12.02.2020, 15:31 Uhr

Schock-Nachricht vom Jobcenter „Ich kann nicht mal die Miete zahlen“

Günther Meyer flatterte ein Schreiben vom Jobcenter ins Haus: Die Leistungen wurden eingestellt – jetzt hat der 56-Jährige Angst um die nackte Existenz.  Foto: dcGünther Meyer flatterte ein Schreiben vom Jobcenter ins Haus: Die Leistungen wurden eingestellt – jetzt hat der 56-Jährige Angst um die nackte Existenz. Foto: dc

Leistungen gestrichen: Günther Meyer aus dem Landkreis Landshut weiß nicht, wie er über die Runden kommen soll

Ergoldsbach. Günther Meyer aus Ergoldsbach hat in den vergangenen Jahren schwere Schicksalsschläge verkraften müssen: Drei Herzinfarkte erlitt der heute 56-Jährige – in seinem früheren Beruf als Maler und Lackierer konnte er nicht mehr arbeiten. „Ich schaffe es körperlich nicht mehr“, erzählt er.

Zu der schwer angegriffenen Gesundheit und der permanenten Sorge vor einem neuen Infarkt kommt nun auch noch die Angst um die nackte Existenz.

Durch seine schweren Herzprobleme war Günther Meyer in Hartz IV abgerutscht, bekam in den letzten Jahren Geld vom Jobcenter. Neben dem Regelsatz kamen noch Geld für Miete, Strom etc.

„Das reicht kaum zum Leben, am Ende des Monats wurde es immer richtig knapp“, erzählt er. Dennoch: Bis vor Kurzem noch blickte der Junggeselle mit etwas mehr Zuversicht in die Zukunft. Denn: Ab April wird er eine Erwerbsminderungsrente beziehen. Gut 965 Euro netto sind das – und damit etwas mehr als die bisherigen Leistungen vom Jobcenter. Viel wichtiger ist für den 56-Jährigen jedoch das psychologische Moment: „Ich bin dann nicht mehr auf den Staat angewiesen.“

Ende Januar jedoch erhielt er ein Schreiben, das sein Leben auf den Kopf stellt. Das Jobcenter stoppte die monatlichen Zahlungen. „Eine weitere Leistungsgewährung“, so heißt es in dem Brief, sei „nicht mehr möglich.“ Meyer war geschockt, sprach persönlich beim Jobcenter vor und legte Widerspruch ein – ohne Erfolg.

Problem: Offenbar ist für die zwei Monate (Februar und März) bis zur erstmaligen Auszahlung seiner Erwerbsminderungsrente nun die Sozialhilfeverwaltung am Landratsamt zuständig. Vor Kurzem hat er dort noch fehlende Unterlagen eingereicht. Geld ist bislang aber noch nicht überwiesen worden. Günther Meyer steht vor dem Nichts. Zum Wochenblatt sagt er: „Ich weiß nicht, wie ich meine Miete zahlen soll.“

Für den Februar, so sagt Meyer, habe er kein Geld erhalten. „Das ist doch eine Sauerei“, klagt er. Es geht nicht nur um die Miete für seine Wohnung in Ergoldsbach, auch andere wichtige Dinge des Lebens kann er nicht mehr bezahlen.

Unklar, ob und wann Günther Meyer Geld für die Übergangszeit erhält. Klar ist jedoch, dass die Zeit drängt. Für Meyer kommt es auf jeden Tag an: „Ich kämpfe ums Überleben!“

Zur Situation hat das Wochenblatt beim Landratsamt nachgefragt. Aus Datenschutzgründen dürfe man ohne eine schriftliche Einwilligung keine personenbezogenen Daten an Dritte weitergeben, heißt es von dort. Das Landratsamt äußerte sich daher allgemein: „Der Bezug von Sozialleistungen ist für die Betroffenen sehr wichtig, dessen sind wir uns als Landratsamt natürlich bewusst. Doch wir können als Verwaltung nur tätig werden, wenn die Betroffenen auch aktiv mitwirken. Hierzu sind sie auch gesetzlich verpflichtet. Mitwirkung bedeutet aber nicht nur, die Anträge rechtzeitig zu stellen, sondern auch alle erforderlichen Unterlagen in diesem Zusammenhang umgehend bei uns einzureichen. Erst dann ein solcher Antrag vollständig bearbeitet werden. Als Verwaltung handeln wir stets auf Basis von Rechtsgrundlagen, die eben auch diese Nachweispflicht der Antragsteller einfordern.“


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