02.01.2020, 07:43 Uhr

Betrunkener wollte Wohnhaus stürmen So mutig beschützte Wochenblatt-Austräger René eine junge Familie

(Foto: Grießer)(Foto: Grießer)

Wochenblatt-Austräger René Junghans wurde in Vilsbiburg zum Retter in höchster Not

VILSBIBURG Wochenblatt-Austräger machen einen tollen Job. Zuverlässig bringen sie die Zeitungen und Prospekte zu den Lesern – bei Wind und Wetter. Doch damit nicht genug. Wenn es nötig ist, dann wird ein Austräger zum Retter in allerhöchster Not!

René Junghans verteilt Werbeprospekte in Vilsbiburg. Am 14. Dezember, ein Samstag, ist er schon früh auf den Beinen. Es ist kurz nach 4 Uhr, als er seine Tour beginnt. Was der dreifache Familienvater nicht ahnt: Diesen Morgen wird er so schnell nicht vergessen.

Unterwegs, unweit der Stadthalle, hört René Junghans plötzlich lautes Geschrei. „Ich habe sofort gedacht, da stimmt etwas nicht“, erzählt er. Er folgt dem Stimmengewirr und wird Zeuge einer beängstigenden Szenerie. Ein Mann will sich gewaltsam Zugang zu einem Wohnhaus verschaffen, in dem eine junge Familie lebt. Er trommelt mit den Fäusten gegen die Eingangstür und die Fenster. Immer wieder brüllt er: „Gebt mir mein Handy zurück!“

Außerhalb des Grundstücks versucht eine Frau, offenbar seine Mutter, den deutlich betrunkenen Randalierer zu beruhigen. Ohne Erfolg.

René Junghans greift ein. Er spricht den jungen Mann an, zieht ihn vom Haus weg. Doch der Unbekannte ist nicht zu bändigen. Er macht kehrt, stürmt zurück zum Wohnhaus. Erneut drischt er wie von Sinnen gegen die Eingangstür. Das Sichtglas geht zu Bruch. Drinnen im Haus harrt die Familie mit zwei Kindern aus. Es sind Augenblicke der Angst. Die Situation droht völlig aus dem Ruder zu laufen. Der Wochenblatt-Austräger erkennt die drohende Gefahr – und handelt prompt. Er springt über den Gartenzaun, packt den Betrunkenen. Er bringt ihn zu Boden, kann ihn festhalten. Alles ist voller Blut. Der Randalierer hat sich beim Einschlagen der Scheibe verletzt und eine klaffende Fleischwunde an der Hand erlitten.

Quälende Augenblicke vergehen. Erst als die inzwischen alarmierte Polizei am Ort des Geschehens eintrifft, ist die Gefahr endgültig gebannt.

Einige Tage sind seit dem Drama vergangen. Die Familie hat den Schreck überwunden, ihre tiefe Dankbarkeit gilt Wochenblatt-Austräger René Junghans. „Er hat durch sein Handeln sicher Schlimmeres verhindert“, sagt die Mutter (40). Inzwischen hat sich die Familie auch persönlich und mit einer Aufmerksamkeit beim furchtlosen Retter bedankt. „Ich würde wieder so handeln. Das ist doch selbstverständlich“, sagt der 42-Jährige bescheiden.

Unklar blieb zunächst, weshalb der schwer alkoholisierte Krawallbruder, ein 26-Jähriger, an jenem Morgen einen ganzen Vilsbiburger Straßenzug in Angst und Schrecken versetzte. „Warum er gerade an dieser Adresse hoffte, sein Handy zu finden, ist unklar“, so ein Polizeisprecher. Die Mutter sagt: „Er meinte, wir hätten sein Handy gestohlen.“

Wie falsch er damit lag, wurde noch am selben Samstagmorgen klar – und wieder war René Junghans maßgeblich beteiligt. „Ich habe mich mit einem Kumpel auf die Suche nach dem Handy gemacht“, erzählt er. Und, siehe da: Ein paar hundert Meter entfernt, bei einem Abfalleimer, entdeckten sie das Handy und übergaben es der Polizei.

Übrigens, den 26-jährigen Randalierer erwartet wegen seines Brutalo-Auftritts eine Anzeige.


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