13.11.2019, 13:20 Uhr

Ärger um Klärschlammverbrennungsanlage „Die Spaltung zieht sich durch die gesamte Region – manchmal sogar durch einzelne Familien“

Sie machen mit einer Bürgerinitiative mobil gegen den Bau der Klärschlammverbrennungsanlage in Breitenhart: Martin Frey (li.) und Franz Maier. (Foto: privat)Sie machen mit einer Bürgerinitiative mobil gegen den Bau der Klärschlammverbrennungsanlage in Breitenhart: Martin Frey (li.) und Franz Maier. (Foto: privat)

Der geplante Bau einer Klärschlammverbrennungsanlage im Grenzbereich der Landkreise Landshut und Straubing-Bogen sorgt für mächtig Ärger – jetzt gehen Anwohner auf die Barrikaden.

LANDSHUT/STRAUBING Die Anlage in Breitenhart (Gemeinde Mallersdorf-Pfaffenberg) soll nach Fertigstellung eine Kapazität von 27.000 Tonnen Klärschlamm pro Jahr haben. Etwa zehn Millionen Euro soll das Projekt kosten. Wann mit dem Bau begonnen werden kann, ist allerdings noch unklar. Bauherr Xaver Zirngibl zum Wochenblatt: „Es ist ein relativ aufwendiges Genehmigungsverfahren.“ Derzeit ist der Markt Mallersdorf-Pfaffenberg mit der entsprechenden Bauleitplanung befasst. Doch es regt sich Protest. Anwohner des örtlichen Bachlertals und der Umgebung befürchten unter anderem Luftverschmutzung, Wertverlust von Immobilien und kritisieren, dass die Anlage nicht mit der derzeit besten Filtertechnik ausgestattet werde.

Zudem, so führen die Gegner an, sei ein Neubau gänzlich unnötig, da in Straubing, etwa 40 Kilometer entfernt, eine Klärschlammverbrennungsanlage gebaut werde, „die den gesamten Klärschlamm aus ganz Niederbayern entsorgen kann.“ Dieses Großprojekt, das bis 2023 im Osten der Gäubodenstadt realisiert wird, soll eine Durchsatzmenge von etwa 120.000 Tonnen Klärschlamm pro Jahr erreichen.

Inzwischen hat sich eine Bürgerinitiative formiert, initiiert von Franz Maier aus Hofkirchen (Lkr. Straubing-Bogen) und Martin Frey aus Greilsberg (Lkr. Landshut). Maier kritisiert: „Eine solche Anlage gehört nicht in private Hand.“ Ziel sei es, „den Bau zu verhindern.“

Landwirt Xaver Zirngibl wehrt sich: „Wir sind darauf bedacht, eine saubere Anlage mit sehr guter Technik zu bauen.“ Für den Unternehmer, der vor Ort bereits seit mehreren Jahren Klärschlamm trocknet, steht fest, dass man das Klärschlamm-Problem „dezentral in kleineren Anlagen lösen“ muss. Sein Vorwurf an die Kritiker: Bei dem Thema werde derzeit zu sehr „emotional argumentiert“, die „fachliche Auseinandersetzung“ rücke dadurch in den Hintergrund. Zirngibl will den Dialog suchen: „Wir wollen mit den Skeptikern reden“, sagt er zum Wochenblatt.

Die Bürgerinitiative hat eine Unterschriftensammlung gestartet und eine Online-Petition auf den Weg gebracht. „Wir sind mit der Resonanz sehr zufrieden“, so Maier. Die Unterschriftenaktion werde man natürlich fortsetzen. Die geplante Klärschlammverbrennungsanlage in Breitenhart wird die Menschen im Labertal und Umgebung auch in den nächsten Wochen und Monaten beschäftigen. Schon jetzt sind die Fronten von Befürwortern und Gegnern verhärtet.

Im Straubinger Stadtosten entsteht bis 2023 eine Klärschlammverbrennungsanlage. Unternehmer Xaver Zirngibl favorisiert „dezentrale, kleinere Anlagen.“ (Foto: SER)

„Es ist momentan keine schöne Situation“, stellt Zirngibl fest. Noch krasser formuliert es Franz Maier: „Die Spaltung zieht sich durch die gesamte Region – manchmal sogar mitten durch einzelne Familien.“


0 Kommentare