27.08.2020, 15:49 Uhr

Auszeichnung für Landshuter Vom Vogelflüsterer zum „Engel“


„Liebe, Geduld und unverschämt viel Zeit“ braucht es, um diesen Job erfüllen zu können.

Landshut. Peter Alzinger (79) kümmert sich seit seiner Kindheit um verletzte Raubvögel. Sein riesiges Engagement wurde kürzlich mit dem „Grünen Engel“ geehrt, eine Auszeichnung, die das Umweltministerium seit 2011 für besondere Verdienste im Bereich Naturschutz verleiht. Seit 1991 betriebt der Landshuter ehrenamtlich im eigenen Garten eine Auffangstation für Raubvögel.

Majestätisch sitzen sie und thronen. Ihre Gefieder wirken raubtierhaft, doch weich, ihre Blicke sind hellwach, bannend, ein Stück Freiheit spiegelt sich in ihnen. Die Faszination, die Peter Alzinger für seine gefiederten Schützlinge empfindet, ist nachvollziehbar. Wenn die Tiere nach ihrem großen zweibeinigen Freund rufen, gurren, „lahnen“, so wirkt es, als sei er bereits von ihnen adoptiert. Zutraulich flattert ein junger Turmfalke auf seine Hand, die beiden ‚unterhalten‘ sich.

„Zwei Turmfalken fliegen noch frei“, erzählt Alzinger, „sie kommen regelmäßig wieder.“ Aktuell betreut er aktiv neben dem jüngsten Turmfalken noch zwei Wanderfalken und einen Habicht. Man hätte ihm aber „schon alles an Vögeln gebracht, was man sich vorstellen kann“, Eulen, Raben, einen Eichelhäher… Selbst ein Storch – aus Paris – sei schon darunter gewesen. Und aus Hamburg, erinnert sich Alzinger, habe ihn einmal jemand angerufen, ob er kurz vorbeikommen und einen Greifvogel abholen könne.

Dabei tummeln sich in seinem Garten bereits freilaufende Schildkröten, ein Hund und zutrauliche Spatzen. Warum tun die Raubvögel diesen Tieren nichts? „Sie gewöhnen sich aneinander“, sagt Alzinger und erzählt: „Wir hatten auch mal ein kleines weißes Häschen. Als ein Kater aus der Nachbarschaft in den Garten kam und das Häschen holen wollte, hat der Falke Alarm geschlagen. Er stand dem Häschen bei und hat den Kater vertrieben. Der Kater floh und kam nie wieder und unser Hoppler lebte lang.“ Die beste ‚Alarmanlage‘, das sei aber der Gänserich namens Martin gewesen.

„Ohne meine Frau würde ich das alles nicht schaffen“, sagt Alzinger: „Wenn ich sie nicht hätte, hätte ich nichts.“ Mit „Geduld und Liebe und unverschämt viel Zeit“ päppelt das Ehepaar ein ganzes Leben schon verletzte Raubvögel wieder auf, um sie in die freie Wildbahn zu entlassen.

„Das ist jedes Mal ein erhabenes Gefühl“, so Hildegard Alzinger, „wenn sie davonfliegen und über dir zu kreisen beginnen.“ Manche Vögel, die so verletzt wurden, dass sie alleine nicht mehr überleben können, bleiben aber auch. Ohne Hilfe würden die Tiere verenden.

Seinen ersten Greifvogel, einen Bussard, fand Peter Alzinger bereits im Alter von acht Jahren. Bei seiner Familie habe das zunächst wenig Begeisterung erregt, aber der Bub blieb beharrlich und pflegte den Bussard gesund. Auch, nachdem der Patient entlassen war, kam er zurück, begleitet seinen Lebensretter sogar auf dem Schulweg. Stolze 18 Jahre lang blieben die beiden Gefährten unzertrennlich.

Die Faszination und die Liebe zu den Vögeln sowie „für Tiere aller Art“ haben nie nachgelassen. Daher entschied sich der damalige Postbeamte, auf seinem Grundstück in Landshut ehrenamtlich eine Auffangstation einzurichten. Ein befreundeter Tierarzt unterstützt bei schwierigen Fällen. Über alle Vorgänge führt Alzinger Buch und informiert den Fachbereich Naturschutz der Stadt. Selbst, nachdem er bei einem tragischen Unfall mit einem Uhu sein eines Augenlicht verlor, machte er weiter.

Alzingers herausragende Engagement zeichnete Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber jüngst mit dem „Grünen Engel“ aus, der für besondere Verdienste im Bereich von Umwelt- und Naturschutz steht. Diese Auszeichnung, so Alzinger, habe ihn „überrascht“ – und auch die Ehrung im Landshuter Rathaus, über die er sich gefreut habe. „Solange ich noch fit bin“, sagt der Grüne Engel, „werde ich mich weiter um die Tiere kümmern.“


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