in der Szene dabei – und fahre aus Überzeugung selbst einen Volkswagen.“ Es blute ihr nun natürlich das Herz, keine VW-Shirts mehr entwerfen zu dürfen. Zumal sie sich in ihrer künstlerischen Freiheit eingeschränkt sieht. Grundsätzlich, so von Radetzky zum Wochenblatt, „hätte ich große Lust gehabt, verklagt zu werden.“

„Es hätte sich natürlich streiten lassen“, sagt Maria Kämpfe-Kraus. Die Landshuter Rechtsanwältin fügt aber sogleich an: „Das wäre aber ein Kampf David gegen Goliath geworden.“ Letztlich ist ein Rechtsstreit vor allem eine Frage des Geldbeutels. Wenn man nicht über eine gut gefüllte Streitkasse verfügt, ist ein Rechtsstreit gegen einen Weltkonzern wie VW aufgrund der Kostenfrage nur schwer zu führen. Maria Kämpfe-Kraus weiter: „Aus diesem Grund haben wir uns mit VW geeinigt – und die Sache ist damit erledigt. Frau von Radetzky hat sich verpflichtet, die T-Shirts nicht mehr zu verkaufen sowie das Logo und die bildliche Darstellung nicht mehr zu verwenden.“

Bislang sei sie, so die Ergoldinger Künstlerin, mit Kosten von rund 1.200 Euro plus eigene Anwaltskosten herausgekommen. Aber: Im Lager liegen noch rund 500 Stück der VW-Shirts im Gesamtwert von rund 20.000 Euro, die sie nun nicht mehr verkaufen darf.

Christine von Radetzky: „Ich werde jetzt eben andere Kunst-Shirts machen. Das ist meine große Leidenschaft, und das lasse ich mir nicht verbieten.“ Welche Motive genau, da sei sie noch am Grübeln. „Auf alle Fälle keine 08/15-Shirts. Das werde ich nie machen.“

Darüber hinaus hat sie „Kunst, kein Klau“ ins Leben gerufen: eine Initiative zur Erhaltung von handgemachter Kunst, zu der sie weitere Künstler mit ins Boot holen möchte.


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