31.01.2020, 14:31 Uhr

Nach tödlichem Unfall in der Siemensstraße Jetzt rechnet die Landshuter Polizei mit den Gaffern ab

(Foto: Grießer)(Foto: Grießer)

Glotzen, drängeln, Einsatzkräfte behindern, Fotos machen - am Rande des tödlichen Verkehrsunfalls am Donnerstag in Landshut haben Gaffer und Schaulustige eine unrühmliche Rolle gespielt. Der Landshuter Polizei ist jetzt der Kragen geplatzt ...

LANDSHUT Am Donnerstag (30. Januar) ist bei einem tragischen Unfall in Landshut eine Seniorin ums Leben gekommen. Am Rande des Rettungseinsatzes kam es am Unglücksort in der Siemensstraße zu hässlichen Vorfällen, ausgelöst von Gaffern. Jetzt platzt dem Pressesprecher der Landshuter Polizei, Stefan Scheibenzuber, der Kragen. In einer Stellungnahme, die dem Wochenblatt vorliegt, hat er sich den Frust über die Gaffer von der Seele geschrieben. Das Statement im Wortlaut:

„Tragisch genug, wenn es zu einem Unfall mit Personenschaden kommt und dadurch sogar ein Mensch verstirbt. Den Einsatz- und Rettungskräften vor Ort wird bei einem solchen Szenario sicherlich alles abverlangt. Die Personenrettung steht an oberster Stelle, dabei zählt oftmals jede Sekunde. Allein aus dieser Tatsache heraus ist es ungemein wichtig, dass die Helfer ungehindert ihrer Arbeit nachgehen können.

Weiterhin sollte es doch eine Selbstverständlichkeit sein, wenn ein Unfall passiert, dass man zumindest versucht etwas zu tun. Den anderen Helfern Unterstützung anbieten oder den Notruf zu wählen, um nur einiges zu nennen. Und es ist moralisch mehr als verwerflich anzusehen, wenn Fotos gefertigt werden, die das Unfallopfer oder die schrecklichen Unfallspuren zeigen.

Weiterhin sollte man von jedem Verkehrsteilnehmer erwarten können, dass Einsatzfahrzeuge mit Blaulicht samt Einsatzkräfte, die eine Unfallstelle absperren, als solche auch erkannt und vor allem auch respektiert werden.

Dass dies alles doch nicht so selbstverständlich ist, zeigte sich leider am Donnerstag, gegen 11.40 Uhr, anlässlich des tragischen Verkehrsunfalls, bei dem eine 88-Jährige aus Landshut von einem Lkw erfasst wurde und, wie berichtet, im Krankenhaus an den Folgen verstarb. 

Man stelle sich vor, es passiert vor den Augen vieler Passanten, die sich gerade in unmittelbarer Nähe befinden, ein schwerer Verkehrsunfall. Man stelle sich weiterhin vor, dass lediglich die Betreiberin einer Würstlbude mit zwei engagierten Ersthelfern anwesend war, um tatkräftig zu helfen. Man stelle sich vor, die Feuerwehr baut einen Sichtschutz auf, um die Unfallstelle aus gutem Grund vor neugierigen Blicken zu schützen. Man stelle sich vor, da kommt eine Radfahrerin daher, will sich zwischen dem Unfall-Lkw und dem Sichtschutz durchzwängen, um zu sehen, was da passiert ist. Die Gafferin wird von der Polizei entsprechend zurückgewiesen und droht nun mit einer Beschwerde. Könnte es auch sein, dass es Personen gibt, die nicht davor zurückschrecken, äußerst nahe an das Unfallfahrzeug heranzutreten, um davon in Anbetracht der Tragik sogar noch Fotos zu schießen?

Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr retten nicht nur, sie helfen auch der Polizei am Unfallort bei Absperrmaßnahmen. Man stelle sich vor, da kommen Verkehrsteilnehmer, die sich durch die Absperrung drängen wollen und sich auf entsprechende Ansage absolut daneben benehmen. Die Einsatzkräfte sind alle durch ihre Kleidung gut erkennbar, die Einsatzfahrzeuge haben das blinkende Blaulicht auf dem Dach. Man sollte dabei nie vergessen, dass die ehrenamtlichen Rettungs- und Hilfskräfte nicht zu ihrem Vergnügen da stehen. Selbst den Einsatzkräften der Polizei ist es immer wieder ein Rätsel und es kommt bei ihnen die berechtigte Frage auf: Was hat denn mein Gegenüber in der Führerscheinausbildung alles gelernt? 

Unabhängig von möglichen strafrechtlichen Konsequenzen, wie z.B. Unterlassene Hilfeleistung, stellt das geschilderte Verhalten aus Sicht der zahlreichen Einsatzkräfte, gelinde ausgedrückt, ein äußerst pietätloses Verhalten dar.

Wenn man versucht, sich ernsthaft in die Lage der Rettungs- und Einsatzkräfte, aber auch in die Lage des Unfallopfers zu versetzen und darüber nachdenkt, wie würde ich es mir wünschen, wenn ich selbst das Unfallopfer wäre, dann ist schon viel erreicht.“


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