27.07.2018, 08:51 Uhr

Jugendwohnheim als Partner Hier finden Auszubildende ein Zuhause


Jeder vierte Lehrling in Deutschland wirft hin, so das Ergebnis aus dem Berufsbildungsbericht 2018. Zwei Gründe: zu wenig bezahlbarer Wohnraum und zu wenig Betreuung. „Bei uns ist das nicht so“, erklärt Ludwig Weber, der Gesamtleiter des Landshuter Jugendwohnheims in der Marienburger Straße. Seit 61 Jahren bekommen Azubis hier eine Heimat. Gerade entsteht ein großer Neubau.

LANDSHUT. Für einen Ausbildungsplatz in eine andere Stadt zu gehen, ist schon fast normal. Damit kommen die Fragen: Wo komme ich unter? Wer bezahlt das? Für Azubis und deren Eltern sind Jugendwohnheime die Antwort. „Ich glaube, unser Jugendwohnheim ist in Landshut nicht so bekannt, wie es sein sollte“, sagt Weber. Die Bewohner kommen von überall her. Manche sind gerade 15 geworden, andere feiern ihren 21. Geburtstag. Aber alle haben ein gemeinsames Ziel: den erfolgreichen Abschluss einer Berufsausbildung in Landshut.

170 Mitarbeiter und knapp 70 ehrenamtliche Helfer legen großen Wert darauf, dass die Azubis nicht nur ein Bett und etwas zu Essen haben. Sie helfen auch, wenn es in der Ausbildung mal nicht so gut läuft. „Unser junges Team kommt gut an. Wir kümmern uns rund um die Uhr“, erklärt Kathrin Strasser, die Leiterin vom Jugendwohnen. Dabei werden die Jugendlichen nicht „verwahrt“, was dem typischen Klischee von Heimen entsprechen würde, klärt Strasser auf. „Unser Ziel ist es, die Jugendlichen so schnell wie möglich so selbstständig wie möglich zu entlassen.“

Momentan wohnen Mädchen und Jungs getrennt, bedingt durch die separaten Gebäude. Es gibt einen großen Garten, einen Partyraum, eigene Wohnzimmer, Kickerkasten, eine Art Fitnessstudio – alles, was das Herz fernab der Heimat begehrt.

Doch das Jugendwohnheim bietet nicht nur die Unterkunft, sondern auch Verpflegung und pädagogische Betreuung. „Bei uns gibt es das Rundum-sorglos-Paket“, erklärt Weber.

In der Regel sind im Jugendwohnheim zwischen 26 und 30 Dauerbewohner. Hinzu kommen wechselnde Bewohner. Darunter gibt es auch Jugendliche, die benachteiligt sind aufgrund einer Lernbehinderung. Insgesamt kann das Landshuter Jugendwohnheim 160 Plätze anbieten.

Doch die Häuser sind in die Jahre gekommen, und entsprechen nicht mehr dem heutigen Standard. Deswegen hat man sich für einen Neubau entschieden, der momentan in der Ritter-von-Schoch-Straße 1 errichtet wird. „Dort wird es Hotelstandard geben“, sagt Weber. Im November wird umgezogen.

„Man muss auch herausstellen, was wir mit unserer Arbeit für die regionale Wirtschaft leisten. Wir sind Partner, die im pädagogischen Bereich den Jugendlichen und den Betrieben zur Seite stehen“, erklärt der Gesamtleiter.

Worin besteht der Unterschied zu den Azubis, die nicht in Jugendwohnheimen leben und vermehrt abbrechen würden? „Hier ist es unser tägliches Brot und wir wissen, was wir tun“, sagt Strasser. Eltern würde teilweise das Know-how fehlen und wir haben einen anderen Blick auf die Sache als Eltern“, führt die Leiterin des Jugendwohnens weiter aus.

Aber auch die Betriebsseite sei gefragt, man müsse sich von alten Vorstellungen verabschieden. „Manche kriegen es nicht auf die Reihe, die Jugendlichen für die Arbeit zu begeistern. Es muss auch von Betriebsseite verstanden werden, wie man Jugendliche heutzutage führt“, erklärt Weber.

„Zumindest können wir von uns sagen: Wir haben jeden auf den Weg gebracht. Und von den letzten Azubis, die jetzt fertig werden, haben alle, die angefangen haben, auch beendet“, berichtet Weber.


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