11.09.2020, 14:55 Uhr

„Wir sind gemeinsam wachsam“ Die große Angst vor der Afrikanischen Schweinepest

Die Bergung von möglichen Tierkadavern wurde geübt.  Foto: Landkreis LandshutDie Bergung von möglichen Tierkadavern wurde geübt. Foto: Landkreis Landshut

Der erste in Deutschland festgestellte Fall der Afrikanischen Schweinepest hat auch im Veterinäramt Landshut für Ernüchterung gesorgt – war das Virus zwar in anderen Teilen Europas bereits aufgetaucht oder verbreitet, hatten die bisherigen örtlichen Maßnahmen doch gute Wirkung gezeigt.

Landkreis Landshut. Mit dem in Brandenburg tot aufgefundenen Wildschwein, das positiv auf dieses hochaggressive Virus getestet wurde, ist die Gefahr noch einmal deutlich näher gerückt.

Für den Menschen ist die Krankheit völlig ungefährlich, er kann sich damit nicht anstecken. Doch vor allem für Haus-, Mast- und Zuchtschweine endet die Infektion mit der Afrikanischen Schweinepest meist tödlich. Bei einer Infektion in einem Hausschweinbestand wären Maßnahmen der Tierseuchenbekämpfung anzuwenden, was auch die massenhafte Keulung der Tiere im infizierten Bestand bedeutet. Wirtschaftlich wäre mit umfassenden und großräumigen Handelsbeschränkungen bei lebenden Tieren, aber auch bei deren Fleisch und verarbeiteten Produkten zu rechnen, selbst wenn ausschließlich bei Wildschweinen in der Region die Krankheit festgestellt werden würde.

Der Landkreis Landshut hat sich deshalb frühzeitig auf den „Tag X“ vorbereitet – denn die Ansteckungswege sind vielfältig – achtlos weggeworfene Speisereste, die Erreger enthalten, vielfältige und Lieferketten bei den Tier- und Produkterzeugern: All diese Punkte können eine Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest auslösen und vorantreiben. Denn im Landkreis Landshut spielen mehrere Faktoren zusammen, die vor allem im Hinblick auf die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest problematisch sein können: Eine hohe Dichte an Schweinehaltenden Betrieben im nördlichen Landkreis mit einer gleichzeitig hohen Schwarzwildpopulation nördlich der Isar, obgleich auch im südlichen Landkreis die Zahl der Wildschweine in der Vergangenheit angestiegen ist.

So hat das Veterinäramt Landshut bereits frühzeitig in großen Übungsszenarien geprobt, was im Ausbruchsfall zu veranlassen ist und die verschiedenen Akteure behörden- und branchenübergreifend an einen Tisch gebracht. Für die Jäger stehen Entsorgungstonnen für Wildschweinabfälle in den Kreisbauhöfen in Vilsbiburg und Rottenburg bereit, die noch durch mobile Desinfektionsanlagen noch besser gereinigt werden können und im Seuchenfall ebenfalls zum Einsatz kommen würden. Aber auch die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für dieses wichtige Thema hat sich das Veterinäramt gemeinsam mit weiteren beteiligten Stellen im Landratsamt oder behördenübergreifend auf die Fahnen geschrieben: Es wurden Kampagnen unterstützt, um die Ansteckungsgefahr durch sorgsames Verhalten mit Speiseresten zu reduzieren, den Tierhaltern wurden aktuelle Checklisten zur Schweinehaltungshygiene zur Verfügung gestellt und an den Rastplätzen der Kreisstraßen sind Abfalltonnen mit mehrsprachigen Warnschildern aufgestellt.

Landrat Peter Dreier sprach den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Veterinäramtes für dieses vorausschauende Handeln großes Lob aus. „Welch immenser, existenzbedrohender Schaden für schweinehaltende Betriebe im Landkreis entstehen würde, ist kaum auszumachen. Es wäre eine Katastrophe für unsere ländlich geprägte Region“, schildert Landrat Peter Dreier. Deshalb bittet er Jäger, Landwirte und Bürger, als Solidargemeinschaft weiter alles entgegenzusetzen, einen Beitrag zur Vorsorge zu leisten und den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Niederbayern unbedingt zu verhindern. Bespiele wie Tschechien und Belgien, die nach einzelnen ASP-Ausbrüchen eine flächendeckende Verbreitung verhindern konnten, machen zwar Hoffnung – dennoch gilt für den Landrat und das Veterinäramt Landshut: „Wir sind gemeinsam wachsam.“


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