26.08.2020, 15:21 Uhr

Tausende Übungsunterlagen Home-Schooling made in Landshut


Zwei Freundinnen bauen gemeinsam ein Online-Angebot für Schüler und Eltern auf.

Landshut. Eine Lernplattform mit tausenden Übungsmaterialien für alle Schüler und das Ganze bitte kostenlos, frei zugänglich für jeden: Neu ist die Idee nicht, doch Heike Oechler (44) aus Landshut und Anja Mahl (48) zogen die Sache durch. Seit 2013 gibt es ihren „Grundschulkönig“ nun, ein „Übungskönig“ für weiterführende Schulen kam dazu. Aus der ganzen Welt verzeichnet die Lernplattform Zugriffe, ungefähr eine Million Menschen nutzen das Angebot der beiden Freundinnen, die heute in ihrem Unternehmen 15 andere Leute beschäftigen.

Ein Büro hat „der Grundschulkönig“ (www.grundschulkoenig.de) nicht. Alle Angestellten arbeiten von zu Hause aus und das schon, bevor die Corona-Pandemie dieses Businessmodel salonfähig machte. Überhaupt sind die in Landshut lebende Heike Oechler und die in Zwiesel beheimatete Anja Mahl in vielem ihrer Zeit voraus gewesen. Dass eine verlässliche, funktionierende Online-Alternative für Home-Schooling unerlässlich werden würde, hätte wohl vor sieben Jahren kaum einer unterschrieben.

So war dann auch der Start des „Grundschulkönigs“ 2013 alles andere, als vielversprechend. Die Idee entstand beim gemeinsamen Kaffeetrinken der beiden Freundinnen und je dreifachen Mütter. Eine gemeinsame Übungsplattform sollte entstehen, aus der jeder kostenlos Übungsmaterialien zur Vertiefung des Unterrichtsstoffes herunterladen können würde. „Unser Bildungssystem ist wahnsinnig abhängig von Bildungsstand und Einkommen der Eltern“, so Heike Oechler. Ihre Freundin, die an der Mittelschule in Zwiesel als Pädagogin selbst unterrichte, wisse zu berichten, dass vielen intelligenten Kindern Chancen genommen werden würden. „Viele Kinder hätten mehr Potenzial und es scheitert am Finanziellen“, so Oechler und führt weiter aus: „Dass der Hauptteil der Seite kostenlos und frei zugänglich bleibt, darauf legen wir Wert.“

Die Seite finanziert sich hauptsächlich über Werbeeinnahmen. Doch wer eine Werbung schalten will, der fragt für gewöhnlich nach den Zugriffszahlen. Diese Zahlen sahen damals, als das Projekt mit rund 300 von Pädagogin Anja Mahl selbst erstellten Übungsblättern an den Start ging, mit nur acht Zugriffen täglich ziemlich mau aus. Inzwischen hat sich das zwar geändert – doch anfangs ließen die beiden Gründerinnen ihr Projekt deswegen sogar ein paar Monate enttäuscht liegen. Bis Heike Oechler, die damals eine kleine Firma für die Gestaltung von Webseiten hatte und sich daher um alle medientechnischen Aufgaben kümmerte, doch noch einmal nachsah. Überraschende 350 Zugriffen pro Tag spornten die beiden Gründerinnen sofort wieder neu an. Drei Euro pro Tag hätten sie damals verdient, so die beiden Freundinnen, doch das sei angesichts der tollen Sache unwichtig gewesen.

Viel Arbeit und Mühen sind seitdem vergangen – Mitarbeiter kamen dazu, als das Projekt immer größer wurde. Lehramtsstudenten, unter anderem, entwerfen die Übungsmaterialien, ein externes Büro übernahm die Programmierung der Seite, eine Vollzeitkraft erledigt Organisatorisches und Verwaltungstechnisches. „Uns ist wichtig, dass die Leute gerne für uns arbeiten.“ Beide Gründerinnen sind sich einig, jeden Gewinn wieder in die Sache zu investieren, denn Ideen gibt es viele: Arbeitsblätter könne man zum Beispiel auch international auf Englisch anbieten.

„Inzwischen ist es für uns ein absoluter Traumjob“, so Heike Oechler. Mehr als eine Million Menschen nutzen den „Grundschulkönig“ mittlerweile, knapp 14.000 Fans hat er auf Facebook. Seit ein paar Monaten gibt es sogar einen Webshop. „Wir bieten nun auch Gehefte mit Arbeitsblättern an, die zu einem Themenbereich zusammengestellt und verschickt werden“, sagt Oechler. Einzig die Sachen, die verschickt werden, kosten etwas. Die Sammlungen aus dem Shop gibt es aber nach wie vor als pdf zum Download. Orientiert ist das Ganze übrigens am Lehrplan Bayerns – was den weltweiten Zugriffen aber keinen Abbruch tut. „Gerade in Mathe fragen vielen nach, dort herrscht der größte Bedarf“, sagen die Gründerinnen.

Mit Ausbruch der Corona-Pandemie im März dann schossen die Zugriffszahlen noch einmal deutlich in die Höhe: 5,6 Millionen Mal pro Tag wurde die Seite auf der Suche nach Übungsmaterialien aufgerufen. „Wir bekamen“, erzählt Heike Oechler, „auch sehr viele Zuschriften von Lehrern, ob sie unser Material verwenden dürfen. Wir haben es für interne Nutzerbereiche erlaubt.“ Einig sind sich die beiden Geschäftsfrauen mit ihrer Idealvorstellung der kostenlos frei zugänglichen Bildungsmöglichkeit für alle aber vor allem in einer Sache: „Wir sind noch lange nicht fertig!“


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