01.08.2019, 10:30 Uhr

Eberhofer lässt grüßen Fan-Ansturm aufs echte Niederkaltenkirchen


Dass Burgen und Schlösser, einzigartige Naturschauspiele oder Veranstaltungen Touristen begeistern, kann man gut verstehen. Dass aber ausgerechnet ein Kreisverkehr, eine Metzgerei und ein Marktplatz in einem sonst so beschaulichen 4.700-Seelenort einmal zur „Pilgerstätte“ werden, das ist dann doch eher ungewöhnlich. Doch genau so ist es in Frontenhausen gekommen. Denn der Markt im Landkreis Dingolfing-Landau ist seit sechs Jahren Filmkulisse der beliebten Eberhofer-Krimikomödien von Schriftstellerin Rita Falk und rückt mit dem Filmstart des sechsten Teils „Leberkäsjunkie“ am 1. August einmal mehr ins Rampenlicht.

FRONTENHAUSEN „Es passiert mir oft, wenn ich beruflich in Deutschland unterwegs bin, dass die Leute mit Frontenhausen nichts anfangen können. Wenn ich dann aber von ,Niederkaltenkirchen‘ und dem Eberhofer erzähle, dann setzt der ,Ah-Effekt‘ ein“, schmunzelt Frontenhausens Bürgermeister Dr. Franz Gassner.

Daran hat er sich mittlerweile genauso gewöhnt, wie an die Tatsache, dass die Filmcrew seinen schönen Markt zum Film immer „extra greislig macht“, nur um das fiktive Niederkaltenkirchen, wie von Rita Falk im Buch vorgesehen, so schmucklos und niederbayerisch durchschnittlich wie gerade nur möglich wirken zu lassen. Dafür werden beispielsweise nicht nur die Geranien am Rathaus abgehängt, sondern auch die Rattanstühle der Pizzeria auf dem Marktplatz gegen die Plastikvariante ersetzt.

Von abgehängten Geranien und einem Kreisel-Kiosk

Der Begeisterung der Eberhofer-Fans scheint dies keinen Abbruch zu tun – ganz im Gegenteil. „Mit diesem Hype, den die Filme ausgelöst haben, hätten wir ganz ehrlich nicht gerechnet“, sagt Dr. Gassner und gibt zu, dass man aber natürlich auch vieles dafür tue, um auf den Marketing-Zug mitaufzuspringen.

Der größte Coup war da wohl vor einem Jahr die offizielle Umbenennung des berühmten Film-Kreisverkehrs, den der Kult-Kommissar auf dem Weg zu seinen Einsätzen regelmäßig umrundet. Am „Franz-Eberhofer-Kreisel“ begrüßen seitdem zwei überlebensgroße Metallaufsteller von Franz (alias Sebastian Bezzel) und Spezl Rudi Birkenberger (alias Simon Schwarz) all jene, die nach Frontenhausen kommen. „Zum Teil geht‘s da am Kreisverkehr so zu, dass uns ein Münchner tatsächlich schon ein Angebot gemacht hat, da einen Kiosk aufzustellen“, amüsiert sich der Bürgermeister.

Doch längst ist nicht nur mehr allein der Kreisverkehr Objekt der Foto-Begierde der zahlreichen Fans. Auch die Pfarrkirche, der Marienplatz, der Friedhof, der Stachus oder die Klostergasse wollen erkundet werden – genauso wie die Metzgerei Simmerl. Im echten Leben ist das die Metzgerei Stadler in der Vilsbiburger Straße. Und auch hier ist man an neugierige Fans schon längst gewöhnt, die sich hier ihre Original-Eberhofer-Leberkäs-Semmel holen, Selfies an der Wursttheke machen oder einfach mal nachschauen wollen, wo die Filmcrew denn den Schweinskopf oder den Swingerclub-Nudelsalat herbekommen hat.

Damit die treuen Anhänger des schrägen Polizisten und seiner Geschichten alle Drehorte in und um Frontenhausen finden, hat der Markt mittlerweile sogar einen eigenen Falt-Flyer herausgebracht. „1.000 Stück haben wir im März drucken lassen. Aber die waren so schnell weg, dass wir jetzt gleich 5.000 haben nachdrucken lassen“, so der Bürgermeister, der ob des Hypes um Niederkaltenkirchen mittlerweile auch noch unverhofft zu einem „Nebenjob“ gekommen ist: dem als Reiseführer.

Kein Besuch ohne die echte Eberhofer-Leberkässemmel

Erst am vergangenen Samstag war ein ganzer Bus voller Eberhofer-Fans in Frontenhausen, am kommenden Wochenende hat sich schon der nächste angekündigt. Neben der ein oder anderen Runde um den Kreisverkehr und einer kulinarischen Leberkäs-Semmel-Pause bei der Metzgerei wird Gassner dabei auch an den einzelnen Drehorten so manche Anekdote rund um die bisherigen Filmdrehs erzählen. So wie die, als beim letzten Casting über 2.000 Menschen für ein paar Statisten-Rollen im aktuellen Film „Leberkäsjunkie“ angestanden sind. „Die Warteschlange war riesig, genauso wie das Verkehrschaos. Wenn das beim nächsten Casting auch wieder so wird, müssen wir überlegen, Park+Ride-Parkplätze einzurichten“, scherzt Gassner.

Dass dieser Fall tatsächlich schon bald eintreten kann, ist nicht abwegig. Denn schon in wenigen Wochen soll ein neuer Teil der Rita Falk-Eberhofer-Bestseller in Frontenhausen, dem „echten Niederkaltenkirchen“, wie es so schön an den neuen Ortseingängstaferln heißt, gedreht werden.

Und wer weiß, vielleicht entdeckt ja eines Tages auch eine noch größere Filmproduktion die Vorzüge Frontenhausens für ein Projekt. Dr. Franz Gassner kann über solche Spekulationen nur schmunzeln: „Für viele sind wir ja jetzt schon das Hollywood Niederbayerns – also warum ned?“


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