22.08.2018, 11:46 Uhr

Lautstärkenregler geben den Ton an Was „Limiter“ auf der Landshuter Dult zu suchen haben

Hier wurde der erlaubte Wert von 90 Dezibel eindeutig überschritten. (Foto: ad)Hier wurde der erlaubte Wert von 90 Dezibel eindeutig überschritten. (Foto: ad)

Sie schauen aus wie Geschwindigkeitsanzeigen. Auf einer Art Display blinken neonfarbige Zahlen. Im Fachjargon nennt man die Anzeigen „Limiter“ oder Begrenzer. Sie sind eine Überwachungsanlage und hängen in jedem Festzelt. Limiter sollen dafür sorgen, dass sich die Nachbarn nicht über die Lautstärke aufregen, so ist zumindest der Plan. Anders gesagt: Wird die Gaudi im Festzelt zu laut, schraubt der Limiter die Lautstärke der Musik herunter.

LANDSHUT. „Die Dult ist mitten in der Stadt und mitten in Wohngebieten, wo aufgrund des Immissionsschutzgesetzes nur bestimmte niedrige nächtliche Lärmwerte ab 22 Uhr erlaubt sind. Zwischen 2004 und 2006 gab es immer wieder konkrete Lärmbeschwerden von Anwohnern. Wir haben uns das vor Ort angeschaut und festgestellt, wenn da jemand klagen würde, haben wir schlechte Karten“, erklärt Fritz van Bracht, Amtsleiter für öffentliche Ordnung und Umwelt.

Auf Geheiß der Regierung von Niederbayern wurde dann unter Einschaltung des Landshuter Büros Hoock Farney Ingenieure ein Lärmschutzkonzept für die Landshuter Dult erstellt. Darin wurde festgesetzt, wie laut es in den Bierzelten sein darf. Seit 2007 wird es angewendet.

Hinzu kommt, dass sich die Art der Musik in den letzten Jahren etwas gewandelt hat. Früher gab es die volkstümliche Blasmusik. Aber bei den Partybands gilt das Motto: je lauter, desto mehr Stimmung. Sie spielen über Verstärker und das geht beliebig laut. Und hier setzt das Lärmschutzkonzept ein. Verstärker ja, aber nur mit dem eingebauten Limiter. Dieses technische Gerät soll dafür sorgen, dass der Lärmgrenzwert von 90 Dezibel nicht überschritten wird.

„Da müssen wir abwägen und sagen, okay, wir wollen als Veranstalter nicht unsere schöne Dult riskieren und die Toleranz der Bürger nicht überstrapazieren. Falls mal einer erfolgreich klagt, müssten wir eher aufhören, wie bei anderen bayerischen Festen“, so van Bracht.

Aber es geht ja nicht nur um die Musik in den Zelten, sondern um den gesamten verhaltensbedingten Lärm durch Besucher, Durchsagen der Beschicker sowie die technischen Geräusche der Fahrgeschäfte, erklärt van Bracht. Das Ingenieurbüro pegelt vor jedem Dultbeginn die Limiter auf die zugelassenen Lärmwerte ein und verplombt sie. Täglich wird kontrolliert. Für die Bands und die jungen Dultbesucher kann es nicht laut genug sein. Viele andere Besucher wollen sich aber auch noch unterhalten und nicht nur auf den Bänken tanzen.

Manche Bands zeigen sich wohl immer wieder genervt durch derartige Einschränkungen. Aber das lässt Fritz van Bracht nicht gelten. Die Musikgruppen werden vorher von den Festwirten über den Lärmschutz informiert und wenn es ihnen zu leise ist, dann kommen sie halt nicht, sagt der Amtsleiter. „Bei den „Topsis“ hat das jahrelang gut geklappt. Obwohl sie sich an die Werte gehalten haben, war immer die Hölle los.“

Für Alexander Tremmel von Sophie‘s Alm waren die Limiter bereits bei der diesjährigen Frühjahrsdult ein „Riesenthema“. „Herr Hoock vom Ingenieurbüro war jeden Tag bei uns zur Kontrolle und hat sogar gesagt: Macht`s mal lauter! Unsere Almhütte ist ganz anders als die Zelte. Das Holz ist massiv und es dringt kaum Lärm nach außen“, erklärt der Festwirt. In seinen Augen sind die Limiter ein Humbug. „Laut dem Ingenieur müsste bei uns der Lärmpegel neu berechnet werden“, sagt Tremmel. Die erlaubten Werte hat er in seiner Alm noch nie überschritten.

„Die Schausteller und Fahrgeschäfte sind wesentlich lauter als wir, da gehen wir ja unter! Die Werte sollten je nach Location neu berechnet werden“, erklärt der Festwirt. Aber es kommt seiner Meinung nach auch darauf an, wo man im Zelt sitzt.


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