23.09.2020, 15:39 Uhr

Labor-Brief mit XXL-Verspätung Ingrid (79) musste zwei Wochen auf ihr Testergebnis warten


Eine Rentnerin aus Landshut kann mit ihrem alten Handy keinen QR-Codeabfragen – und kam so auch nicht binnen 48 Stunden an ihr Coronatest-Ergebnis. Der Brief aus dem Labor ließ zudem massiv auf sich warten und hatte fast zwei Wochen Verspätung.

Landshut. Der regelmäßige Sport ist ihr äußerst wichtig. Darum nimmt Ingrid Gretzinger seit sechs Jahren sehr pflichtbewusst ihre Reha-Sportstunden wahr – und „weil ich es meinem vor fünfeinhalb Jahren verstorbenen Sohn versprochen habe“. Doch jetzt musste die 79-Jährige eine unfreiwillige Pause einlegen: Die Landshuterin wartete fast zwei Wochen auf das Ergebnis ihres Corona-Tests!

Ingrid Gretzinger zum Wochenblatt: „Ich habe am 4. September im Messepark freiwillig einen Corona-Test machen lassen, weil mein Mann pflegebedürftig ist. Ich wollte einfach auf Nummer sicher gehen.“ Allerdings hat die Rentnerin ein Problem: Sie hat ein älteres Handy und kann keinen QR-Codescanner installieren, mit dem man die Testergebnisse abfragen könnte.

„Ich war zweimal vor Ort an der Teststation und habe um ein schriftliches Ergebnis gebeten. Leider ging das nicht“, zuckt die Rentnerin mit den Schultern. Schließlich kommen die Ergebnisse vom Labor. Das Dilemma für die 79-Jährige: „Ich konnte meinen Reha-Sport nicht betreiben. Nach einem Corona-Test hätte ich erst ein negatives Ergebnis vorweisen müssen. Was ich nicht konnte. Also musste ich wieder nach Hause gehen.“

Dabei hatte die Landshuterin nichts unversucht gelassen, um irgendwie an ihr Ergebnis zu kommen. „Mein Neffe konnte mit seinem Smartphone das zum Glück negative Ergebnis abrufen. Ich hatte aber weiterhin nichts Schriftliches in der Hand“, so Ingrid Gretzinger zum Wochenblatt. Anrufe im Rathaus und Landratsamt seien genauso erfolglos gewesen wie ein Besuch im Gesundheitsamt. „Ich wusste, dass ich corona-negativ bin, konnte es aber nicht beweisen.“

Nach fast zwei Wochen wurde Ingrid Gretzinger dann erlöst: Am Mittwoch vergangener Woche lag der schriftliche Bescheid des Labors in ihrem Briefkasten – mit dem negativen Befund. „Endlich. Ich frage mich aber nach so langer Wartezeit schon: Was bringt es mir jetzt, dass ich weiß: Ich war vor fast zwei Wochen negativ“, schüttelt die 79-Jährige etwas ratlos den Kopf. Immerhin kann sie jetzt bei ihrem Reha-Kurs ihren Labor-Befund vorlegen und wieder mitmachen.

„FÜR DIE ÜBERMITTLUNG IST DAS LABOR ZUSTÄNDIG“

Auf Wochenblatt-Anfrage nahm Projektkoordinator Thomas Schindler Stellung: „Die getesteten Personen können ihr Testergebnis innerhalb von 48 Stunden durch einen Barcode digital abrufen. Diese Übermittlung klappt nach unseren Erkenntnissen auch zuverlässig.

Positiv getestete Personen werden binnen 24 Stunden ohnehin vom Gesundheitsamt telefonisch benachrichtigt. Sobald die Personen positiv getestet wurden, werden sie vom Gesundheitsamt informiert, für die nächsten Tests vorgeladen und auch selbst im Gesundheitsamt getestet.“ Jeder Getestete bekomme seinen Befund zudem schriftlich. Dies sei seitens der Stadt als zusätzliche Leistung mit dem Labor vereinbart worden, um auch Bürger ohne Zugang zu digitalen Medien (QR-Code) sicher und zeitnah über das Testergebnis zu informieren. Schindler: „Für die postalische Übermittlung ist in diesem Fall jedoch das Labor zuständig.“ Der Befund werde unmittelbar durch das Labor per Post versendet. Die Dauer inklusive Zustellung betrage grundsätzlich etwa fünf Werktage nach dem Test.

Angesichts des hohen Testvolumens, das die Labore bundesweit derzeit aufgrund der Corona-Pandemie zu bewältigen haben, sei es bei der schriftlichen Erstellung der Befunde und der postalischen Zustellung in seltenen Einzelfällen aufgrund eines mittlerweile behobenen technischen Fehlers zu Verzögerungen gekommen. „Wartezeiten über eine Woche sind jedoch die absolute Ausnahme“, so Schindler. „Ungeachtet dessen bedauern wir diesen Einzelfall sehr und haben bereits mit dem Labor Kontakt aufgenommen und auf einen zügigeren Versand gedrängt – dies wurde uns auch zugesagt.“

Wichtig war es ihm zu betonen, dass zu keiner Zeit positive Befunde verspätet vom Labor an das Gesundheitsamt weitergemeldet worden seien. Diese Infizierten wurden vom Gesundheitsamt selbst informiert. „Von den Verzögerungen waren ausschließlich negativ Getestete betroffen“.


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