09.09.2020, 06:24 Uhr

Feuerwehrmann im Einsatz angefahren „Es gibt welche, die das Ehrenamt mit Füßen treten“


Eklat an Unfallstelle im Landkreis Landshut: Feuerwehrmann im Einsatz angefahren – jetzt schlägt Kommandant Michael Bruckmoser von der Freiwilligen Feuerwehr Ergolding Alarm!

Ergolding. Sie helfen, kümmern sich um Menschen in Not, tun Dienst für die Allgemeinheit. Trotzdem werden Rettungskräfte immer öfter zur Zielscheibe. Sie werden angepöbelt, von Gaffern behindert, ja sogar körperlich attackiert. Diesen bedenklichen Trend hat ein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Ergolding in der letzten Woche schmerzhaft am eigenen Leib erfahren müssen.

Es ist ein schrecklicher Unfall, zu dem die Rettungskräfte am Freitagvormittag gerufen werden. Im Gemeindebereich Ergolding (Landkreis Landshut) ist ein Autofahrer (49) frontal mit einem Biker (55) kollidiert. Neben Polizei und Rettungsdienst sind auch mehrere Fahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr Ergolding vor Ort.

Die Kameraden helfen bei der Versorgung der Verunglückten und sollen in Absprache mit der Polizei die Unglücksstelle an der Staatsstraße 2143 absichern, für die Bergungs- und Aufräumarbeiten und damit der hinzugerufene Gutachter den Unfallhergang rekonstruieren kann.

Doch ein Verkehrsteilnehmer hat anderes im Sinn. Im Einsatzbericht der Feuerwehr heißt es: „Während der Absperrmaßnahmen widersetzte sich ein uneinsichtiger Autofahrer den Weisungen eines Feuerwehrmannes und versuchte, in die Einsatzstelle einzufahren.“ Dem Mann sind offenbar alle Mittel recht. Er missachtet die Absperrungen und fährt bei seinem Wildwest-Manöver sogar einem Feuerwehrler mit dem Auto über den Fuß. Das Opfer, ein 34-Jähriger, wird leicht verletzt.

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„Er hat Schmerzen im Fuß, aber er wird keine bleibenden Schäden davontragen“, sagt der 1. Kommandant Michael Bruckmoser zum Wochenblatt. Die durch den Markt Ergolding bereitgestellte Schutzausrüstung habe Schlimmeres verhindert, „ohne Sicherheitsschuhe wäre es problematisch geworden.“

Auch wenn es relativ glimpflich abging: Dass ein Kamerad angefahren wurde, wurmt Bruckmoser mächtig. Mehr noch: Der Ergoldinger Feuerwehrchef ist richtig sauer.

Zumal unvernünftige und aggressive Autofahrer keineswegs die Ausnahme sind. „Es ist nicht das erste Mal, dass so etwas passiert“, schimpft Bruckmoser. Verkehrsteilnehmer, die keinerlei Respekt vor Einsatzkräften haben, Anweisungen ignorieren. Oder, wie am Freitag, sogar die Verletzung von Einsatzkräften in Kauf nehmen. Umso schlimmer, wenn es diejenigen trifft, die sich unentgeltlich und zumeist in der Freizeit für das Allgemeinwohl engagieren. Wie zum Beispiel Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr. Bruckmoser: „Es ist eine bedenkliche Entwicklung. Es gibt welche, die das Ehrenamt mit Füßen treten und keineswegs wertschätzen!“

Das Zusammenspiel von Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr an jenem Tag sei vorbildlich gewesen, so Bruckmoser, der sich dafür ausdrücklich bedanken möchte. Doch der Autorambo hat die neue Normalität auf Deutschlands Straßen schonungslos offengelegt. Immerhin konnte die Polizei den Verkehrsrowdy stellen und einer Kontrolle unterziehen. Es handelt sich nach Polizeiangaben um einen Senior, etwa 80 Jahre alt. Seine Begründung soll gelautet haben: „Ich muss da jetzt durch!“ Der Senior wird angezeigt, so ein Polizeisprecher. Im Raum stehen Delikte wie Körperverletzung, gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr sowie das Nichtbefolgen der Weisungen der Feuerwehr.

Der Vorfall zeigt: Die Autorität von Rettungs- und Einsatzkräften ist beschädigt, Eklats wie jetzt in der Gemeinde Ergolding gehören zum Alltag. Deshalb schlägt Kommandant Bruckmoser Alarm. Er fordert angemessene Strafen, um Nachahmer abzuschrecken.

Andernfalls ist der oder die nächste Verletzte aus den Reihen der Rettungskräfte nur eine Frage der Zeit.


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