14.02.2018, 15:55 Uhr

Amokfahrer vor Gericht „An der Grenze zu einem versuchten Tötungsdelikt“

(Foto: Schmid)(Foto: Schmid)

Er hat andere Autofahrer ausgebremst, bedroht, geschlagen und einen 48-jährigen Mann in der Landshuter Neustadt mit seinem Auto so schwer verletzt, dass dessen Leben ruiniert ist. Vor Gericht suhlte sich der 33-jährige Täter jetzt in Selbstmitleid, entschuldigte seine Taten als „jugendlichen Schwachsinn“. Der Richter sah es ein bisschen anders und schickt den Gelegenheitsarbeiter aus Waldkraiburg für über drei Jahre hinter Gitter. Wieder einmal. Der Richter sah den spektakulären Fall an der Grenze zu einem „versuchten Tötungsdelikt“.

LANDSHUT Seit seiner Jugend steht der 33-Jährige, der nach eigenen Angaben seit seinem 13. Lebensjahr alkohol- und drogenabhängig ist, immer wieder vor Gericht. Trunkenheits- und Schwarzfahrten, Drogendelikte, Unfallfluchten, Körperverletzung und Widerstand gegen Polizeibeamte hat der Mann schon auf dem Kerbholz. Der

Führerschein war ihm bereits im Mai 2003 entzogen worden. Trotzdem war er wieder mit dem Auto unterwegs. Und wie!

Die ihm von Staatsanwalt Dr. Sebastian Grimm vorgeworfene Amokfahrt startete der Gelegenheitsarbeiter am späteren Nachmittag des 10. Juli 2016, als er auf der B 15 wenige Kilometer vor Ergoldsbach auf den Alfa Romeo eines Mannes aus dem niedersächsischen Ottersberg dicht auffuhr. Mit der Lichthupe wollte er den Fahrer dazu bewegen, die Fahrspur zu wechseln bzw. zumindest schneller zu fahren. Kurz vor der Auffahrt der B 15neu konnte er schließlich überholen, scherte dann dicht vor dem Wagen des Ottersbergers ein und trat auf die Bremse, sodass der ebenfalls eine Vollbremsung hinlegen musste.

Aber es kam noch krasser: Im Kreisverkehr zur Auffahrt der B 15neu hielt der 33-Jährige an, stieg aus seinem BMW aus und beschimpfte den Alfa-Fahrer, wobei „kleiner Pisser“ noch der harmloseste Ausdruck war. Dann versetzte er dem Ottersberger auch noch einen Schlag mit der flachen Hand, bevor er wieder in seinen BMW stieg und in Richtung Regensburg weiterfuhr.

Noch dramatischere Szenen spielten sich dann auf seiner Rückfahrt nach 21 Uhr ab. Zunächst legte der Gelegenheitsarbeiter – wieder in der Nähe von Ergoldsbach – eine Vollbremsung hin, nachdem zuvor ein hinter ihm fahrender Landshuter die Lichthupe betätigt hatte. Letzterer musste, um einen Auffahrunfall zu vermeiden, ebenfalls eine Vollbremsung einleiten und auf die Gegenfahrbahn ausweichen. Als sich beide Fahrzeuge auf gleicher Höhe befanden, beschimpfte der 33-Jährige durch das geöffnete Fenster den Landshuter als „Hurensohn“ und warf dann noch eine volle Bierflasche gegen die Windschutzscheibe des anderen Fahrzeugs, die zum Glück nicht zu Bruch ging.

Der Gelegenheitsarbeiter setzte seine Fahrt schließlich in Richtung Konrad-Adenauer-Straße fort, auf der er bei einem Überholvorgang einen 48-jährigen Landshuter Techniker schnitt. Als beide dann an einer Ampel bei Rotlicht anhalten musste, drohte der 33-Jährige aus dem Auto heraus: „Ich f... dich, ich f... deine Mutter und ich f... deine Kinder.“ Anschließend folgte er dem Techniker bis in die Neustadt, wo beide anhielten, dann ausstiegen und der Gelegenheitsarbeiter erneut seine Drohung vom Stapel ließ, um sich dann wieder ans Steuer zu setzen und mit Vollgas auf seinen „Kontrahenten“, der sich nur zwei Meter vor seinem BMW befand, zuzufahren. Der 48-Jährige wurde zwischen beiden Fahrzeugen eingeklemmt und an beiden Beinen, insbesondere am rechten, an dem er später operiert wurde, schwer verletzt.

Im Prozess vor dem Schöffengericht räumte der 33-Jährige die Anklagevorwürfe weitgehend ein. Obwohl er bereits 33 Jahre alt sei, so seine Erklärung, habe es sich um „jugendlichen Schwachsinn“ gehandelt. Zudem habe er vor und während der Fahrt einige Bier getrunken und Joints geraucht. Dann allerdings erging er sich in Selbstmitleid: Seit 2008 sei er – mit Ausnahme von eineinhalb Jahren – eingesperrt, im Gefängnis oder im Maßregelvollzug. Aus der Therapie sei er „rausgeworfen“ worden: „Ich brauche Hilfe, um mir ein neues Leben aufzubauen, eine Ausbildung. Allein schaffe ich es nicht“, bettelte er.

Der verletzte Techniker kann heute noch nicht richtig gehen. Sein ganzes Leben ist seit dem Vorfall zerstört. „Ich bin nach wie vor im Krankenstand, bin nicht vermittelbar, leide an Depressionen und habe noch Therapien vor mir.“


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