14.06.2018, 13:37 Uhr

Bezahlen per Smartphone - Endzeitstimmung für das Bargeld Lösen elektronische Bezahlmethoden das Bargeld mittelfristig ab?

(Foto: www.flickr.com Sean MacEntee)(Foto: www.flickr.com Sean MacEntee)

Alternative Zahlungsmittel gehören bereits heute in ganz Europa zum Standard, doch die Deutschen hängen am Bargeld.

Beim bargeldlosen Bezahlen hinkt Deutschland den meisten westlichen Ländern hinterher. Trotz großer Sympathie für Scheine und Münzen hat aber auch hier der Wandel begonnen. Smartphone und biometrische Datenerkennung vereinfachen und beschleunigen Zahlvorgänge und ersetzen Stück für Stück die klassische Geldbörse.

Ohne Bargeld ist es heutzutage in Deutschland noch nicht möglich, überall einzukaufen. Bäckereien und Marktstände, aber auch viele Restaurants und Cafés akzeptieren ausschließlich die Zahlung mit Bargeld und lehnen häufig sogar große Banknoten ab. Für viele ist dies umständlich, denn es setzt vor dem Einkauf den Gang zum Geldautomaten voraus, der nicht selten mit Gebühren verbunden ist.

Auch das Bezahlen und Erstellen von Rechnungen sind Vorgänge, die mit großem Aufwand verbunden sind und mehrere bürokratische Arbeitsschritte voraussetzen. Nach einer ausgeführten Dienstleistung hat eine Rechnung nur dann ihre Gültigkeit, wenn sie formal korrekt gestellt wird. Mit Hilfe von Rechnungsvorlagen können unnötige Fehler vermieden werden, dennoch ist es mühsam, im Dschungel der diversen Zahlungsmodalitäten und -vorschriften den Überblick zu behalten. Bargeldloses Bezahlen hat viele Vorteile und verspricht vor allem, den Geldtransfer schneller und einfacher zu gestalten.

Bargeldlose Zahlungen nehmen in Deutschland zwar zu, im Vergleich zu anderen Ländern jedoch nur sehr schleppend. Der Anstieg betrug zwischen 2010 und 2016 insgesamt sieben Prozent. Im Zeitraum Mitte der neunziger Jahre bis heute zeigt sich zudem eine Zunahme von ausgegebenen Kreditkarten um 60 Prozent. Ein Blick auf die skandinavischen Länder Dänemark und Schweden sowie auf den angelsächsischen Raum relativiert diese Zahlen jedoch schnell. Während hierzulande nur jede zwanzigste Zahlung bargeldlos mit Kreditkarte getätigt wird, ist es dort bereits jede dritte. Lediglich in Italien und Spanien vollzieht sich der Wandel hin zu cashfreien Bezahlarten noch langsamer als in Deutschland.

Ganz anders verhält es sich in Asien, denn dort hat das Bargeld in großen Teilen schon ausgedient. In Indien ist das Bezahlen vielerorts nur noch mit dem Smartphone oder per Kartenzahlung möglich, nachdem 2016 ganze 86 Prozent des Bargeldumlaufs für ungültig erklärt wurden. Hintergrund war in erster Linie der Versuch, dem kriminellen Schwarzgeldhandel ein Ende zu setzen. Die Entscheidung traf vor allem die ärmere Landbevölkerung vollkommen unvorbereitet, da in Indien überhaupt nur 50 Prozent der Bevölkerung ein Bankkonto besitzen.

Mittlerweile ist die Regierung von einer vollständigen Abschaffung von Geldnoten abgerückt, der Trend zur bargeldlosen Gesellschaft ist aber nicht nur dort unaufhaltsam. So rechnen Experten damit, dass auch in Ländern wie Schweden ab 2025 kein neues Geld mehr gedruckt werden wird.

Auf kurz oder lang ist selbst im bargeldaffinen Deutschland der Siegeszug des bargeldlosen Zahlens trotz Für und Wider nicht aufzuhalten. Deutsche-Bank-Chef John Cryan kündigte bereits im Jahr 2016 an, dass Bargeld in zehn Jahren nicht mehr existieren würde. Ob diese Rechnung wirklich aufgeht, ist zu bezweifeln. Sie ändert dennoch nichts an der Tatsache, dass die Fortschritte der Digitalisierung die Bezahlvorgänge weiterhin stark vereinfachen und komfortabler gestalten werden. Mobile Zahlungsdienstleister wie PayPal werden beim Begleichen von Geldbeträgen eine immer wichtigere Rolle spielen, und die Zahlung mit dem Smartphone wird sich weiter durchsetzen.

Schon heute können Beträge unter 25 Euro in vielen Supermärkten per Smartphone bezahlt werden. Die sogenannte NFC-Technik macht es mittels integriertem Chip möglich, durch kontaktloses Anhalten die Bezahldaten auszutauschen. In Zukunft könnten wir unsere Einkäufe auch mit „Wearables“ bezahlen, etwa mit einer Armbanduhr. Sie wird dann als digitales Portemonnaie fungieren, das wir immer und überall mit dabei haben. Eine weitere Möglichkeit wird das flächendeckende Bezahlen mit biometrischen Daten sein, bei der wir Zahlungen durch einen Augenscan oder Fingerabdruck durchführen können.

Bildrechte: Flickr Credit Cards and CashSean MacEntee CC BY 2.0 “Bestimmte Rechte vorbehalten


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