19.08.2020, 16:40 Uhr

Zirkus Carlos Ein Lichtblick am Ende des Tunnels


Familie Kollmann hat gute Nachrichten und möchte sich außerdem bei allen Helfern in der Not herzlich bedanken.

Frontenhausen. Im Winterquartier in Frontenhausen war seit März ein kleiner Zirkus gestrandet (das Wochenblatt berichtete). Dafür, dass ihnen so viele Menschen in der schweren Zeit geholfen haben, möchte sich Familie Kollmann vom Circus Carlos nun öffentlich bedanken – und verkündet vorsichtig optimistische Neuigkeiten.

Die Stimmung im Winterlager, das im Corona-Sommer als Notlösung dienen musste, ist geschäftig. Planen werden ausgerollt und auf Stangen gezogen. An allen Ecken und Enden gibt es etwas zu tun. Der Fuhrpark wird reisefertig gemacht. Es geht wieder los – wenn auch nicht zum Zirkus.

„Wir dürfen immer noch keine regulären Gastspiele geben. Aber eine befreundete Schaustellerfamilie hat etwas Unglaubliches organisiert“, so Karl Kollmann, Direktor und Tiertrainer vom Circus Carlos. „In Deggendorf wird es ab dem 2. September einen Familienpark geben, auf dem wir Schausteller mit Fahrgeschäften, Autoscooter und vielem mehr endlich wieder aufbauen können. Sogar ein Biergarten ist dabei! Das Areal wird dazu eingegrenzt und ein Hygienekonzept umgesetzt, so dass für Sicherheit gesorgt ist.“

Aus ganz Bayern haben Schausteller wie die Kollmanns vor, nach Deggendorf zu reisen. „Für uns ist diese Zusage eine riesengroße Hoffnung“, so Jessica Kollmann und fügt hinzu: „Wir hätten nicht mehr gewusst, wie es sonst weitergeht.“ Bereits in der achten Generation ist der Circus Carlos in Familienhand. Auf die Einnahmen aus den Gastspielauftritten sind die Kollmanns dringend angewiesen. Doch ohne Volksfeste gibt es keine Gastspiele – eigentlich.

Initiatoren des neuen Familienparks, der von 2. bis 27. September in Deggendorf stattfinden soll, sind Alexander Störzer und Alexander Zinnecker. Beide standen seit Mai in Kontakt mit der Stadt, um den Familienpark – unter anderem mit Break Dance, Hupferl, Musikexpress, Kinderkarussell, Familienachterbahn, Babyflug – auf die Beine zu stellen. Von Mittwoch bis Sonntag soll es also wieder Gaudi für die Besucher und Hoffnung für die Schausteller geben, den nächsten Winter zu überstehen.

Initiator Alexander Zinnecker erzählt: „Es war teilweise so, dass Kollegen nicht einmal mehr das Spritgeld hatten, um nach Deggendorf zu kommen.“ Die Ausnahmesituation befördert Solidarität. „Wir helfen uns gegenseitig“, so Zinnecker. „Wir tauschen etwa LKW, damit jeder seine Transporte fahren kann. Viele Fahrgeschäfte brauchen Aufbaupersonal – weil auch das gerade nicht leistbar ist, packt jeder bei jedem mit an.“

Außerdem soll das Pilotprojekt des temporären Freizeitparks in Deggendorf nach Möglichkeit kein Einzelfall bleiben. „Wir sind bereits in Gesprächen mit anderen Städten“, sagt Zinnecker und weiter: „Die meisten finden die Idee sehr gut, zögern aber noch.“ Dabei könne das aufwendig erstellte Hygienekonzept sogar mit Laserschranke am Parkeingang herhalten, die sicher stellen soll, dass die Maximalanzahl der bewilligten Gäste nicht überschritten wird.

„Wenn nur ein paar Einzelbetriebe überleben, kann daraus kein Volksfest mehr entstehen“, erinnert Zinnecker und sagt weiter: „Wir sind gewohnt, Durststrecken einzukalkulieren. Aber kein Betrieb kann ein ganzes Jahr ohne Einkünfte überstehen.“ Der temporäre Park ist also wichtig für alle.

So auch für die Kollmanns: „Die einmalige Soforthilfe, die wir bekamen, war bereits nach dem ersten Monat ohne Einkünfte aufgebraucht. Für die Futterspenden waren und sind wir sehr dankbar. Ein herzliches Dankeschön an alle Menschen, die uns geholfen haben! Stroh ist so viel gespendet worden, dass es über den Winter reicht, nur Heu und Kraftfutter fehlen noch. Daher freuen wir uns jetzt natürlich umso mehr, dass die Räder endlich wieder rollen dürfen“, sagt Karl Kollmann.

In Deggendorf werden die Kollmanns mit ihrem Crêpes-Stand und dem Kinder-Luna-Land (Hüpfburg, Rutsche, Ruderboote und Heliumballons) vertreten sein. „Die versprochene kostenlose Vorstellung als Dankeschön für alle, die durch ihre Spenden ein Fortdauern des Circus Carlos ermöglicht haben, gilt natürlich weiterhin“, sagt Karl Kollmann. „Als kleinen Dank möchten wir bereits in Deggendorf allen Helfern ermäßigte Crêpes anbieten.“

Wer noch spenden möchte, kann Familie Kollmann unter der Telefonnummer 0174 9513629 erreichen. Spendenkonto bei der Postbank, Jessica Kollmann, IBAN: DE69 7001 0080 0874 015801, BIC: PBNKDEFF.


0 Kommentare