16.04.2020, 21:20 Uhr

Das Coronavirus im Landkreis „Wir können nicht in eine Glaskugel schauen“


„Es gibt immer mehr Genesene im Verhältnis zu den Neuerkrankungen im Landkreis“, diesen Fakt verkündete am Donnerstag, 16. April, bei der achten Pressekonferenz zum Coronavirus Barbara Engelhardt vom Gesundheitsamt. „Es ist eine positive Tendenz sichtbar. Es kommen immer weniger Fälle dazu.“

Landkreis Freising. Dazu wie sich nun die Lockerungen der Ausgangsbeschränkungen, die Ministerpräsident Markus Söder an diesem Tag verkündete, auswirken werden sagte Engelhardt: „Wir können alle nicht in eine Glaskugel schauen.“

Im Landkreis Freising sind mittlerweile 843 Coronavirus-Fälle nachgewiesen, 508 Menschen sind bereit wieder genesen. 29 Menschen sind an oder mit COVID-19 verstorben.

Alle im Klinikum Verstorbenen waren über 75 Jahre, berichtete der Ärztliche Direktor PD Dr. Markus Neumaier. Dort sei die Lage weiterhin stabil mit 50 bis 60 mittelschwer bis schwer erkrankten Patienten, von denen elf auf der Intensivstation liegen und sieben beatmet werden. „Es sind auch Jüngere darunter, die eine Beatmung brauchen“, so Neumaier. „Die haben allerdings die besten Karten im Hinblick auf eine Genesung.“ Hinsichtlich der Beatmungsplätze gebe er derzeit kein Kapazitätsproblem, auch das Schutzmaterial sei bisher nicht ausgegangen.

„Die Versorgung mit Schutzmaterial durch die Beschaffung des Landratsamtes und die Logistik des THW funktioniert sehr gut“, betonte der Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbandes, Georg Miedl, nachdem ein einzelner Arzt über die Medien dies in Frage gestellt hatte. Dieser Arzt sei mit Material selbst sehr gut versorgt worden, so Miedl.

Voll des Lobes war auch Michael Wüst, Ortsbeauftragter des THW Freising: „Es gelingt ganz hervorragend, die Auslieferungen und Anforderungen zu bedienen. Natürlich gibt es Dinge, die wir wegen der Marktlage manchmal nicht bekommen. Hier bewährt sich aber etwas, was es bayernweit sonst vielleicht gar nicht so gibt: Der enge Austausch zwischen Landratsamt, THW und den anderen Hilfsorganisationen, sagte Wüst. „Das Landratsamt hat sehr früh erkannt, dass es nötig ist, Schutzmaterial selbst zu beschaffen.“ Teile kommen auch über den Bund und das Land, dies sei aber eben längst nicht ausreichend.

Das Freisinger THW liefert das Schutzmaterial an 93 bevorrechtigte Empfänger im Landkreis wie etwa Ärzte, Klinikum, Alten- und Pflegeheime aus. Zweimal pro Woche ist das THW dazu mit bis zu fünf Fahrzeugen unterwegs. In den vergangen drei Wochen haben die Kräfte so 3.766 ehrenamtliche Einsatzstunden geleistet. Ein Einsatz, der vor allem wegen seiner Dauer mit einem Hochwasser nicht vergleichbar sei, so Wüst. Für diese enorme Leistung bedankte sich Landrat Josef Hauner ausdrücklich beim THW.

Zufrieden zeigte sich auch Dr. Mark Bardenheuer, der als Versorgungsarzt im Landkreis tätig ist. Die ärztliche Versorgung der Bevölkerung sei – selbst falls es zu Ausfällen von Praxen käme – gesichert.

Von den Alten- und Pflegeheimen sei bisher weiterhin nur eines betroffen, berichtete der Landrat noch. Die Situation habe sich bei dem Heim in Au seit der vergangenen Woche nicht wesentlich verändert. In vier Asylunterkünften gab es vereinzelte Coronafälle: In je einer Unterkunft in Attenkirchen sind es vier, in Fahrenzhausen zwei und auch in Freising zwei Fälle. In einer Unterkunft in Eching gibt es einen Fall.


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